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Dr. Degwert in seiner Praxis.

Vereinsarzt Dr. Degwert

Schalke an der Wand, Bayern im Herzen

München - In Zukunft sind die Wege kurz für Verletzte des FC Bayern. Passiert im Training ein Unfall, ist die Praxis nur wenige Meter entfernt. Dr. Rüdiger Degwert, der Nachfolger von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, kümmert sich noch auf dem Vereinsgelände um die Stars.

Rüdiger Degwert, 49, ist in der Fußball-Branche kein Unbekannter. Müller-Wohlfahrt hat ihn schon vor Jahren an den FC Bayern herangeführt, zudem zählen seit langem schon Spieler des VfB Stuttgart und von Schalke 04 zu seinen Patienten. Die Praxis-Wände (acht Räume im ersten Stock, sechs für Rehamaßnahmen im Keller) zieren Trikots von zahlreichen Profis, darunter ein Juve-Dress von Hasan Salihamidzic, Leiberl des FC St. Pauli und der türkischen Nationalelf. „Vielen Dank für alles – außer den Spritzen“, hat Schalkes Kevin Kuranyi auf eines gekritzelt.

„Es ist das Wichtigste, dass die Spieler in nächster Zeit zu mir Vertrauen aufbauen“, sagt Degwert, der volles Verständnis hat, wenn der eine oder andere Bayern-Star weiterhin Müller-Wohlfahrt konsultiert. Das Vertrauen muss langsam wachsen. „Ich stelle mich dieser Herausforderung gerne“, sagt der Arzt, „es ist ja auch eine Auszeichnung, dass der FC Bayern mir die Chance gibt.“ Sein mehrköpfiges Team ist für alle Fälle gewappnet – und steht nicht nur Luca Toni und Co. zur Verfügung. Die Praxis im Service-center an der Säbener Straße ist für jedermann zugänglich. „In Italien kümmern sich Ärzte nur um ihren Verein, das finde ich nicht richtig“, sagt Uli Hoeneß, „ein Arzt muss sich entwickeln.“ Dazu gehört die Behandlung sämtlicher Beschwerden, auch die von Otto Normalbürger.

Der Manager des FC Bayern hat gestern wie TrainerJürgen Klinsmann sowie die Spieler Luca Toni, Miroslav Klose, Michael Rensing und Tim Borowski zur Praxis-Eröffnung vorbeigeschaut, „sehr schön“ sei es geworden, findet Uli Hoeneß. Dieses Projekt habe man schon länger, auch schon bevor Klinsmann mit seinen Bauplänen eines Leistungszentrums aufkreuzte, in die Tat umsetzen wollen: „Es ist einfach sinnvoll, wenn die Wege zwischen Trainingsplatz und Praxis kurz sind. Wir wollten, dass der Doc nah an der Mannschaft ist.“

Rüdiger Degwert lernte Müller-Wohlfahrt 1985 kennen. Er betreute die Turner des FC Bayern, die Fußballer der SpVgg Unterhaching und assistierte „Mul“ bei der Nationalelf. Seit 2007 ist er bereits als Vereinsarzt des FC Bayern im Amt, doch nun, nachdem sich Müller-Wohlfahrt bis auf weiteres komplett zurückgezogen hat, ist er alleinverantwortlich. Seine Praxis hat ihren Schwerpunkt in der Orthopädie.

Ob die Räumlichkeiten, die ihm der FC Bayern bereit gestellt hat, Wünsche offen lassen? Degwert schüttelt den Kopf. „Wenn die Praxis ausgelastet ist, sind alle Wünsche erfüllt.“ Er werde jeden Patienten „gleich behandeln“ – kleine Einschränkung: „notfalls fällt die Behandlung eines Profis intensiver aus“. An seiner Loyalität dem deutschen Rekordmeister gegenüber darf man ohnehin nicht zweifeln. Schalke-Trikots an der Wand – Bayern im Herzen, so ist es um Rüdiger Degwert bestellt: „Ich bin seit ich denken kann ein Bayern-Fan.“

Warum da auch ein Schalker Kuranyi-Trikot hänge, will Toni wissen. „Das hat Kevin mir gleich am letzten Sonntag mitgegeben, frisch unterschrieben“, klärt Degwert auf. „Ich habe auch eines von Luca, vom Pokalfinale in Berlin – aber er hat es noch nicht signiert.“ Dann wird sich dafür auch ein Plätzchen finden. Bleibt nur zu hoffen, dass der Italiener es danach nicht mehr zu oft zu Gesicht bekommt. Das hieße nämlich, dass er verletzt ist.

Von Andreas Werner

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