Grübelt ab sofort im Zeichen des FC Bayern: Jens Scheuer kommt aus Freiburg.
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Grübelt ab sofort im Zeichen des FC Bayern: Jens Scheuer kommt aus Freiburg.

Neuer Bayern-Trainer

Philosoph aus Freiburg

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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Jens Scheuer wird im Sommer die Fußballfrauen des FC Bayern übernehmen

München – In einem Interview wurde Jens Scheuer mal gefragt, ob sich unter ihm beim SC Freiburg etwas entwickelt, das über das Erwartbare hinausgeht. Schwer zu sagen, sagte er, auch bei den Frauen definiere man sich als Ausbildungsverein. Da sei es problematisch, Prognosen abzugeben. Es gäbe Clubs wie Wolfsburg und den FC Bayern „mit ganz anderen Dimensionen“, denen könne man finanziell nicht das Wasser reichen. Ob es ihn nicht ermüde, Talente zu entwickeln, die einem immer weggekauft werden, sobald sie ihre Qualitäten voll entfalten? Das wisse er nicht, sagte Scheuer, er sei ja noch nicht so lang da. Jetzt hat sich das Ganze erledigt. Scheuer trainiert ab dem Sommer die Bayern. Er reist damit einigen Talenten aus Freiburg nach, die sich in München inzwischen etabliert haben.

„Wir freuen uns, dass sich mit Jens Scheuer ein sehr ambitionierter Trainer für den FC Bayern entschieden hat“, ließ Managerin Karin Danner wissen, „wir sind überzeugt, mit ihm unsere Frauen-Abteilung erfolgreich weiterentwickeln zu können.“ Der 40-Jährige beerbt Thomas Wörle, der nach neun Jahren gehen muss, was nicht alle im Umfeld des Clubs verstehen können. Der 36-Jährige hat Jahr für Jahr schlagkräftige Teams entwickelt, zwei Mal wurde er Meister, längst sind die Münchnerinnen in der Spitze etabliert. Scheuer hat den SC nach seinem Einstieg 2015 an das Top-Niveau allerdings herannavigiert, Freiburg konnte sich hinter den Traditionsmarken in Stellung bringen.

Er wird ein Stück Freiburger Philosophie beim FC Bayern einbringen, denn er verfolgt die gleiche Linie wie das Männerteam von Christian Streich, unter dem er einst als A-Junior spielte. „Wir unterscheiden uns kaum von unserem Männerteam“, sagte er mal, das gilt für die Abläufe auf dem Platz wie für die Geschäfte hinter den Kulissen. Melanie Behringer, Sara Däbritz, Lena Leupolz, Lina Magull und Laura Benkarth kamen bereits aus Freiburg nach München, und wenn er auch nicht mit allen schon zusammengearbeitet hat, ist mit diesen Spielerinnen ein Boden vorhanden, auf dem er seine Pläne skizzieren kann.

Scheuer schätzt das Umschaltspiel, er duldet keine Schwächen im Kampf gegen den Ball und möchte dennoch vorne glänzen. Hohe Ansprüche, die sich mit denen der Bayern decken. Wie sich sein Job von dem eines Trainers bei den Männern unterscheide, wurde er mal gefragt. „Ich kann nicht unangekündigt in die Kabine. Ansonsten sind die Mechanismen gleich. Dass Frauen schwerer zu führen sind als Männer, ist eine Mär.“ Mal sehen, ob sich unter ihm beim FC Bayern etwas entwickelt, das über das Erwartbare hinausgeht. Die Ziele sind, das ist ihm bekannt, die höchsten, die die Branche hergibt.

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