„Zu viel Adrenalin“: Müller über die Situation vor dem Strafstoß. Er scheiterte in fünf seiner letzten zehn Versuche.
+
„Zu viel Adrenalin“: Müller über die Situation vor dem Strafstoß. Er scheiterte in fünf seiner letzten zehn Versuche.

Nach erneutem Fehlschuss

Thomas Müller schwört dem Punkt ab

  • Hanna Raif
    vonHanna Raif
    schließen

Bayerns ehemals erste Schütze will nach dem Fehlversuch gegen Augsburg bis auf Weiteres keine Elfmeter mehr schießen. Ab jetzt sollen andere ran: „Ich konzentriere mich aufs Fußballspielen.“

München – Ja, es ist nicht nur ein Sprichwort, wenn man sagt: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und Thomas Müller drehte das Ganze in der Nacht zum Donnerstag noch ein Stückchen weiter. Natürlich war er angefressen, weil er beim 3:1 gegen den FC Augsburg mal wieder einen Elfmeter vergeben hatte. Aber dennoch korrigierte der Nationalspieler sein Gegenüber, der ihn als Einleitung für eine Frage als „zuletzt sicheren Schützen“ bezeichnet hatte. Müller lachte hämisch und sagte: „Haha, das ist aber schon ein bisschen länger her“, um dann hinzuzufügen, was sich schon lange angedeutet, aber nun endgültig bestätigt ist: „2016 ist nicht das Jahr des Elfmeters.“

Der kleine Trost: Im Hintergrund lief das Elfmeterschießen zwischen Borussia Dortmund und Union Berlin, in dem die Hauptstädter keinen einzigen Ball ins Netz schossen. Aber Müller hat doch andere Ansprüche an sich selbst. Vor allem, weil er mal ein sicherer Schütze war. Als die Bayern nach dem dramatisch verlorenen Finale dahoam gegen den FC Chelsea lange ein Trauma mit sich herumschleppten, waren alle heilfroh, dass dieser Müller vom Punkt immer abgebrühter und besser wurde. Er war zwar ab und an das Gespött seiner Mitspieler, weil er anlaufe wie eine Ente – Popo raus, Kopf nach oben. Aber er traf immerhin. Beziehungsweise: Er hat getroffen. Denn diese Zeiten sind vorbei.

Müller schoss nur wegen der Rotation

Dass Müller beim Stand von 2:0 antreten musste, war eher Zufall. Als erster Schütze war der 27-Jährige, der nun fünf seiner letzten zehn Strafstöße vergeben hat, bereits vor der Saison abgelöst worden. „Ich bin nur in die Rotation reingeraten, weil Robert (Lewandowski), Arjen (Robben) und Arturo (Vidal, d.Red.) nicht auf dem Platz standen“, erzählte er. Der Plan, „hoch in die Mitte zu schießen“, sei gut gewesen, „aber es war vielleicht zu viel Adrenalin im Körper“. Die logische Konsequenz, wenn im Kopf Erinnerungen an die jüngsten Fehlschüsse spuken.

Die Bayern hätten es einfacher haben können, wenn Müller in der 57. Minute nicht in den Nachthimmel geschossen, sondern ins Tor getroffen hätte. „Aber er wollte wohl nicht“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge grinsend. Auch eine Form von Galgenhumor, aber eine, die Müller nicht so gut gefallen dürfte. „Es wurmt mich schon“, gab er zu und prognostizierte, dass er – auch als Vorbereiter der ersten beiden Tore – „heute nicht zufrieden einschlafen werde“.

Bayern ohne Probleme gegen Augsburg - viermal Note 2

Das Hinterfragen hatte Müller noch vor Ort aufgegeben. „Da gibt es nichts zu analysieren. Er war nicht drin – deshalb war er absolut schlecht“, sagte er zunehmend schlechter gelaunt. Sein Plan sei deshalb: „Mich in Zukunft aufs Fußballspielen konzentrieren und die anderen schießen lassen.“ Worte, die ausnahmsweise mal nicht als Witz gemeint waren. Sondern bitterernst.

Das Spiel im Ticker zum Nachlesen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Steht Sensations-Comeback bevor? Mario Götze absolviert Fitnesstest
Steht Sensations-Comeback bevor? Mario Götze absolviert Fitnesstest
FC Bayern: Irre Theorie - Freut man sich über die Hoffenheim-Packung?
FC Bayern: Irre Theorie - Freut man sich über die Hoffenheim-Packung?
Robert Lewandowski: Die Karriere und das Privatleben des Weltstars
Robert Lewandowski: Die Karriere und das Privatleben des Weltstars
FC Bayern - Borussia Dortmund im Live-Ticker: Holen sich die Bayern den fünften Titel? Supercup ohne Zuschauer
FC Bayern - Borussia Dortmund im Live-Ticker: Holen sich die Bayern den fünften Titel? Supercup ohne Zuschauer

Kommentare