Ribérys Ausfall nur ein bisschen bitter

Sammer: "Rekorde sind für Schülermannschaften"

  • vonHanna Raif
    schließen

München – Die Ausfälle von Ribery und Rafinha schocken den FC Bayern kaum. „Das ,leider’ hält sich in Grenzen“, sagt Sportchef Matthias Sammer. Auch von Rekordjagd hält er nicht viel. 

Es war ein bisschen gerätselt worden, warum Pep Guardiola sich am Tag vor dem heutigen Rückrundenauftakt beim VfL Wolfsburg (20.30 Uhr) nicht selbst den Fragen der Presse stellen wollte. Der Bayern-Trainer hatte gestern Matthias Sammer vorgeschickt für einen letzten Lagebericht aus der rund dreiwöchigen Vorbereitung – der aber konnte beruhigen. „Es geht ihm gut. Und ich habe es auch geschafft, ihm auszureden, in Wolfsburg selber zu spielen“, sagte der Sportvorstand lachend. Er war wieder zu Scherzen aufgelegt, obwohl die Lage vor dem Auftakt so ganz plötzlich doch gar nicht mehr so optimal ist.

Die Szenen, die sich am Vorabend, im Training am Donnerstag, ereignet hatten, hatte Sammer noch im Kopf. „Das war nicht schön zu erleben. Du denkst beim Zusehen: Wow, alles super – und zwei Minuten später liegen zwei Spieler auf der Pritsche.“ Sowohl Franck Ribery als auch Rafinha hatte es im vorletzten Training vor dem Start erwischt. „Im ersten Moment dachte ich, dass es bei Ribery eine größere Geschichte sei“, sagte Sammer, den die Diagnosen, die gestern Vormittag aus der Praxis von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt an die Säbener Straße getragen wurden, doch ein bisschen beruhigen konnten.

Rafinha wird mit einer Außenbandverletzung im linken Sprunggelenk zwei Wochen fehlen, auch Ribery wird die drei Spiele in der kommenden englischen Woche (in Wolfsburg, gegen Schalke, in Stuttgart) sicher verpassen. Beim Franzosen wurde ein Muskelfaserriss im rechten hinteren Oberschenkel festgestellt. Am kommenden Mittwoch soll er wieder mit dem Lauftraining beginnen, Anfang übernächster Woche voraussichtlich zur Mannschaft zurückkehren. Ob es für das Heimspiel am 14. Februar gegen den HSV und das Hinspiel des Champions League-Achtelfinals bei Schachtjor Donezk reicht, ist abzuwarten. Immerhin: Eine Langzeitverletzung – wie zunächst befürchtet – ist es aber nicht. Eine Last-Minute-Reaktion auf dem Transfermarkt ist daher ausgeschlossen.

„Das ,leider’ hält sich bei mir nun in Grenzen“, sagte Sammer: „Es ist schade für ihn, aber kann nicht ein Problem für Bayern München sein.“ Auch zum Start in die Saison hatte Ribery länger gefehlt, „und wenn wir als Bayern München nicht in der Lage sind, drei Spiele ohne Franck zu gewinnen, hätten wir ein Problem im System“. Sammer war darauf bedacht, den Verletzungen – obwohl sie nach der langen Vorbereitungszeit ohne viele Blessuren zweifelsohne ärgerlich sind – nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Im Fokus sollen diejenigen stehen, die „beim VfL die Kohlen aus dem Feuer holen werden“.

Nach den beiden Ausfällen ist der Konkurrenzkampf vor allem im Mittelfeld nicht mehr ganz so groß wie befürchtet. Mario Götze wird Ribery wohl auf dem linken Flügel ersetzen, Medhi Benatia ist eine Option für die Rafinha-Vertretung. „Der Trainer wird sich schon was ausgedacht haben“, sagte Xabi Alonso, der ab jetzt regelmäßig gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger vor der Abwehr auflaufen dürfte.

Mit elf Punkten Vorsprung auf „Verfolger“ Wolfsburg gehen die Bayern in diese Rückrunde. Rekorde gäbe es bis Ende Mai viele zu knacken (frühester Titelgewinn, meiste Saisonsiege, meiste Tore usw.). Sammer will von all dem aber nichts wissen: „Sowas ist kein Motiv für so eine Mannschaft. Das ist was für eine Schülermannschaft, aber nicht für Spieler, die schon alles erlebt haben.“ Man strebe zwar keine Niederlage an: „Aber es ist das Gesetz des Fußballs, dass auch die größten Mannschaften irgendwann mal verlieren.“

In Wolfsburg soll das freilich noch nicht passieren, man will den Puffer im Spitzenspiel auf 14 Punkte ausbauen. Dafür müsse „ab der ersten Minute gefightet werden“, sagte Sammer und fügte an: „Auch wir tun das für Junior Malanda. Das ist schon eine ganz besondere Konstellation, die uns da erwartet.“ Bei diesen Worten wurde er Ernst. Die Zeit für Scherze war vorbei. Das Spiel in Wolfsburg wird nicht nur wegen der beiden Ausfälle ein schweres werden.

Auch interessant

Kommentare