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Pep Guardiola ist angenehm überrascht: Die Mannschaft verstehe schon ganz gut, auf welchen Fußball er hinaus will.

Würstl ja – U-Bahn nein

Guardiolas erste Deutschland-Bilanz

München - Pep Guardiola zieht in der Vereinszeitschrift des FC Bayern eine erste Deutschland-Bilanz. Die Antwort auf seinen Kritiker Zlatan Ibrahimovic bleibt er aber schuldig.

Neulich in Manchester. Der FC Bayern vor der Bewährungsprobe bei ManCity. Das eigentliche große Thema aber: Zlatan Ibrahimovic hat Pep Guardiola, der nun Bayern-Trainer ist und in gemeinsamer Zeit in Barcelona sein Vorgesetzter war, im Spiegel-Interview angegriffen. „Pep hat keine Eier“, sagte der Exzentriker Ibrahimovic. Frage in Manchester also an Guardiola: Wollen Sie darauf antworten?

„Im Moment liegt mein Fokus auf dem Champions League-Spiel hier in Manchester“, sagte Guardiola, „vielleicht werde ich mich zu Zlatan in einem meiner nächsten privaten Interviews äußern“. Da ging ein aufgeregtes Zucken durch die Münchner Journalistenreihen: Die nächsten Interviews? Guardiola hatte doch von vornherein klargestellt: Es wird überhaupt keine geben. Er wird in den Pressekonferenzen allen Medienvertretern zur Verfügung stehen, er wird im Fernsehen nach Spielen auf die üblichen Fragen eingehen – doch er lehnt es ab, sich mit einer Redaktion ausführlich an einen Tisch zu setzen. Begründung: „Denn sonst sind die anderen neun Redaktionen beleidigt, dass ich nicht zu ihnen komme.“

Nun gibt es doch ein Interview mit Pep Guardiola. In gedruckter Form. Allerdings: Es hat mehr den Charakter einer offiziellen Verlautbarung, denn es erscheint in der vereinseigenen Mitglieder-Zeitschrift, dem Bayern-Magazin, das natürlich kein unabhängiges Organ ist wie eine Tageszeitung oder Fachzeitschrift. Angestellte des FC Bayern befragen einen weiteren Angestellten des FC Bayern, da werden denn auch ein paar Werbebotschaften platziert. Pep darf sagen, „dass mir das Paulaner-Bier auf dem Oktoberfest sehr gut geschmeckt“ hat, aber das Allerbeste seien die Rostbratwürstl von Präsident Uli Hoeneß: „Ich kann wirklich nicht genug von ihnen bekommen.“

Aber zu Zlatan Ibrahimovic: kein Wort. „Pep Guardiola ist bekannt als Gentleman“, hatte Markus Hörwick, der Mediendirektor des FC Bayern, schon in Manchester versichert – und der Gentleman aus Barcelona schweigt weiterhin. Was aber wiederum Zlatan Ibrahimovic bestätigen wird. Der berichtet in seinem Buch, dass Guardiola auch auf ein „Fahr zur Hölle!“ vor versammelter Mannschaft gar nicht reagiert habe. Außer mit: „Schweigen und Psychospielchen.“

Offensichtlich ist: Pep Guardiola will den ja schon wieder abklingenden Streit der Bayern (gekontert haben Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß) mit Ibrahimovic nicht befeuern – denn wer weiß: Vielleicht treffen in der Champions League die Münchner und Paris St. Germain mit Ibrahimovic diese Saison aufeinander, dann wird’s ganz von alleine noch einmal zünftig.

Es bleiben neben Bier, Hoeneß-Würsten und seinem Intimfeind aus Schweden noch ein paar Themen übrig, über die sich sprechen lässt.

Eine erste Bilanz: „Ich hätte als neuer Trainer nicht erwartet, dass wir schon im Oktober so spielen.“ Und es kann noch besser werden, „wenn alle Spieler fit sind und . . . wenn jeder Spieler in diesem großartigen Kader meine Entscheidungen annimmt.“ Wer sie nicht verstehen will – kleine Drohung – „wird oft auf der Tribüne sitzen“.

Was die Mannschaft erwartet: Weiterhin geht Ballbesitz ihm über alles. „Als Trainer lege ich darauf alles aus, mein gesamtes Training. Ich bin überzeugt davon: Wenn die Spieler merken, dass der Ball läuft, dann könnten sie selbst auch 24 Stunden rennen, ohne müde zu werden.“ Philipp Lahm, zuletzt im Mittelfeld aufgestellt, wird auf seine Position als rechter Verteidiger zurückkehren, wenn die noch verletzten Mittelfeldspieler wie Thiago und Martinez wieder gesund sind.

So tickt Pep Guardiola

So tickt Neu-Bayer Pep Guardiola

Sein Alltag in München: Der FC Bayern stellt ihm eine Deutsch-Lehrerin zur Verfügung, damit er seine bei einer Dozentin des Goethe-Instituts in New York gewonnenen Kenntnisse ausbauen kann. Aber: Die Fußball-Arbeit hat ihm bisher keine Möglichkeit gelassen, eine Stunde zu nehmen. „Manchmal sitzte ich in meinem Büro und habe nach zwei Stunden meine Gedanken geordnet, manchmal brauche ich dafür 20 Stunden.“ Nach wie vor aber notiert Guardiola Vokabeln, die ihm wichtig erscheinen, in eine Kladde, die er im Guggenheim Museum in New York gekauft hat. In München geht er gerne in Restaurants, U-Bahn fuhr er bisher (anders als in den USA) nicht, er empfindet die Leute als „wirklich sehr zurückhaltend“ und die Journalisten als „weniger temperamentvoll als in Spanien“.

Die Zukunft: Pep Guardiola scheut sich davor, zu weit in die Ferne zu blicken. Seine Zukunft heiße „Mainz, Pilsen und Hertha, Schritt für Schritt“. Er sagt: „Vielleicht sitzt ja in der nächsten Saison schon jemand anderes hier in meinem Büro.“ Er empfände das sogar als „normal in einem so großen Klub“, wenn nicht gut gespielt würde und die Ergebnisse ausblieben.

Seine Zielsetzung: überschaubar: „Dass wir die Leute in der Allianz Arena gut unterhalten und dann zumindest ein Spieler am Saisonende der Meinung ist, er sei unter mir besser geworden. Das würde mir gefallen.“

Günter Klein

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