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Karl-Heinz Rummenigge schwärmt von Manuel Neuer

Rummenigge: "Ich sehe bei Neuer dieses Bayern-Gen"

München - Karl-Heinz Rummenigge spricht im großen Interview mit dem Münchner Merkur über die aktuelle Transferpolitik. Der FC-Bayern-Boss rüffelt Breno und schwärmt von Manuel Neuer.

Herr Rummenigge, mit welchen Gefühlen haben Sie die Bilder der Dortmunder Meisterschaft verfolgt?

Rummenigge: Ganz entspannt und ohne Neid. Das ist doch kein Drama, dass der FC Bayern jetzt mal nicht Meister geworden ist. Auch wenn das natürlich nicht zur Regel werden darf. Ich bin überzeugt, dass unsere Mannschaft nächste Saison vom ersten Spieltag an die Chance auf die Meisterschaft sucht. Dieses Jahr lagen wir ja nach acht Spieltagen so weit zurück, dass man das gegen eine so stabile Mannschaft wie Borussia Dortmund nicht mehr aufholen konnte.

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Wie sehen Sie Dortmunds Zukunft - Absturz oder weiter Top-Niveau?

Rummenigge: Wir tun gut daran, Dortmund ernst zu nehmen. Dieser Klub hat Jahre gebraucht, um wieder nach oben zu kommen – 2004 waren sie fast pleite. Aber jetzt sind sie wieder da und werden alles daran setzen, dass sie auf Dauer da oben eine Rolle spielen.

Sie arbeiten seit 20 Jahren in der Bayern-Führung – war diese Saison Ihre frustrierendste?

Rummenigge: Diese Saison war anstrengend und schwierig, aber nicht frustrierend. Das war 2007 der Fall. Da haben alle immer gedacht, der Knoten platzt schon, der platzt schon – und er ist nie geplatzt. Am Ende waren wir Vierter und mussten in den UEFA-Cup. Dieses Mal hat die Mannschaft um Andries Jonker am Ende noch die Kurve bekommen. Ich lese immer Katastrophe, Katastrophe – das ist das, was Eintracht Frankfurt passiert ist. Aber nicht Platz drei. Auch nicht beim FC Bayern.

Vor einem Jahr hieß es, dieses Bayern-Team hat ein Riesen-Potenzial – nun gilt die Mannschaft als renovierungsbedürftig ...

Rummenigge: ... da muss ich gleich dazwischengrätschen! Wir haben nach wie vor eine sehr gute Mannschaft mit sieben Nationalspielern, mit Weltstars wie Arjen Robben, Franck Ribery, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm. Wir hatten mit den Folgen der WM zu kämpfen, hatten viele Verletzungssorgen – Robben und Ribery haben lange gefehlt –, hatten keine gescheite Vorbereitung und Regeneration. Dazu war dann das eine oder andere Problem hausgemacht.

Sie sprechen die Probleme mit Louis van Gaal an. Nun übernimmt Jupp Heynckes. Welche Hoffnungen setzen Sie in ihn?

Rummenigge: Louis war ein sehr dominanter Trainer und Mensch. Dadurch war das ganze Jahr nicht entspannt. Schwierig. Jupp Heynckes ist ein Teamplayer. Er kennt den FC Bayern von A bis Z. Es wird mit ihm überhaupt keine Probleme geben. Wir werden eine harmonische und erfolgreiche Zusammenarbeit haben.

Sie haben aber auch schon gewarnt, keiner solle jetzt glauben, da käme der nette Onkel Jupp ...

Rummenigge: Ja, denn er kommt ja nicht nach München, um einfach nur noch ein bisschen Spaß zu haben. Er will Erfolg haben. Das ist kein Mensch, der hier auf seinen Alterswohnsitz zurückkehrt. Er hat Ehrgeiz und einen klaren Plan. Bei jedem Vorgespräch hat er uns immer gesagt: „Ihr müsst Dritter werden! Ich will Champions League spielen!“

Es gibt Stimmen, die werfen dem FC Bayern vor, er würde im Trainerbereich Innovationen scheuen.

Rummenigge: Ach, jedes Jahr hat man den Eindruck, es gibt einen neuen Trend, der das Non-plus-ultra ist. Letztes Jahr war das große Stichwort „Philosophie“, da war van Gaal das Maß der Dinge. Jetzt ist es diese Trainer-Riege um Jürgen Klopp mit dem Schlagwort „Konzept“. Soll ich Ihnen eines sagen? Die Wahrheit ist nur Erfolg! Ich prophezeie Ihnen: Nächstes Jahr wird es schon wieder andere Trends geben.

Ein neuer Coach ist das eine, Verstärkungen das andere. Wie läuft der Deal mit Jerome Boateng?

Rummenigge: Wir werden in der Defensive was tun. Das ist sicher. Alles weitere kann ich im Moment nicht kommentieren.

Heynckes würde gerne Arturo Vidal mitbringen.

Rummenigge: Er hat in Leverkusen einen Vertrag bis 2012. Alles weitere muss man abwarten.

Vidal könnte als 6er die Defensive stärken. Bastian Schweinsteiger könnte einen bissigen Partner gut gebrauchen ...

Rummenigge: Alle unsere Nationalspieler hatten Hochs und Tiefs. Auch Bastian hat in der Vorrunde besser als in der Rückrunde gespielt. In der ersten Halbserie hat er kontinuierlich weltklasse abgerufen, aber es war klar, dass das nicht durchgehend drin ist bei solchen Strapazen. Ich bin zu 100 Prozent von Bastian überzeugt. Dazu haben wir in Luiz Gustavo einen Mann, auf den hier alle große Stücke halten. Auch Jupp Heynckes. In diesem 6er/8er-Bereich sehe ich keine Probleme. Wir haben da Schweinsteiger, Luiz Gustavo und Anatolij Timoschtschuk – und jeder dieser Drei verdient das Prädikat „wertvoll“.

Wie sehen Sie die Kapitänsdebatte, die zwischendurch mal aufkam – ist der FC Bayern nach dem Abgang von Mark van Bommel führungslos?

Rummenigge: Philipp Lahm macht den Job als Kapitän exzellent. Ich kriege das ja einen Tick besser mit als Außenstehende. Diese Debatte war ein bisschen komisch. Und sie kam auf, als wir gerade 1:1 gegen Frankfurt gespielt haben – das entstand also aus einer Situation der Unzufriedenheit. Das hänge ich nicht so hoch. Der Abgang von Mark hat in der Hierarchie eine Lücke hinterlassen, das ist ja klar. Aber die Mannschaft ist deswegen noch lange nicht führungslos.

War das eine typische Debatte, die bei Misserfolg zwangsläufig aufkommt?

Rummenigge: Ja. Wir sollten alle mal mit den Dingen entspannter umgehen. Frei nach unserem Altkanzler Konrad Adenauer: Was interessiert mich das Geschwätz? Wir müssen aufpassen, dass wir hier beim FC Bayern keinen Überdruck produzieren. Druck ist normal, Druck gehört dazu, Bei Bayern gibt es seit 30 Jahren Druck – aber Überdruck ist dann eine Stufe zu viel und kontraproduktiv. Da habe ich auch schon mit Jupp Heynckes diskutiert, und wir sind uns einig, dass wir alle gegen diese permanente Steigerung immun werden müssen. In dieser Medienwelt werden ja immer mehr Leute – entschuldigen Sie den Ausdruck: „gaga“. Man muss nicht auf jeden Zug springen. Sondern auch mal den einen oder anderen Zug vorbeifahren lassen.

Thema Abgänge: Wie steht es im Miroslav Klose?

Rummenigge: Sein Vertrag läuft aus. Ich kann nicht sagen, ob wir auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Es geht um die Laufzeit. Wenn wir auf einen Nenner kommen, wäre das schön. Aber ich bin sehr optimistisch, dass wir Nils Petersen (Cottbus/d. Red.) noch in dieser Woche als Neuzugang vermelden können.

Breno ist unzufrieden. Hat er noch eine Zukunft?

Rummenigge: Breno hat keinen Grund, unzufrieden zu sein. Er hat hier ausreichend Chancen bekommen. Wenn hier einer unzufrieden sein darf, dann der FC Bayern. Breno muss mal ein professionelleres Verhalten an den Tag legen. Er hat ja noch ein Jahr Vertrag.

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Wie wichtig ist für den neuen FC Bayern die Personalie Manuel Neuer?

Rummenigge: Ich weiß noch, wie wir Oliver Kahn 1994 verpflichtet haben. Wir hatten in Raimund Aumann einen guten, sympathischen Torwart – aber wir wussten, dass wir Kahn haben müssen. So sehe ich das jetzt bei Manuel Neuer auch. Er hat eine enorme Ausstrahlung. Für mich war früher der schlimmste Torwart als Gegenspieler Toni Schumacher – da hatte man richtig Angst, wenn der aus seinem Kasten kam. Bei Neuer haben die Stürmer auch schon diesen unheimlichen Respekt. Er verkörpert den modernen Torwart in Perfektion – und das in diesem Alter, mit 25. Das ist eine Personalie, die ich hier nicht auf drei, vier Jahre sehe, sondern auf eine Dekade. Ich sehe bei Manuel Neuer dieses Bayern-Gen, unbedingt gewinnen zu wollen. Als Kahn kam, war er noch nicht Nationaltorwart. Rein vom Alter her ist Manuel vielleicht bereits ein Stück weiter als damals Oliver. Er trägt das Prädikat „weltklasse“ schon jetzt zurecht.

Wann gibt es Vollzug?

Rummenigge: Ich verstehe, dass Schalke vor dem Pokalfinale Ruhe haben will. Aber im Prinzip ist es doch ein offenes Geheimnis, was bei Neuer passiert.

Franck Ribery hatte vor der Saison eine große Spielzeit versprochen. Das glückte ihm nicht ganz. Muss da mehr kommen?

Rummenigge: Der FC Bayern hat insgesamt keine große Saison gespielt. Da hat jeder einzelne Spieler Steigerungspotenzial.

Interview: Andreas Werner

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