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Daneben: Die entglittene Flanke war aber Ulreichs einzige Uns icherheit.

Ulreich plötzlich Vollzeitkraft

Schon wieder im Mittelpunkt

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Der Wiedereinstieg ist Sven Ulreich gelungen. Dass der Neuer-Vertreter auf Schalke so stark war, nährt beim FC Bayern die Hoffnung, dass er auch gegen Paris bestehen kann.

Gelsenkirchen – Ob es beim Bau der Gelsenkirchener Arena so beabsichtigt war oder nicht: Die Räumlichkeiten auf Spielfeldebene bieten für Außenstehende einen entscheidenden Vorteil. Weil vor dem Kabinentrakt Türen angebracht wurden, die nicht ganz blickdicht sind, kann man das bunte Treiben nach Spielende bestens verfolgen. Am Dienstagabend bot sich ein regelrechtes Spektakel, ein Misch-Masch aus aufgebrachten Schalkern, die die Tür freiwillig öffneten, um sich bei den davor wartenden Journalisten über den aus ihrer Sicht unberechtigten Handelfmeter zu beschweren (Fährmann: „Zum Kotzen“). Und Bayern, die zuhauf in allerletzter Sekunde merkten, dass der Weg zum Bus in die andere Richtung geht. Wirklich viele von ihnen passierten die transparente Tür nicht. Nur Sven Ulreich, der ging gleich zwei Mal durch. Vollkommen freiwillig,

Der 29-Jährige kennt die Situation inzwischen, er ist quasi ein Routinier in Ersten-Spielen-nach-Manuel-Neuer-Verletzungen. Schon zwei Mal musste Ulreich den Welttorhüter in diesem Jahr vertreten, meist kamen zu diesem ersten noch zwei, drei, vier, fünf weitere Partien hinzu, diesmal werden es deutlich mehr werden. Ulreich meinte es nicht böse, als er nach seinem starken Wiedereinstieg sagte: „Es ist natürlich schön, jetzt über eine längere Distanz zu spielen.“ Er wollte nur ausdrücken, dass die Situation, die für Neuer „man kann es nicht anders sagen: richtig scheiße“ sei, ihm durchaus in die Karten spielt. Zwar sei er sich dessen bewusst, „dass auch nicht so gute Spiele kommen werden. Aber ich weiß auch, was ich kann, und ich weiß, dass ich Manu gut vertreten kann.“

Es gibt im Leben sicher leichtere Aufgaben, als den Weltbesten seiner Zunft zu ersetzen, „da sind wenige Dinge, die ich besser machen kann“. Dass Ulreich aber ein Mann ist, der von Spielpraxis lebt, lässt die Aufregung um die Fuß-OP von Neuer ein wenig abflauen. Nicht nur die Mitspieler erinnern sich an „seine starken Auftritte gegen Dortmund und Leverkusen“ (Thomas Müller), und weil Ulreich auch beim verdienten Sieg gegen Schalke starke Paraden zeigte, „wissen wir, dass wir uns auf ihn verlassen können“. Auch Carlo Ancelotti versicherte: „Wir vertrauen Sven.“ Natürlich bleibt den Bayern aber auch nichts anderes übrig.

Die Tücken der Transferpolitik werden an diesem Fall deutlich. Adäquaten Ersatz gibt es im Bayern-Kader nur für Robert Lewandowski und Manuel Neuer nicht – aber wie soll man Weltstars ohne Aussicht auf Einsätze auch nach München locken? Schon den Ulreich-Wechsel vor zwei Jahren konnten viele Beobachter der Branche kaum nachvollziehen. Dass der Ex-Stuttgarter seine Wechselambitionen im Sommer noch einmal überdachte („nur auf der Bank sitzen, ist nicht schön“), ist nun vor allem für ihn von Vorteil.

Mindestens dreieinhalb Monate lang wird Ulreich nun gefordert sein. Seinen Rhythmus, sagte er, müsse er „erst wieder finden, mich an die Abläufe gewöhnen“. Zwischen der Aktion, bei der sich Neuer im Abschlusstraining erneut den linken Mittelfuß brach („auf einmal hat er aufgeschrien, das sah nicht gut aus“) und dem Anpfiff in Gelsenkirchen lagen gerade mal rund 30 Stunden. Mit den kommenden Gegnern wird er sich eingehender beschäftigten. Die Partie gegen Wolfsburg am Freitag ist die Generalprobe für das Aufeinandertreffen mit Paris, bei dem der Keeper deutlich mehr gefordert werden wird. Offiziell lässt Ulreich Gedanken an Neymar und Co. „noch außen vor“. Hinter der transparenten Tür, dort, wo die die Spieler eigentlich unbeobachtet fühlen, dürfte er sich dazu anders geäußert haben.

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