Rummenigge: "Wir machen immer Gewinn"

München - Karl-Heinz Rummenigge warnt die Bundesliga: Warum ausländische Klubs bei der Vermarktung aufholen und der TV-Markt ein Problem bleibt, erklärt er im Interview.

Herr Rummenigge, ist Dortmund auf bestem Weg, ein Klub auf Augenhöhe zu werden?

Der BVB war 2005 eigentlich pleite, jetzt ist dieser Klub auf einem sehr guten Weg. Das ist ein fulminantes Comeback, sportlich wie wirtschaftlich. Im ganzen Klub wird sehr gut gearbeitet. Die werden sich in der Ligaspitze etablieren.

Die Dortmunder haben aber auch 56 Millionen Euro Schulden – bekommt der Deutsche Meister Probleme, wenn die UEFA das Financial Fair Play startet?

Schulden spielen in der Bilanz keine Rolle. Da hat ein Satz Gültigkeit: Nicht mehr ausgeben als einnehmen. Und Dortmund arbeitet ja die letzten Jahre profitabel. Bundesliga-Klubs sehe ich generell nicht in der Bredouille, dafür aber große Klubs im Ausland. Kurioserweise spielen da alle Länder eine Rolle, die in der Euro-Krise eine Rolle spielen.

Wie realistisch ist es, dass das Financial Fair Play international für mehr Ausgeglichenheit sorgt?

Viele Klubs, die in den letzten Jahren die Spitze des Eisbergs am Transfermarkt waren, müssen ihre Bilanzen in Ordnung bekommen. Manchester City hat zuletzt ein Minus von 228 Millionen erwirtschaftet – bei Financial Fair Play dürfen es höchstens 15 Millionen oder 45 Millionen auf drei Jahre verteilt sein. Wie nun ManCity von 228 auf 15 runterkommt, das wird zumindest kein leichter Akt. Allerdings nur, wenn die Vorgaben strikt umgesetzt werden. Wir dürfen da kein Larifari machen und müssen Lücken im Regelwerk akkurat schließen – weil gewisse Leute auf der Suche nach Lücken einfach sehr kreativ sein können.

Die mächtigsten Männer im deutschen Fußball

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Wie wird sich das Financial Fair Play in der Praxis auswirken – erwarten Sie ein Ende überzogener Transfers und Gehälter?

Es wird insgesamt Druck aus dem Transfermarkt genommen. Die Top-Spieler werden weiter top bezahlt bleiben, das prophezeie ich jetzt schon, aber wenn man allein die vergangene Transferperiode betrachtet, erkennt man, dass in der Mittelklasse bereits Abstriche gemacht werden – es war eine hohe Anzahl an Spielern auf dem Markt, bei denen es einfach darum ging, sie von der Gehaltsliste zu streichen. Dass die Topspieler weiter hochbezahlt werden, ist aber gerechtfertigt, weil schließlich sie in hohem Maß für die Einnahmen sorgen. Und wenn jetzt einer sagt, die verdienen alle viel zu viel, frage ich: Wissen Sie, wer in der Relation Gehalt/Umsatz der höchstbezahlte Spieler in der Geschichte des FC Bayern war?

Sagen Sie es uns bitte.

Franz Beckenbauer. Er hat schon in den 70ern siebenstellig verdient, als wir einen Umsatz von zehn, elf Millionen Mark hatten. Da sind wir heute in relativ vernünftigen Bereichen. Und: Wir machen immer Gewinn, werden das auch im nächsten Jahr tun, das steht schon jetzt fest. Das war früher nicht der Fall.

Wissen Sie eigentlich noch Ihr Einstiegsgehalt, als Sie 1974 Bayer wurden?

Selbstverständlich. Ich konnte – mit Prämien und wenn ich eine bestimmte Anzahl an Spielen absolviert habe – auf 150 000 Mark kommen. Das war wahnsinnig viel Geld damals und eine hohe Motivation, Profi zu werden.

Wie sehen Sie die Lage rund um die Verhandlungen neuer TV-Verträge?

Es heißt immer: Der deutsche TV-Markt gibt nicht mehr her. Aber: Wenn wir da nicht Licht am Ende des Tunnels bekommen, kriegen wir international bald einen massiven Wettbewerbsnachteil. In Italien, einem Land, das wirtschaftlich am Boden ist, kassieren die Klubs eine Milliarde – das ist drei Mal mehr als wir, weil wir ja von unseren 420 Millionen 90 an die Zweite Liga abführen. Warum Italien so viel mehr erhält, hat mir bisher noch keiner plausibel erklärt. Da müssen wir was verändern, und zwar dringend, denn eines ist festzustellen: Die Klubs im Ausland holen im Vermarktungsbereich auf. Das war immer die Domäne der Bundesliga, da waren wir besser, aber dieser große Vorteil schwindet. Das ist eine der größten Herausforderungen für die Zukunft. Nicht nur für Bayern, sondern für die ganze Liga.

Interview: Günter Klein und Andreas Werner

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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