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Der HSV – Herrscher von München

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Holländer im Duell: So war es im Hinspiel. Eljero Elia sprang höher als Bayer Arjen Robben, der Hamburger SV siegte 1:0. © Gettyimages

München - Verkehrte Welt: Diesmal ist es nicht der Gegner, der die Woche über die Beine hochlegen kann, sondern der FC Bayern.

Die Münchner durften zwei freie Tage einlegen und gestern dann gemütlich zuschauen, wie sich der Hamburger SV in der Europa League abrackern musste. Diesen Vorteil können die Bayern auch ganz gut gebrauchen – denn der HSV ist ihr Allianz Arena-Angstgegner.

Ivica Olic hat zwei Söhne, und bevor der FC Bayern in der Vorrunde in Hamburg antreten musste, erzählte der vom HSV nach München gewechselte Stürmer, wie es so läuft bei der Umerziehung des Nachwuchses. Die Geschichte damals war die, dass Vater Olic die HSV-Musik „Hamburg meine Perle“ aus dem CD-Spieler des Familienautos entfernt hatte und immer „FC Bayern Stern des Südens“ einschob.

Das neue Liedgut setzte sich durch – so dass es Olic eigentlich schon wieder zu viel wurde, wenn die Bayern-Hymne auf „Replay“ lief, immer und immer wieder. Und jetzt? Am Sonntag (17.30 Uhr) kommt der HSV zu den Bayern, die Olic-Söhne werden in der Allianz Arena dem Spiel beiwohnen. Wie gewandet? „Mein älterer“, sagt Ivica, „ist schon hundert Prozent FC Bayern und der HSV nur noch seine Nummer zwei.“

Darum: rotes Trikot. Doch während bei Toni die Anpassung an den neuen Arbeitgeber erfolgreich abgeschlossen ist, muss bei Luca, dem jüngeren, noch gearbeitet werden. Luca, erzählt Olic sen., entscheide sich, so habe es die Frau erzählt, bei gleichzeitigen Übertragungen lieber für die HSV-Spiele, und am Sonntag werde er, falls er sich ein Bayern-Trikot anziehen lasse, darunter garantiert ein anderes tragen: „Eines vom HSV, von Trochowski, seinem Lieblingsspieler.“

Bayern – HSV, das ist das klassische Nord-Süd-Duell in der Bundesliga – noch dazu steht es unter einem besonderen statistischen Aspekt, auf den spontan kaum jemand kommen würde. Auch Olic, der beide Vereine gut kennt, war überrascht zu hören, „dass der FC Bayern in seiner Arena noch nie gegen Hamburg gewonnen hat“. So ist es – wenn man die Bilanz aufs Bundesliga-Geschehen beschränkt.

Einen Ausreißer aus der Tristesse gibt es: Im Dezember 2005 besiegten die Bayern im DFB-Pokal den HSV in der Verlängerung. 1:0. Doch im Ligabetrieb waren Unentschieden das höchste der Gefühle. In der Allianz Arena-Einstandssaison 2005/06 verloren die Münchner 1:2, im Spieljahr 2006/07 wiederholte sich dieses Resultat, 2007/08 gab es ein 1:1, 2008/09 im ersten Punktspiel unter Leitung von Trainer Jürgen Klinsmann ein 2:2.

In der laufenden Saison verlor der FC Bayern zwei Bundesligaspiele, eines davon in Hamburg. 0:1, die Krise der Münchner spitzte sich damals zu. Doch es ist keine weitere Niederlage in der Liga dazugekommen.

„Danach hatten wir noch ein, zwei Spiele, die nicht so gut liefen“, sagt Ivica Olic und zieht den Vorher-nachher-Vergleich: „Jetzt haben wir eine total andere Form, ein total anderes System. Und wir sind topfit.“ Ivica Olic hat diese Woche bereits mit einem HSV-Spieler telefoniert, David Jarolim ist sein bester Freund an alter Wirkungsstätte.

Zweiter Ex-Hamburger der Bayern ist Hans-Jörg Butt, dessen Kontakte in die Hansestadt sich inzwischen allerdings „aufs Umfeld beschränken, denn Spieler aus meiner Zeit sind keine mehr da“. Torhüter Butt hat seine Profilaufbahn beim HSV begonnen, er ist stolz, „dass das in die Zeit fiel, in der der Aufschwung begann und in der auch das Stadion umgebaut wurde.

Wo der Verein heute steht, das hat mit damals zu tun.“ So sei Hamburg heute „eine Spitzenmannschaft“ – plus Winterzugang Ruud van Nistelrooy. „Das sagt ja was aus, wenn solch ein Weltklassespieler zum HSV geht“, so Butt, der aber davon abrät, „dass wir uns auf ihn konzentrieren. Auch so sind die Hamburger in der Offensive stark besetzt.“ Und sie werden, so erwartet es Ivica Olic, „angreifen, denn das ist ihr Stil“. D

ass sie sich nicht verbunkern, haben sie bereits bewiesen – siehe Bilanz in der Allianz Arena.

Günter Klein

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