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Dauerhaft umstritten: van Gaal (mit seinen Assistenten Jonker, l., und Hoek, r.).

Die Musik der Papageien

München - Am Tag vor dem Bundesligaspiel hält Louis van Gaal seine Gesprächsrunde mit den Medien ab, dazu lässt er sich Cappuccino und ein Glas mit braunem Zucker reichen; wie er dann seinen Kaffee ausgiebig süßt und die Reporter fixiert, maßregelt, verhöhnt oder auch mal lobt, das sind rituelle Handlungen geworden.

Doch wie oft kommt es noch dazu? Angesichts der Möglichkeiten, die seine Mannschaft seit der Rückkehr von Arjen Robben hat, kann man sich noch Jahre mit solchen launig-kontroversen Freitagen vorstellen - doch ebenso erscheint denkbar, dass jeder Cappuccino der letzte ist. Van Gaal hat es ja selbst gesagt nach dem 4:0-Pokalsieg am Mittwoch in Aachen: „Viele dachten, wenn van Gaal dieses Spiel verliert, dann fliegt er. . .“

Louis van Gaal: Seine besten Sprüche

Louis van Gaal: Seine besten Sprüche

Louis van Gaal: Seine besten Sprüche

Zu Beginn seiner Zeit in München war der Niederländer umstritten, weil die Ergebnisse nicht stimmten. Mit Double, Champions League-Finalteilnahme und attraktivem Fußball hat er sich einen Bonus erarbeitet, doch angekreidet werden ihm nun gewisse Verhaltensauffälligkeiten, kommunikative Schwächen, Herrschsucht, der fluchtartige Wechsel des bisherigen Kapitäns Mark van Bommel. Gilt unter diesen Umständen noch das Zitat von Louis van Gaals erstem Auftritt als Bayern-Trainer im Juli 2009? Dieser Verein sei für ihn wie ein „warmer Mantel“.

„Ich denke, dass ich mich sehr wohl fühle“, sagt er. Ausschlaggebend sei für ihn die Zusammenarbeit „mit meinem Vorstand, meinen Spielern und meinem Stab“. Die Ausnahme sei Uli Hoeneß. „Mein Präsident hat sich kritisch geäußert - es ist eine Person, die das macht. Aber diese Person ist nicht immer an der Säbener Straße, das kann ich erzählen.“ Und das ist schon wieder eine heftige Breitseite - weil dem Arbeitstier Hoeneß eine eher lässige Arbeitseinstellung wie seinem meist absenten Präsidenten-Vorgänger Franz Beckenbauer unterstellt wird.

Noch weniger gibt der Trainer auf die Bemerkungen der Ex-Spieler Oliver Kahn und Mehmet Scholl, die die Lage der Mannschaft von außen analysieren. Die spezifische Münchner Meinungsmaschinerie treffe ihn nicht unerwartet, sagt van Gaal: „Diese Geschichten kennt man auch in Holland, da habe ich schon immer über den FC Hollywood gelesen. Roy Makaay hat davon berichtet, und wegen mir wird jetzt noch mehr berichtet.“

Was Kahn und Scholl betreffe: „Mit Kahn habe ich noch nie ein Wort gesprochen, Scholl war letztes Jahr hier Trainer, wir haben wenig geredet, deswegen hat seine Stelle jetzt wieder Hermann Gerland.“ Kritiker-Ausführungen seien für ihn „Papageienmusik“.

Um den Begriff zu erläutern: Es werde vorgeplappert und nachgeplappert. „Der erste sagt: ,Van Gaal ist ein Schwanz.’ Der nächste sagt: ,Van Gaal ist ein Schwanz.’“ Was immer da verloren gegangen sein mag auf dem Weg vom Niederländischen ins Deutsche und was immer das auch bedeutet. . .

Markus Hörwick, der Pressechef des FC Bayern, merkt noch an, dass die heutigen Kritiker Kahn und Scholl in ihrer Zeit als Kritisierte selbst recht mimosenhaft gewesen, bisweilen explodiert wären und sich Wertungen von außen verbeten hätten.

Nun denn, van Gaal findet, dass der FC Bayern keineswegs, wie Scholl behauptet, an Wärme verlieren würde. Sondern: „Wir haben van Bommel und Braafheid aus menschlichen Gründen gehen lassen. Im Gegenteil also: Es ist eine warme Welt hier.“

Doch werden die Papageien jemals verstummen? „Wenn wir gewinnen“, sagt Louis van Gaal und hebt die Cappuccino-Tasse, „werden sie ruhig sein“. Der nächste Freitags-Kaffee wäre gesichert.

Von Günter Klein

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