„Tim wollte was Gutes tun“, glaubt Trainer Schaaf. Nun, danach sieht diese Aktion von Wiese gegen Thomas Müller nicht aus. FOTO: inside-picture

Schaaf nach Wieses Brutalo-Foul: "Tim wollte was Gutes tun"

München - Für die Bayern-Fans in Bremen war das ein schöner Abschluss: Der 3:1-Sieg wurde garniert mit einer Roten Karte für Tim Wiese, den Werder-Keeper, der für den Anhang von 17 Bundesligisten ein verlässliches Feindbild ist.

Die 88. Minute: Wiese foulte knapp vor dem Strafraum Thomas Müller, Notbremse mit Sprungeinlage. „Ich bin sicher, Tim wollte was Gutes tun“, befand sein Trainer Thomas Schaaf. Mitspieler Torsten Frings verwies auf „das Adrenalin“ und dass „der Tim nicht mehr zurückziehen konnte in dieser Situation“ - die es nach der These des Werder-Kapitäns nicht gegeben hätte, wenn Schiedsrichter Kinhöfer 21 Minuten davor ein Handspiel des Bayern-Verteidigers Gustavo mit Strafstoß geahndet hätte: „Wir hätten das 2:1 gemacht, und es hätte dann auch diese Rote Karte für Tim nicht gegeben“, so Frings.

Am Ende jedenfalls war Nationaltormann Wiese einer der Verlierer des frostigen Nachmittags und somit auch nicht der Sieger im Duell auf seiner Position: Da ging der Tagestitel an den Münchner Thomas Kraft, der niemanden von den Beinen holte, dafür aber nach 40 Sekunden gegen Clemens Fritz die wichtigste Parade der Partie bot. Der 22-Jährige bewahrte die Bayern vor einem Katastrophenstart. Er zeigte danach einige kleinere Unsicherheiten, wenn er unter Druck den Ball mit dem Fuß spielen musste - doch in der Gesamtbilanz lieferte er eine sicherere Leistung ab als beim 4:0-Pokalsieg in Aachen, wo er seinem gestrengen Trainer Louis van Gaal nicht sonderlich gefiel. Und dies auch öffentlich gesagt bekam. Wodurch sofort das Thema aufkam: Fällt van Gaals Gunst bald wieder dem routinierten Jörg Butt zu?

„Der Trainer hat immer was, das ihm nicht passt“, sagt Thomas Kraft, „und ich kriege sofort Bescheid gesagt“. Doch das verunsichere ihn nicht. Er sei es aus seiner Zeit bei Hermann Gerland in der zweiten Mannschaft gewohnt („Das ist noch ganz anders, aber es kommt nicht in die Zeitung“) und darum gewiss nicht verunsichert: „Ich bin zwar nie so im Fokus gestanden - doch ich habe gelernt, dass man bei Bayern mit Kritik umgehen muss.“

Was seine Zukunft betrifft: Konkrete Vertragsgespräche will er nicht führen vor „März, April, Mai“. Aber klar sei es sein Ziel, die Gelegenheit zu nutzen, um sich als dauerhafte Nummer eins-Lösung zu empfehlen: „Wenn das nicht so wäre, müsste ich aufhören.“

Er sagt es ganz ruhig, ohne Wallungen a la Tim Wiese. Denn Kraft weiß: Ein Adrenalin-Stoß zu viel bringt den Rivalen ins Tor. Günter Klein

Auch interessant

Kommentare