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So ist’s brav: Ribery geht auf Trainer Heynckes zu – anders als nach seiner Auswechslung in Basel.

Ribery-Gala mit Ansage

München – Franck Ribery hat gestern viele Hände geschüttelt. Aus aktuellem Anlass ist der Hinweis unverzichtbar, dass eine der ersten Hände, die er nach dem 1:0 abklatschte, Jupp Heynckes gehörte.

Der Charakter von tatsächlichen und verweigerten Gesten ist seit Mittwochabend bis an die Schmerzgrenze erörtert worden, weswegen der kurze Kontakt zwischen Trainer und Spieler nachher zu einer der Szenen des Spiels erklärt wurde. „Pure Freude“ machte Philipp Lahm in diesem Moment beim Mitspieler aus. Mit Ausnahme der Gelben Karte, weil Ribery danach fast auf die Tribüne zu seinem Cousin und drei Kumpels kletterte.

Der Nachmittag von Fröttmaning hat das Binnenklima bei den Bayern belebt. Wenn es eine Person gab, die das Aufraffen verkörperte, die brillanten Momente und jene Augenblicke, in denen kleine Gesten große Botschaften transportierten, dann Ribery. Schon früh deutete sich an, dass er entschlossen war, dieses Spiel zu prägen. Nach elf Minuten fischte er Farfan im eigenen Strafraum den Ball weg, nach zwölf Minuten stieg er derart vehement in ein Luftduell, dass der gefürchtete Torjäger Huntelaar die raue Bekanntschaft seines Unterarms machte.

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So kennt man ihn aus den besten Phasen dieser Saison. Hinten half er mit, vorne zauberte er, wie es selbst in dieser Mannschaft kein anderer kann. Sein Lupfer über den herausstürzenden Timo Hildebrand mit seelenruhiger Vollendung war ein typisches Ribery-Tor: Technisch anspruchsvoll, ohne jeden Anflug von Hektik. Das zweite, ein abgefälschter Schuss nach Doppelpass mit Thomas Müller, war für seine Verhältnisse fast schmucklos. Für den weiteren Saisonverlauf empfiehlt Ribery dann auch: „Ruhig und locker bleiben“, dann könne man „alles schaffen“.

„Ganz ehrlich“, sagte Heynckes: Aufgrund der Vorgeschichte „habe ich diese Leistung erwartet“. Am Samstag hatte der Trainer auch mit Ribery lange gesprochen, der seit Basel als Gesicht der kriselnden, auf Ego-Trips umherirrenden Bayern herhalten musste. Wie die Kollegen hat er offensichtlich gut zugehört.

Manch einer vielleicht zu gut. Arjen Robben, noch so ein Bayer unter Ego-Verdacht, war sichtlich bemüht, die Nebenleute nicht zu übersehen. Wo er früher schnurstracks abgeschlossen hätte, suchte er diesmal das Abspiel. „Man hat gesehen, wohin die Hetzjagd geführt hat“, ereiferte sich Uli Hoeneß. Ein fokussierter Robben hätte „sicherlich zwei, drei Tore gemacht“. Robben verließ anschließend kommentarlos das Stadion, aber hier droht kein neuer Ärger. Sein Flieger zur Nationalmannschaft wartete.

Marc Beyer

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