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Sportpolitische Offensive: Rummenigge hat sich bereits mit UEFA-Chef Platini besprochen.

Rummenigge zum Fall Robben: „So ist das kein Fair Play!“

München - Nach dem Fall Robben will Bayern-Boss Rummenigge bei UEFA und FIFA erreichen, dass die Klubs künftig umfassend versichert sind.

Letztes Jahr war der Einkauf von Arjen Robben nach holprigem Start Initialzündung in eine außerordentliche Saison. Heuer kann der verletzte Star dem FC Bayern bis auf weiters nicht helfen – inzwischen rechnet man sogar damit, dass er bis zur Winterpause nicht mehr fit wird. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge fordert weiterhin eine Kompensationszahlung des niederländischen Verbandes – und arbeitet daran, dass UEFA und FIFA Wege finden, damit sich so ein Fall nicht wiederholt.

Herr Rummenigge, wie lauten Ihre nächsten Schritte im Fall Robben?

Es gibt da in nicht allzu ferner Zukunft einen Termin. Der Geschäftsführer des holländischen Verbandes reist mit dem Arzt nach München. An unserem Ziel hat sich nichts geändert: Ich bin der Meinung, dass die Holländer das Gehalt für den Zeitraum der Verletzung kompensieren müssen – und genau das werden wir auch verlangen.

Dabei sind die Holländer der Meinung, dass es während der WM gar keine Verletzung gab . . .

Ich möchte gar nicht über diesen Physiotherapeuten (Dick van Toorn/d. Red.) diskutieren. Wir haben ein vernünftiges bis gutes Verhältnis zum holländischen Verband. Und unser Ziel ist eine gütliche, faire Lösung dieses Problems.

Aber steht nicht noch dazwischen, die Frage der Schuld zu klären?

Ich kann nur eines sagen: Wir haben in Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt den besten Arzt der Welt auf diesem Gebiet. Wir haben zu ihm totales Vertrauen – und wenn er sagt, dass man mit so einer Verletzung nicht spielen kann, dann ist das für mich wie in Stein gemeißelt. Da gibt es dann keine zweite Meinung.

Mit Ausnahme von der der Niederländer.

Dieser Physiotherapeut kann sagen, was er will. Die Fakten, die Kernspinbilder vom Tag nach der Verletzung und nach Robbens Urlaub, sind eindeutig. Wir führen jetzt mal Gespräche und wollen keine unnötige Schärfe reinbringen. Wenn wir keine gütliche und faire Lösung finden, werden wir weiterschauen.

Was kann man künftig tun, damit es erst gar nicht zu so einem Fall kommt?

Es gibt bereits Gespräche mit Michel Platini, und es scheint so zu sein, dass die UEFA Bereitschaft zeigt, in der Zukunft grundsätzlich alle europäischen Klubs gegen solche Dinge zu versichern. Und zwar nicht nur bei den großen Turnieren, sondern bei allen Länderspielen. Wir hatten kürzlich gerade jetzt wieder den Fall, dass Ivica Olic zurückkommt vom Länderspiel und verletzt ausfällt. Was wir jetzt diskutieren müssen mit der UEFA und im Anschluss daran auch sicher mit der FIFA, ist, unter welchen Kriterien eine solche Versicherung stattfinden kann. Das Ganze ist kostspielig – aber auch eine Notwendigkeit. Und ich glaube, das hat die UEFA jetzt erkannt und scheint bereit, die Klubs in dieser Hinsicht zu unterstützen.

Wer trägt da letztlich die Versicherungskosten?

Die UEFA. Sie würde bei allen Länderspielen, ganz egal ob wie zuletzt Deutschland gegen Dänemark oder ob es eine WM ist, die Spieler versichern. Nun geht es darum, nach welchen Kriterien ein Spieler versichert ist. Denn es ergibt ja keinen Sinn, wenn einer bloß mit einer kleinen Zerrung nach Hause kommt, die ihn zehn Tage nicht spielen lässt. Aber wenn ein Spieler länger als vier Wochen ausfällt, dann müssen solche Vorkehrungen greifen.

Ein weiteres Kriterium muss doch auch das Gehalt des jeweiligen Spielers sein – oder spielen diese Unterschiede keine Rolle?

Doch. Genau so einen Ansatz gab es bereits. Es gibt eine Untersuchung eines Versicherungskonsortiums, bei einer WM alle Spieler zu versichern. Die FIFA hat dieses Projekt dann letztlich nicht weiter verfolgt, weil die Prämien recht hoch waren. Aber diesen Themas hat man sich bereits angenommen. Man könnte sich ja auch auf eine gewisse Obergrenze verständigen, da es ein unterschiedliches Gehaltniveau gibt. Auf der anderen Seite: Wer an einer WM teilnimmt, verdient sein Geld in der Regel auch nicht mehr zum Beispiel in der Slowakei. Der spielt in England, Spanien, Deutschland oder in Frankreich – und damit also bei einem Klub, bei dem auch dementsprechende Gehälter gezahlt werden.

Wie könnte man präventiv tätig sein – wäre eventuell vor jedem Turnier ein unabhängiger Medizin-Check denkbar?

Wir müssen einfach zu einem fairen System finden. Auf allen Plakaten der FIFA und UEFA steht „Fair Play“ – und das ist etwas, was hier nicht stattgefunden hat! Es wäre einfach gewesen, dass unser Klub-Arzt, der in Südafrika als Betreuer der deutschen Nationalelf ja praktisch im Nachbarhotel der Holländer gewohnt hat, hinübergefahren wäre und Arjen untersucht hätte. Dann hätte man eine zweite Meinung gehabt, und zwar die fundierte, die wir auch brauchten und verlangt haben. Aber das hat der Arzt und der Verband abgelehnt, deswegen war es uns nicht möglich. Denn die Statuten erlauben es ja nicht. Das sollte man ändern.

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