Schickeria: „Wir wollen Uli Hoeneß nicht stürzen“

München - Nach der umstrittenen Fan-Aktion am vergangenen Samstag äußert sich die „Schickeria“. Ein Sprecher beruft sich auf einen  breiten Konsens in der Südkurve für solche Aktionen. Er erklärt auch, was damit bewirkt werden soll.

Der Samstag wirkt noch immer nach. Die Proteste der Fans in der Südkurve gegen die Vereinspolitik (vorrangig in Sachen TSV 1860 und Manuel Neuer), geäußert in Form teils deftiger Transparente rund ums Bundesligaspiel gegen Mönchengladbach, beschäftigen den FC Bayern. Auf die Erklärung der Ultra-Gruppierung „Schickeria“ und den von annähernd 150 Fan-Clubs unterzeichneten Offenen Brief der Fan-Club-Vereinigung „Club Nr. 12“ hat die Führung der FC Bayern AG mit einer Presseverlautbarung geantwortet. Doch näher kommen sich die Parteien in dem Meinungsstreit nicht.

Für Simon Müller von der „Schickeria“ war die Erklärung des FC Bayern vom Dienstag ein „Versuch, die Diskussion über das Thema im Keim zu ersticken“. Für ihn bleibt das Kernthema: „Warum handelt man gegenläufig zu dem, was auf der Jahreshauptversammlung angekündigt wurde?“ Im November 2010 hatte es vor 3000 Mitgliedern in der Olympiahalle geheißen: Keine weitere Hilfen für 1860 – und dann waren die Bayern doch hilfsbereit. „Warum hört man nicht auf die Basis?“, fragt Müller.

Bilder von den Fan-Protesten aus der Allianz Arena

Bilder von den Fan-Protesten aus der Allianz Arena

Bilder von den Fan-Protesten aus der Allianz Arena

Die entscheidenden Diskussionspunkte sind: Geht es um die Meinung einer Mehrheit oder einer Minderzahl? Versucht die Gruppe der Ultras, an Einfluss und Macht zu gewinnen? Simon Müller von der „Schickeria“ äußert sich dazu gegenüber unserer Zeitung.

„Wir respektieren, dass es auch ein anderes Fan-Sein als unseres gibt“, sagt er. „Der FC Bayern hat Millionen Fans, und vielen genügt es, auf der Gegengeraden zu sitzen und 90 Minuten das Spiel zu verfolgen.“ Anhänger wie er, die singen, für Choreografien im Stadion sorgen, die Mannschaft grundsätzlich zu jedem Spiel begleiten, sind eine Minderheit – und dennoch: Der Aktion vom Samstag liege, so Müller, „ein breiter Konsens“ zugrunde, „das war eine Sache der breiten Masse aus der Kurve“. Zu erkennen gewesen auch daran, dass „viele Fan-Club-Fahnen im Stadion umgedreht hingen“, wobei Simon Müller auf die Feststellung Wert legt: „Wir haben uns an den gemeinsamen Aktionen beteiligt und niemanden gezwungen, das zu tun.“

„Viele Gruppen haben sich beteiligt“, erklärt Müller, es sei eine Aktion „der Südkurve“ gewesen. Dass die „Schickeria“ der alleinige Initiator gewesen sei, streitet er ab. Das Plakat mit der Aufschrift „Hoeneß, du Lügner“, emotionalster Faktor in der öffentlichen Wahrnehmung, sei nicht aus den Reihen der „Schickeria“ gekommen. „Es ist nicht so, dass wir uns jetzt aus der Affäre ziehen wollen. Hinter unseren Aussagen stehen wir.“ Die inhaltliche Kritik am Bayern-Präsidenten teile man, „aber wir wollen Uli Hoeneß nicht stürzen und auch seine Verdienste nicht in Abrede stellen“. Ebenso wenig gehe es den Münchner Ultras um Macht: „Wir wollen nicht überall mitreden, aber bei manchen Themen auch nicht übergangen werden. Wir sind keine kleine Minderheit.“

Von Günter Klein

Rubriklistenbild: © dpa

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