+
Kollektive Enttäuschung: Das Remis stimmte Hoffenheim deutlich zufriedener als Bayern.

Nur Remis gegen Hoffenheim

Im Topspiel geht es für Bayern „einen Schritt zurück“

  • schließen

München - Der FC Bayern lässt gegen Hoffenheim erneut zu lange die nötige Dominanz vermissen und stärkt einen echten Konkurrenten. Denn nicht nur Karl-Heinz Rummenigge ist sich sicher: „Hoffenheim wird sich da oben etablieren.“

Putzig ist der Ausdruck, der es vielleicht am besten beschreibt, wenn man an diese eine Situation denkt, die sich nach Spielende des 1:1 zwischen dem FC Bayern und 1899 Hoffenheim in den Katakomben der Allianz Arena ereignet hat. Und das, was Julian Nagelsmann da nach einem nicht enden wollenden Interview-Marathon noch ohne Murren auf sich nahm, sprach schon auch für die Ausrichtung des Klubs, dessen Trainer er ist. Modern, nahbar, jung, das will 1899 Hoffenheim sein, da kann man dem Coach schon auch mal einfach das Mikrofon mit dem Klubwappen in die Hand geben und sagen: Schieß los! Während Nagelsmann also in Jeans und Pulli bereitwillig noch ein letztes Fazit für die vereinseigenen Medien zog und immer wieder über das blaue Vereins-mikro hinweg schelmisch in die Kamera grinste, trat auf der anderen Seite der Mixed Zone ein Mann den Heimweg an. Carlo Ancelotti hatte sich seinen schwarzen Mantel über den Anzug gezogen und die Aktentasche um die Schultern gehängt. Sein Arbeitstag war beendet.

Das 1:1 bestätigt einen Trend 

Die Geschichte einer Partie, die aufgrund der Tabellensituation als Topspiel galt, lässt sich an dieser Szene genauso gut beschreiben wie an jenen, die sich schon nach Abpfiff auf dem Rasen der Allianz Arena abgespielt hatten. Innehalten, nachdenken, Köpfe hängen lassen auf der einen Seite; Erleichterung, Stolz, Bestätigung und Freude auf der anderen. Das 1:1 war keines dieser Remis, das beide Seiten zufrieden stellte, sondern vielmehr die Bestätigung eines Trends, der die letzten Wochen (mit kleinen Unterbrechungen) begleitet hat. Hoffenheim ist obenauf – und den Bayern geht unter Ancelotti nach wie vor das Rezept ab, unangenehme Gegner so zu dominieren, wie es in den letzten Jahren so häufig gelungen ist.

Der Italiener war nicht sauer, er verließ das Stadion aber mit der Gewissheit, dass seine Mannschaft wieder mit einem Dämpfer in die Länderspielpause geht und der Vorsprung auf Borussia Dortmund nach dem direkten Duell in zwei Wochen plötzlich auf drei Punkte geschmolzen sein könnte (und Leipzig gestern nach Punkten aufschloss). Und zwar nicht, weil der BVB so hartnäckig, sondern die Bayern zu schludrig sind. „Wir haben zuletzt besser gespielt, heute aber einen Schritt zurückgemacht“, sagte Jerome Boateng. Und Robert Lewandowski, im Sturm genauso wenig effizient wie seine Partner, hatte den wertvollen Tipp parat, „das Spiel schnell zu vergessen“. Vielleicht sei es sogar besser, fügte der Pole an, „dass wir Unentschieden spielen anstatt zu gewinnen und zu denken, dass alles okay ist“. Schon die Leistung beim 2:1 unter der Woche in Eindhoven habe ihm nicht gefallen: „Und heute war es auch nicht perfekt.“

Dass Hoffenheim einen Punkt mit nach Hause nahm, war der Beleg dafür, dass sich die Zeiten in München ein wenig geändert haben. Es stand außer Frage, dass „ein Sieg aufgrund unserer Chancen verdient“ gewesen wäre (Ancelotti) und die Bayern „am Ende des Tages Pech hatten“ (Karl-Heinz Rummenigge). Man darf sich aber nicht beschweren, wenn man die erste Halbzeit verschläft, den emsigen Gegner (123,2 Kilometer Laufleistung sind ligaweiter Saisonrekord) zu Kontern einlädt und einem dann die Zeit davon läuft. Dass der Treffer ein Eigentor von Steven Zuber war, sprach Bände. Vorne trafen sowohl Mats Hummels als auch Thomas Müller (siehe Text unten) Aluminium. Das reicht nicht gegen eine Mannschaft, der Rummenigge zutraut, „sich da oben zu etablieren“.

Bayern ohne Glück gegen die TSG: Vier 4er, nur eine 2

Blaupause heißt es normal gerne, wenn jemand in München punktet. Hoffenheim aber hatte zusätzlich zu einem guten Matchplan (anrennen, aggressiv sein, pressen, schnell umschalten) einen Bonus, den man sich nicht kaufen kann. Mut und Willen, daraus resultierend, dass „diese Mannschaft vor Selbstvertrauen strotzt“ (Alexander Rosen). Die „Reifeprüfung“, sagte der Sportchef, habe man bestanden: „Jetzt wissen wir, wo wir stehen“. Nach zehn Spielen ohne Niederlage in Reichweite zu Bayern. Von wegen putzig. Das Klubwappen vor Nagelsmanns Nase hat nun auch Ancelotti auf dem Schirm.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Süle über Wechsel seines Konkurrenten Hummels zum BVB: „Ich war in dem Thema ...“
Der Wechsel von Mats Hummels zu Borussia Dortmund ist länger bekannt. Nun äußert sich Niklas Süle über den Weggang. Alle News.
Süle über Wechsel seines Konkurrenten Hummels zum BVB: „Ich war in dem Thema ...“
FC Bayern setzt Sané Deadline - und müsste XXL-Ablöse zahlen
Wird es jetzt konkreter im Transferpoker um Leroy Sané? Der FC Bayern hat offenbar erste Gespräche mit Manchester City geführt.
FC Bayern setzt Sané Deadline - und müsste XXL-Ablöse zahlen
Seit 5 Uhr morgens am Ticket-Schalter: FC Bayern löst Ansturm aus
FC Bayern gegen Energie Cottbus! Fans, die das DFB-Pokalspiel zwischen den beiden Teams im Stadion anschauen wollen, müssen sich sputen.
Seit 5 Uhr morgens am Ticket-Schalter: FC Bayern löst Ansturm aus
Arrogant oder einfach selbstbewusst? Bayern-Star Thiago schießt gegen den BVB
Der FC Bayern München hat in Borussia Dortmund erneut starke Konkurrenz im Titelkampf. Für Thiago kein Grund zur Sorge – so reagiert er auf die BVB-Offensive.
Arrogant oder einfach selbstbewusst? Bayern-Star Thiago schießt gegen den BVB

Kommentare