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Pranjic: „Ich lauere auf meine Chance"

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Daniel Pranjic spricht im Interview über Parallelen zu Zé Roberto und die Bringschuld zu Bayern. © dpa

München - Danijel Pranjic spricht im Merkur-Interview über Parallelen zu Zé Roberto, die Bringschuld seiner Bayern und das neue Klima unter Heynckes.

Danijel Pranjic, 29, geht in seine dritte Saison beim FC Bayern. Im Sommer läuft sein Vertrag aus, sein Kontrakt verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn er auf über 25 Pflichtspiele kommt. „Dafür werde ich alles geben – ich liebe diesen Verein“, sagt der Kroate.

Herr Pranjic, mit welchem Gefühl gehen Sie in die neue Saison?

Jeder erwartet, dass wir Meister werden. Das ist normal, vor allem, wenn der FC Bayern eine so enttäuschende Saison hinter sich hat. Da erwarten alle die große Trotzreaktion. Wir wissen, dass wir in der Bringschuld sind und was zu tun ist. Unser Team ist das beste in der Liga – das werden wir allen beweisen.

Zweifel nicht erlaubt?

Nein. Weil der FC Bayern in der Regel am stärksten ist, wenn der Druck am stärksten ist. Und wir stehen diese Saison unter hohem Erwartungsdruck, von Beginn an. Mit unseren Neuzugängen haben wir jetzt aber ein super Team – wenn ich da allein an Manuel Neuer denke. Letzte Saison haben wir viel zu viele Gegentore kassiert. Mit Manuel, Rafinha, Boateng und einer besseren Abstimmung zwischen Offensive und Defensive kassieren wir höchstens 25 Treffer. Allerhöchstens.

Manche kritisieren, Holger Badstuber und Boateng seien zu jung . . .

Im Training hat Jerome schon bewiesen, dass er eine sehr gute Verstärkung ist. Er ist ungeheuer stark in der Luft, und er weiß auch unter Druck, wohin mit dem Ball, weil er technisch versiert ist. Zudem ist er schnell. Ich denke nicht, dass es ein Problem ist, dass beide Innenverteidiger so jung sind. Man muss gut sein, das ist keine Frage des Alters. Beide sind deutsche Nationalspieler, haben schon eine WM mitgemacht. Sie wissen, was zu tun ist. Auch auf höchstem Niveau.

Jupp Heynckes nennt Rafinha eine „Giftnudel“ – ist das der Spielertyp, den Bayern gebraucht hat?

Jeder braucht Spieler wie ihn. Er hat seine Stärken in der Offensive und der Defensive, und er nervt seine Gegner. Aber wissen Sie was? Neben dem Platz ist er gar keine . . . wie sagen Sie auf deutsch: Giftnudel? Da ist er eher so wie Franck Ribery, der mit den Kollegen Scherze macht.

Wie sehen Sie Ihre Lage: Vor einem Jahr sagten Sie, Sie wollen mal den Platz von Mark van Bommel einnehmen – der ist noch immer vakant . . .

Ja, ich denke, das ist meine Position. Es wird schwer für mich, weil für den Platz neben Bastian Schweinsteiger ein harter Konkurrenzkampf tobt. Aber letztes Jahr war es dasselbe, ich kenne dieses Spielchen: Mein Name wurde nie genannt, als es um die erste Elf ging. Und dann habe ich doch sehr viele Spiele gemacht. Wenn man die analysiert, waren viele gute davon an der Seite von Schweinsteiger. Gerade in der Champions League. Es ist jede Saison hier dieselbe Situation: Ich lauere auf meine Chance – und wenn ich sie bekomme, nutze ich sie. Ich habe keine Angst und weiß, dass meine Qualitäten hier immer gefragt sind.

Und dann wollen Sie zeigen, dass man Arturo Vidal sowieso gar nicht gebraucht hätte?

Ja, das wäre doch ein netter Nebeneffekt für alle (grinst).

Ärgert es Sie eigentlich, dass Sie nie für die erste Elf gehandelt werden?

Nein. Für mich ist es vielleicht besser, wenn die Leute von mir nicht so viel erwarten. Auf links spielen mit Philipp Lahm und Frank Ribery jetzt wieder zwei Rechtsfüßler. Ihre beste Saison hatten sie, als Zé Roberto im halblinken Mittelfeld mit ihnen spielte. Der ist wie ich Linksfuß. Das könnte mit mir genauso klappen. Ich bin bereit.

Luiz Gustavo und Anatolij Timoschtschuk sind die defensiveren Varian- ten, Toni Kroos die offensivere Option – für welche Ausrichtung stehen Sie?

Ich bin die Mischung. Ich renne viel und habe Qualitäten im Spiel nach vorne genauso wie im Kampf gegen den Ball in der Defensive.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Trainer Heynckes?

Er spricht viel mit uns, macht auch mal Späße. Mit ihm herrscht eine neue Stimmung. Der Unterschied ist, dass die Gespräche mit Heynckes einen positiveren Tenor haben. Er gibt den Spielern Selbstvertrauen. Bei Louis van Gaal hieß es immer: „Das hast du falsch gemacht, da hast du den Ball verloren.“ Heynckes ist da anders. Er hat uns allen zum Beispiel gesagt, in unserer Mannschaft sei die höchste Qualität, die er je gesehen hat, da käme nur Real Madrid ran – und mit denen wurde er ja Champions-League-Sieger. So etwas macht Mut.

Wie sieht Ihre weitere Karriere-Planung aus?

Ich möchte diese Saison wie immer um meinen Platz beim FC Bayern kämpfen. Ich liebe diesen Verein und will hier gerne noch drei, vier Jahre spielen. Das nächste große Ziel ist das Champions-League-Finale 2012 hier in München. Das ist mein Traum.

Interview: Andreas Werner

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