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Rafinha: "Ich bin nicht Peps Lieblingsspieler"

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Rafinha sagt, er sei nicht mehr so giftig wie früher. © dpa

Doha - Rafinha hat die brasilianische Nationalelf noch nicht abgehakt, peilt mit Bayern drei Titel an und findet, er ist nicht mehr so giftig wie früher. Lesen Sie hier das Interview.

Rafinha (29) ist – im wahrsten Sinne – ein kleines Phänomen: Der nur 1,71 große Verteidiger wird gerne mal übersehen, wenn die Fachleute die stärkste Elf des FC Bayern benennen. Dabei stand er in der Hinrunde nach den ersten drei Spieltagen immer auf dem Platz. Er profitiert von Philipp Lahms Versetzung ins Mittelfeld, sprüht vor Selbstvertrauen und hat auch das Kapitel brasilianische Nationalelf noch nicht abgehakt.

Rafinha, in Doha war es lange sehr kalt – nun aber kam die Sonne. Das macht vor allem Ihnen persönlich als Brasilianer sicher mehr Spaß, oder?

Rafinha: Ich wusste, dass sie kommt. Diese Temperaturen hier sind besser als Schnee. Ich mag Schnee einfach nicht.

Bei Ihrem Weihnachtsurlaub in Brasilien war es aber sicher noch wärmer.

Rafinha: Oh ja, 40 Grad. Da ist es hier schon ein bisschen weniger.

In Ihrem Urlaub haben Sie Neymar getroffen. Sind Sie denn befreundet?

Rafinha: Ja. Wir haben uns im Nationalteam kennengelernt, er ist einfach ein toller Typ. Wir haben einen guten Kontakt.

2014 war das Jahr, in dem Sie verglichen zu den Vorjahren am meisten gespielt haben. Musste der Akku an Weihnachten wieder aufgeladen werden?

Rafinha: Ja. Es war ein sehr schönes, aber auch anstrengendes Jahr. Die Zeit um Weihnachten, Silvester, mit der Familie, hat da sehr gut getan. Und nun ist meine Batterie wieder voll. Ich kann wieder Gas geben – und die Mannschaft auch.

Pep mit Dampf! Bilder von Tag sechs in Doha

Im vergangenen Jahr hat der FC Bayern das Double geholt und stand im Champions League-Halbfinale. Kann in diesem Jahr nur das Triple das Ziel sein?

Rafinha: Bei Bayern ist das Ziel immer: Titel, Titel, Titel – also drei. Im letzten Jahr war es gut, dass wir das Double geholt haben, aber trotzdem wollen wir mehr. Wir spielen, um alles zu gewinnen. Es stimmt alles: Wir haben ein gutes Team, einen sehr breiten Kader und überragende Spieler.

Würde das Finale in Berlin ein wenig entschädigen für das verlorene „Finale dahoam“ 2012?

Rafinha: Wenn wir im Finale stehen, ist uns ganz egal, wo das ist. In Berlin, München, England – wir wollen in jedes Finale. Wir wollen das auch in diesem Jahr schaffen. Das ist unser aller Traum.

Beim Titelgewinn 2013 waren Sie zwar dabei, haben aber bei weitem noch nicht die wichtige Rolle im Team gehabt, die Sie nun unter Pep Guardiola einnehmen. Würden Sie den Titel heuer mehr auch als „Ihren Titel“ betrachten?

Rafinha: Naja. Ich war bei den letzten fünf Titeln dabei, also sind das auch meine Titel. Es ist richtig, dass ich früher nicht so viel gespielt habe. Aber dazu muss man die Situation betrachten: Philipp Lahm ist der beste Rechtsverteidiger der Welt. Deshalb will ich auch nicht mehr darüber diskutieren, warum ich damals öfter auf der Bank saß. Ich war immer gut drauf, ich habe immer gut gespielt, meine Leistung gebracht, wenn Philipp nicht da war. 2013 haben wir aus zwei Gründen eine super Saison gespielt: Weil die Spieler auf dem Platz gut drauf waren, aber auch wir auf der Bank. So muss es sein, wenn man einen Titel gewinnen will. Alle Spieler müssen immer positiv sein – egal, ob sie mal auf der Bank sitzen.

Es wirkt in Doha, als sei die Stimmung wieder so. Locker, aber konzentriert und fokussiert.

Rafinha: Genau so ist es. Wir haben so viel Spaß. Im Moment fühlt es sich an wie damals. Wir sind sehr gut drauf, in der Liga sowieso, in der Champions League und im Pokal auch. Deshalb bin ich optimistisch, dass der große Erfolg in diesem Jahr möglich sein kann.

Auch Sie selbst strahlen Selbstvertrauen aus wie noch nie. Haben Sie unter Guardiola die beste Zeit Ihrer Karriere?

Rafinha: Er hat mich mehr spielen lassen, und wenn der Trainer dir das Vertrauen schenkt und du auf dem Platz alles gut machst, dann kommt der Rest wie von selbst. Unter Jupp Heynckes war es auch eine gute Zeit, aber nun läuft es noch besser, weil Pep Philipp ins Mittelfeld geschoben hat und ich mehr Platz habe. Man darf aber auch nicht vergessen, dass ich meine Arbeit auch sehr gut mache. Ich gebe in jedem Training alles, jeden Tag, ich will immer besser werden – und natürlich auch weiter so viel spielen.

Sind Sie einer von Guardiolas Lieblingen?

Rafinha: Nein. Das kann man so nicht sagen. Jeder von uns hat einen guten Kontakt zu ihm.

Er hat aber mal gesagt, er wünsche sich 18 oder 19 Rafinhas auf dem Platz.

Rafinha: Das war ja nur ein Spruch vom Trainer nach dem Spiel in Dortmund (Rafinha sah in der letzten Minute die Rote Karte/d. Red.). Da hatte ich zu aggressiv gespielt, er hat das auf meine Einstellung bezogen. Aber ich finde, ein Rafinha reicht. Ich bin ja der Kleinste hier (lacht).

Sie hatten bei Ihrem Wechsel nach München noch aus Schalker Zeiten ein Rüpel-Image. Haben Sie sich verändert – oder war das Image falsch?

Rafinha: Meinem Stil bin ich schon treu geblieben. Auf dem Platz bin ich nach wie vor giftig, aber vielleicht nicht mehr ganz so giftig wie bei Schalke. Wenn man ein bisschen mehr Erfahrung hat – ich bin seit zehn Jahren in der Bundesliga –, weiß man schon, was man machen kann und was man lieber lässt. Auf dem Platz und auch daneben. Das merke ich schon. Ich bin fast 30 – und deshalb auch ein bisschen ruhiger geworden.

Im letzten Jahr in Doha hofften Sie noch, für die Heim-WM in Brasilien nominiert zu werden. Sind Sie im Nachhinein froh, dass es nicht geklappt hat – die WM endete mit dem 1:7 gegen Deutschland.

Rafinha: Nein. Ich wäre gerne dabei gewesen. Aber im Moment mache ich mir keine Gedanken über die Nationalmannschaft. Ich bin bei Bayern, ich mache meine Arbeit gut, und ich wäre immer bereit, für die Selecao aufzulaufen. Ich habe damit nicht abgeschlossen, die Hoffnung ist da. Meine Argumente sind auch nicht schlecht: Ich spiele sehr häufig, und das bei einem der besten Klubs der Welt. Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren fünf Titel geholt. Ich habe alle Finals gespielt. So muss ich weitermachen – und dann soll unser Nationaltrainer entscheiden.

Carlos Dunga kennt Sie gut. Unter ihm haben Sie einst debütiert.

Rafinha: Ja. Es ist schon ein Vorteil für mich, dass er nun wieder Nationaltrainer ist. Ich will wieder für Brasilien spielen. Unter ihm sehe ich die Chance.

Hat er denn Ihre Telefonnummer?

Rafinha: Bestimmt. Aber in Brasilien ist es nicht so, dass der Trainer die Spieler vor der Berufung in den Kader anruft. Du weißt erst, dass du dabei bist, wenn die Nominierung ist. Also warten wir mal die nächste Nominierung ab ...

Interview: Hanna Schmalenbach

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