Weiterhin glücklos: Müller gegen Leverkusen. In der 65. Minute wurde er ausgewechselt.
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Weiterhin glücklos: Müller gegen Leverkusen. In der 65. Minute wurde er ausgewechselt.

FC Bayern

Müllers Torflaute - inzwischen eine Randnotiz

  • VonHanna Raif
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Auch gegen Leverkusen hat Thomas Müller nicht getroffen. Sogar Mats Hummels hat nun ein Tor mehr auf dem Konto, aber Präsident Uli Hoeneß setzt sich für den glücklosen Bayern-Stürmer ein: „Alle Zeit der Welt.“

München – Am Sonntag in Waging am See konnte Thomas Müller seine Sorgen für ein paar Stunden mal wirklich aus dem Kopf verbannen, denn es gab viel alternatives Programm. Der Fanclub „De rodn Waginga“ hatte in der Vorbereitung wirklich nichts ausgelassen, der prominente Besuch hatte keine ruhige Sekunde: Thomas Müller posierte mit der Blaskapelle, bekam eine Medaille um den Hals gehängt, spielte auf der Bühne Golf, gab „Stille Nacht“ zum Besten, wurde mehr als eine halbe Stunde gelöchert und schrieb dann auch noch Autogramme auf alles, was ihm vorgelegt wurde. Der 27-Jährige ist und bleibt – das sah man bei diesem adventlichen Besuch in Waging mal wieder – der Vorzeige-Bayer. Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass sein Tore-Konto nach dem 12. Spieltag immer noch auf Null steht.

Im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt elf.

Es ist der normale Reflex der Fußballbranche, dass Geschichten abflachen, je länger sie auf dem Markt sind; dass sie von anderen, kurzzeitig brisanteren verdrängt werden. Und so ist auch Müllers Torflaute – obwohl sie inzwischen beachtliche Dimensionen angenommen hat – nichts anderes mehr als eine Randnotiz. Ja, der Nationalspieler hatte auch beim 2:1 gegen Bayer Leverkusen nicht getroffen, obwohl er 65 Minuten auf dem Platz stand. Von größerem Interesse aber waren an diesem Wochenende neben dem ersten Pflichtspiel-Sieg der Bayern nach drei Punktverlusten in Folge ein Handspiel von Javi Martinez, die Vertragsverlängerung von Franck Ribery sowie natürlich die Rückkehr von Uli Hoeneß. Man kann es also so sehen: Müller hat eine weitere Woche Gnadenfrist bekommen.

Daran, dass man sich intern mit der ungewohnten Situation für den bisher jahrelang so unberechenbaren Torjäger beschäftigt, ändert das freilich nichts. Hermann Gerland, seit Jugendtagen Müllers Trainer, hat ihm Extra-Einheiten angeboten, die Müller gerne annimmt. Er weiß selber, dass es ihm so guttun würde, irgendwie irgendwo, egal mit welchem Körperteil, diese Kugel mal wieder über die Linie zu drücken. Eine altbekannte Stürmer-Weisheit besagt: Wenn der Bann einmal gebrochen ist, erledigen sich die Probleme ganz schnell von selbst. Bis dahin aber bemüht man sich beim FC Bayern, weiter Geduld mit dem Glücklosen zu haben.

„Man muss dem Thomas einfach alle Zeit der Welt geben“, sagte Neu-Präsident Uli Hoeneß und widersprach all denjenigen, die nun rufen, man solle „ihn auf die Bank setzen“. Einen „Spieler seiner Klasse“ müsse man „durchziehen, bis er wieder trifft. Ich bin der Meinung, dass ein Spieler wie er nicht besser wird, wenn er ständig ein- und ausgewechselt wird.“

Für Carlo Ancelotti ist das nicht einfach. In den letzten fünf Liga-Spielen stand Müller nur zwei Mal in der Startelf, gegen Leverkusen wurde er ausgewechselt. Elf seiner Mitspieler stehen inzwischen auf der internen Torschützenliste, haben also mindestens einen Liga-Treffer mehr als Müller erzielt. Unter ihnen ist seit dem Topspiel am Samstag einer, der – weil zuvor ebeno torlos – auch schon mit sich gehadert hatte. Und das, obwohl er nicht Angreifer ist – sondern Innenverteidiger.

Mats Hummels war die Erleichterung am Samstag in jeder Geste anzusehen, auf dem Platz und daneben. Sein Siegtor zum 2:1 hatte zwar in erster Linie die Bayern aus ihrer Mini-Krise erlöst, dazu aber auch den 27-Jährigen selbst. „Pech oder nicht gut gemacht – beides war dabei“, sagte er mit Blick auf die vergangenen Wochen, in denen er mal Aluminium, aber nie das Tor getroffen hatte. Er hatte viel gearbeitet für seinen Premieren-Erfolg im Bayern-Trikot, hatte oft den Weg zum Tor gesucht, war mit dem Kopf nah dran. „Aber“, sagte er, „am Ende ist es am besten, wenn irgendeiner rein flankt. Damit habe ich persönlich immer die besten Erfahrungen gemacht.“

Am Samstag war Joshua Kimmich derjenige, der ihn in Szene setzte. Der übrigens ist nach Robert Lewandowski bisher der zweitbeste Schütze. Vier Treffer – Müller würde sie nehmen.

Mit Handkuss.

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