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„Wir hissen nicht gleich wieder die weiße Fahne“: Bayerns NLZ-Leiter Jochen Sauer.

FC Bayern Nachwuchsleiter über die Amateure

Jochen Sauer im Interview: „In der 3. Liga geht es nur mit 120 Prozent“

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Am Freitag, 26. Juli empfängt Aufsteiger FC Bayern II den KFC Uerdingen um den ehemaligen FCB-Coach Heiko Vogel.

Zum Auftakt hatten die kleinen Bayern in Würzburg mit 1:3 verloren. Vor dem ersten Drittliga-Heimspiel der „Bayern-Amateure“ seit mehr als acht Jahren sprachen wir mit Nachwuchsleiter Jochen Sauer, 46, der seit 2017 beim Rekordmeister ist und zuvor für RB Salzburg tätig war.

Herr Sauer, der Start ging schon mal daneben. Wie lange darf die Mannschaft brauchen, um sich den gestiegenen Anforderungen in der 3. Liga anzupassen?

Letzte Saison haben 45 Punkte nicht gereicht, um in der Liga zu bleiben. Da müssen wir schon schauen, dass wir keine allzu lange Eingewöhnungszeit brauchen. Das erste Spiel hat uns schon gezeigt, dass wir fußballerisch mithalten können, Fehler aber viel schneller bestraft werden als in der Regionalliga. Das wird sicherlich der Aspekt sein, den unsere jungen Spieler möglichst schnell lernen müssen. Gut ist, dass uns allen von Anfang an klar war, was uns erwartet.

Die meisten der Spieler waren es bisher gewöhnt, um Meisterschaften zu spielen und im Saisonverlauf deutlich mehr Spiele zu gewinnen als zu verlieren. Wie schwer ist es zu verinnerlichen, auf einmal um den Klassenerhalt kämpfen zu müssen?

Wir wollten ja in die 3. Liga, auch damit unsere Spieler noch schneller lernen, was sie im Profifußball erwartet, wenn sie ganz nach oben wollen. Wir wissen, dass es im ersten Jahr tabellarisch zunächst nur um den Klassenerhalt geht. Aber aus Niederlagen lernt man oft mehr als aus Siegen. Dasselbe Problem haben wir ja auch beim Sprung vom Junioren- in den Männerfußball, gerade beim unglaublich hohen Niveau unserer Profis.

Sie meinen, dass die Mannschaft mit ihren Aufgaben wachsen soll?

Wenn du in der U 17 und U 19 qualitativ so viel besser bist als viele andere Mannschaften, dann gewinnst du deine Spiele auch mal mit 80, 90 Prozent und spielst in der Tabelle oben mit. Dasselbe galt auch in der Regionalliga, wo nie die Gefahr bestand, unten rein zu rutschen. Es ist ja nur menschlich, oftmals nur so hoch zu springen, wie man muss. Das führt aber natürlich nicht zu einem schnellen und kontinuierlichen Lernprozess. Das ist in der 3. Liga definitiv anders, da geht es – gerade mit unserer jungen Mannschaft – in keinem Spiel unter 120 Prozent. Deswegen ist es für mich ein Fakt, dass die Lernkurve dort schneller ansteigt.

Mit Nico Feldhahn, Maximilian Welzmüller, Otschi Wriedt und Neuzugang Timo Kern stehen vier Routiniers über 23 unter Vertrag. Nur drei davon dürfen zeitgleich auf dem Platz stehen. Ist eine gewisse Anzahl an älteren Spielern auch in Zukunft in der 3. Liga unerlässlich?

Ich glaube nicht, dass es Sinn machen würde, ganz auf die älteren Spieler zu verzichten. Ein Effekt dabei ist ja auch, dass sie die Jungs führen und für eine Team-Ordnung sorgen sollen. Es gibt aber dabei keine Festlegung auf eine bestimmte Anzahl. Ich will nicht ausschließen, dass wir mal auch nur einen oder zwei ältere Spieler im Kader haben. Vier wie aktuell halte ich aber für das Maximum.

Nach acht Jahren Regionalliga ist der FC Bayern II gekommen, um Drittligist zu bleiben, oder?

Wir haben sicher nicht diese Anstrengungen unternommen, um gleich wieder die weiße Fahne zu hissen. Wir sind der Überzeugung, dass wir uns personell sehr gut aufgestellt haben. Das Gerüst mit älteren Spielern soll die jungen Spieler führen. Sollten wir aber nach dem fünften, sechsten Spieltag feststellen, dass wir aus irgendeinem Grund noch auf eine Situation reagieren müssen, dann sind wir über den Markt so gut informiert sind, um auch noch reagieren zu können. Wenn möglich, würden wir das aber gerne vermeiden. Wir vertrauen dieser Mannschaft und sind der Meinung, dass wir auf jeder Position so viel Qualität haben, um damit den Klassenerhalt in der 3. Liga erreichen zu können.

Sebastian Hoeneß, der Aufstiegs-Coach Holger Seitz beerbte, stößt bei Teilen der Fans auf Skepsis, wohl aufgrund seines prominenten Namens.

Wir haben uns für ihn entschieden, weil wir in den zwei Jahren, die er hier ist, gesehen haben, dass er die Qualität hat, unsere U 23 erfolgreich zu trainieren. Deshalb begegne ich diesem Thema eher gelassen. Unsere Entscheidungen sind inhaltlich und von Namen unabhängig. Holger Seitz hatte den klaren Wunsch, eine Leitungsfunktion am Campus zu übernehmen und dann war Sebastian Hoeneß als U 19-Coach einfach der logische Nachfolge-Kandidat.

Inwiefern hat sich die Zusammenarbeit mit den Profis durch den Drittliga-Aufstieg verändert?

Grundsätzlich nicht wesentlich, weil wir auch schon vorher viel Wert auf Kommunikation gelegt haben. Herausfordernd wird das Thema Spielplangestaltung, das ist ein großes Fragzeichen. Da ist es oft alleine schon logistisch nicht machbar, Spieler an einem Wochenende bestmöglich zum Einsatz zu bringen. Aber natürlich: Wenn es möglich ist, dann ist es für einen Alphonso Davies oder Fiete Arp viel attraktiver, 90 Minuten in der 3. Liga gegen Braunschweig oder Kaiserslautern zu absolvieren als noch in der Regionalliga. Zudem kann es in der 3. Liga natürlich sein, dass auch mal ein älterer Profi nach einer Verletzung in der Reserve Spielpraxis sammeln kann.

In Leverkusen, Frankfurt oder Leipzig wurde die zweite Mannschaft abgemeldet. Wie stehen Sie zu diesem Thema, wird darüber beim FC Bayern auch nachgedacht?

Für mich gibt es bei einem Bundesligaverein keine sinnvolle Alternative zu einer zweiten Mannschaft. Mert Yilmaz und Kilian Senkbeil etwa kamen vor einem Jahr aus Leipzig zu uns, weil sie dort nach der U 19 nicht wussten, wie es für sie weitergehen kann. Nicht jeder startet sofort durch wie ein Jadon Sancho in Dortmund, die meisten Spieler musst du eben erst heranführen an die Anforderungen im Profifußball. Und da gibt es für mich keinen besseren Weg als eine zweite Mannschaft.

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