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„Die Leute werden sehen: Das ist die exklusive Heimat des FC Bayern“: Rummenigge über die Arena.

Nach dem Arena-Auszug der Löwen

Rummenigge im Interview: Tür für 1860 ist zu - rote Sitze kommen 

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Karl-Heinz Rummenigge, Vorstand des FC Bayern, über den Auszug des TSV 1860 aus der Arena, rot-weiße Sitze und Bauchschmerzen wegen der Klage von Hasan Ismaik gegen 50+1.

München – Nach der Einigung mit dem TSV 1860 über den Auszug aus der Allianz Arena äußert sich Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge über die schweren Verhandlungen und skizziert, wie sich das Stadion als exklusive Heimat der „Roten“ verändern wird.

Herr Rummenigge, die Gespräche mit 1860 haben sich gezogen. Jetzt steigt endlich weißer Rauch auf.

Karl-Heinz Rummenigge: Ja, endlich. Es waren komplexe Gespräche, weil es etliche Punkte gab, die der Öffentlichkeit nicht bekannt sind, unter anderem gibt es Altlasten aus der letzten Saison. Zu Beginn der Gespräche sah alles relativ einfach aus, dann wurde es aber komplex. Dann wurde es dieser berühmte Gordische Knoten, der jetzt zum Glück durchtrennt ist, weil mein Vorstandskollege Jan-Christian Dreesen, 1860-Geschäftsführer Markus Fauser und die Vertreter der Allianz eine tragfähige Lösung gefunden haben.

Um welche Altlasten ging es denn noch?

Rummenigge: Aus der letzten Saison gab es noch deutliche finanzielle Altlasten, die 1860 aufgrund der internen Problematik im Klub nicht zahlen kann. Der Betrag ist jetzt gestundet und wird erst in Zukunft fällig.

„1860 hat den eigenen  Anhang oft belogen“

Ein Entgegenkommen als Abschiedsgeschenk?

Rummenigge: Der Eindruck, der im Umfeld des TSV 1860, bei seinen Verantwortlichen und Fans entstanden ist, wonach die Stadionmiete ein Grund für die finanzielle Misere der Löwen sei, ist total falsch. Seit 2006 1860 seine Anteile in einem SOS-Verfahren an uns verkauft hat und 2008 auch noch die Rückkaufoption, hat man das immer wieder gehört. Aber das war immer eine Lüge. Die Stadionmiete ist auf einem Niveau, das im unteren Drittel im deutschen Fußball anzusiedeln ist. Vereine wie Hannover 96 zahlen deutlich mehr, auch schon in der Zweiten Bundesliga. Eine Mietpreissteigerung, wie normalerweise üblich, gab es gar nicht – im Gegenteil. Es ist unsäglich, was Leute wie Hasan Ismaik und andere aus der Geschäftsführungsebene der Löwen da oft verbreitet haben. Da ist der eigene Anhang, ich muss es so deutlich sagen, oft belogen worden. Das Gegenteil ist der Fall: Wir kamen 1860 stets entgegen, nicht nur jetzt zum Abschied.

Bei welchen Gelegenheiten?

Rummenigge: Wir haben zum Beispiel bei der Werbefreiheit den vereinbarten Betrag von einer Million auf 0,1 Millionen gesenkt. Das ist nur eine Maßnahme, im Prinzip wurde die Miete permanent nach unten angepasst, um 1860 ein finanzielles Überleben möglich zu machen. Es war aber auch klar, dass mit dem Abstieg der Auszug stattfindet – obwohl der Vertrag juristisch auch für die Vierte Liga gilt. Wir hätten auf Erfüllung bestehen können. Dann natürlich wieder zu angepassten Konditionen. Aber das wollten wir nicht.

„Arena-Umbau in Abstimmung mit Fans“

Die Allianz spielte zuletzt noch nicht mit.

Rummenigge: An den Namen sind beide Klubs gebunden. Da gibt es Vertragsrechte. Aber auch hier fanden wir eine Lösung.

Es war zu lesen, dass der FC Bayern 1860 durch die Auflösung des Vertrags mit rund 28 Millionen Euro entgegenkommt.

Rummenigge: Das ist falsch. In der Vierten Liga hätte 1860 rund 1,2 Millionen Euro per anno gezahlt, etwa für die Miete und Werbefreiheit in der Arena. Dem wären dann aber Kosten in ähnlicher Höhe entgegen gestanden, die durch den Mieter verursacht worden wären.

Sie sagten: Der FC Bayern wollte nicht mehr. Hat 1860 gebeten, zu bleiben?

Rummenigge: Nein. Das macht ja auch keinen Sinn, in einem Stadion mit 75.000 Plätzen Regionalliga zu spielen. Und für uns wäre das auch eine Nullrechnung geworden. Wir sind jetzt froh, weil wir in unserem Stadion endlich Dinge realisieren können, die wir seit Langem im Hinterkopf haben.

Ist denn eine Rückkehr von 1860 ausgeschlossen?

Rummenigge: Ja. Ein für alle Mal. Die Tür ist zu. Mit dem Auszug gibt es keine Rückkehr mehr. In diesem Stadion spielt bis in alle Ewigkeit ab sofort nur noch der FC Bayern – und manchmal natürlich noch die deutsche Nationalmannschaft. So gesehen ist dieser 12. Juli ein super Tag für unseren Verein, vor allem für unsere Fans.

Interview mit Karl Heinz Rummenigge, de,m Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München.

Die vielzitierten rot-weißen Sitze – wann werden sie eingebaut?

Rummenigge: Sie werden kommen. Ich denke, in der Sommerpause nach der nächsten Saison. Das gesamte Stadion wird jetzt exklusiv FC Bayern-like gebrandet. Wir werden vieles verändern und wollen das in Abstimmung mit unseren Fans machen, um auch deren Anregungen berücksichtigen zu können. Bisher mussten wir aus Rücksicht auf den Mieter ja farbneutral sein. Ab sofort ändert sich alles, im Innenbereich wie auch außen, auf der Esplanade. Die Leute werden sehen: Das ist die exklusive Heimat des FC Bayern.

Die Kapelle, die Uli Hoeneß zum Auszug bestellt – kommt die auch?

Rummenigge: Ich glaube nicht, das hat Uli ja eher bildlich gemeint. Wir wollen nicht polemisch sein. Tatsache ist aber, dass wir ab sofort mit dem TSV 1860 keine geschäftliche Verbindung mehr haben. Und ich muss sagen, dass das auch nicht immer einfach war, allein schon weil dort so oft die Führungsfiguren gewechselt haben. Da gab es nie Kontinuität. Der zwischenzeitliche Geschäftsführer Ian Ayre hatte bei mir einen Termin zum Kennenlernen, doch als es so weit gewesen wäre, hatte er sich schon wieder zurück nach England verabschiedet. Das ist symptomatisch für den TSV 1860. Der letzte vernünftige Kontakt war damals mit Stefan Ziffzer, das war 2006 – lange her. Aber ich habe von Jan-Christian Dreesen gehört, dass Markus Fauser einen professionellen Job macht. Vielleicht kommt der Verein jetzt mal zur Ruhe.

„Ich würde 50+1 nicht generell verteufeln“

Ist die Entwicklung bei 1860 auch ein Plädoyer für die 50+1-Regel, weil man sieht, wie gefährlich es ist, sich einem Investor wie Hasan Ismaik auszuliefern?

Rummenigge: Beim FC Bayern haben wir sogar eine 70+1-Regel, weil wir entsprechende Anteile immer im Eigentum des Vereines haben wollen. Ich würde aber die 50+1-Regel nicht generell verteufeln. Es gibt auch Beispiele, bei denen so eine Konstellation seriös und zum Wohle des Vereins funktioniert. Das ist personenabhängig. Es ist natürlich problematisch, einen Klub aus tausenden Kilometern Entfernung zu führen – und das noch dazu im Stil eines Alleinherrschers. Man hat jetzt bei 1860 gesehen, was dabei herauskommt. Mit seiner offensichtlich geplanten Klage hat Herr Ismaik allerdings ganz gute Aussichten auf Erfolg, befürchte ich. Bei der DFL ist es allen seit Langem klar, dass die Regel vor dem Europäischen Gerichtshof nur schwer standhalten wird. Da gibt es bereits zu viele Gutachten, unter anderem von Martin Kind aus Hannover. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass Ismaik die 50+1-Regel kippt, ist also durchaus gegeben.

Das Rumoren beim TSV 1860 könnte sich also noch auf ganz Fußball-Deutschland auswirken.

Rummenigge: Aus diesem Rumoren könnte noch ein Bauchschmerz entstehen – zumindest bei den Befürwortern von 50+1.

Wie ist Ihre Haltung zur 50+1-Regel?

Rummenigge: Ich persönlich bin pro 50+1. Wenn man sich den deutschen Fußball anschaut, erleben wir ja bei den Teams des DFB wie auch im Vereinsfußball gerade ein strahlendes positives Beispiel für 50+1.

Aus Sicht des FC Bayern: Wäre Ihnen ein Lokalrivale 1860 in der Ersten Liga lieber – oder passt es Ihnen gut, wenn die „Blauen“ weiter unten kicken?

Rummenigge: Zu meiner Zeit gab es noch Derbys gegen 1860. Gegen die Löwen sah ich 1977 die einzige Rote Karte in meiner Karriere. Trotzdem, ich trete auf niemanden, der auf der Erde liegt. Ich freue mich jetzt auf das Derby FC Bayern II gegen den TSV 1860. Ich bin überzeugt, das unsere zweite Mannschaft gute Aufstiegschancen hat.

Interview: Andreas Werner

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