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Der heftig umworbene Lars Bender schickte dem FC Bayern eine deutliche Absage nach Peking

Deutliche Absage nach Peking

Causa Bender: Schlechte Nachrichten von daheim

München/Peking – Nimmt man es genau, dann hat der FC Bayern den Dienstag als klarer Sieger beendet. 6:0 hat er am zweiten Tag seiner China-Reise ein Testspiel in Peking gewonnen, der örtliche Erstligist Beijing Guoan war mit diesem Ergebnis noch ganz gut bedient.

Aber so richtig erfolgreich war der Tag trotzdem nicht. Denn den sechs Toren im Workers Stadium steht eine Niederlage in einem ungleich wichtigeren Duell gegenüber.

Bayer Leverkusen ist eben eine ganz andere Hausnummer als Beijing Guoan, der Fünftplatzierte der chinesischen Liga. In den letzten Tagen klangen die Bayern und besonders ihr Boss Karl-Heinz Rummenigge manchmal so, als würden sie den Rivalen vom Rhein im Werben um Nationalspieler Lars Bender nicht ganz ernst nehmen („mit dem Thema entspannter und souveräner umgehen“) und sich am Ende mit ihrem Festgeld ohnehin durchsetzen („Jeder Spieler hat seinen Preis“). Doch so einfach gestaltet sich das Projekt offensichtlich nicht.

6:0 im Testspiel gegen Beijing Guoan

Die Nachrichten, die die Bayern am Dienstag aus der Heimat bekamen, waren jedenfalls nicht mehr dazu geeignet, mit dem Thema Bender entspannt umzugehen. Dass Rudi Völler sich via Sky an die Bayern (und an den FC Chelsea) wandte und darauf hinwies, Leverkusen werde mit Bender (und dem beim Champions League-Sieger hochgeschätzten André Schürrle) „zu hundert Prozent“ die kommende Saison bestreiten – gut, das war schon deutlich, hätte aber mit sehr viel Optimismus noch als Verhandlungstaktik gedeutet werden können. Doch dann meldete sich auch noch der Spieler selbst.

Als Forum wählte Lars Bender die Bayer-Homepage, und seine Formulierungen lassen darauf schließen, dass ihm die Pressestelle des Klubs hilfreich zur Seite stand. Er habe erst kürzlich seinen Vertrag bis 2017 verlängert, erinnerte er, und wolle „jetzt den nächsten Schritt mit Bayer 04 gehen. Damit ist absolut alles gesagt, ich möchte und werde mich an weiteren Spekulationen nicht beteiligen.“ Bender (23), der vor drei Jahren vom TSV 1860 gekommen war, kündigte an, er werde „hier sehr gerne eine absolute Führungsrolle einnehmen und noch mehr Verantwortung übernehmen. Ich habe mein Ende an Leistungskraft noch längst nicht erreicht.“

Das klingt doch sehr stark danach, als habe der FC Bayern sein Ende an Verhandlungskraft erreicht. Es ist schwer vorstellbar, dass Völler oder der Spieler in den nächsten Wochen noch von ihrem Standpunkt abweichen. Die Bayern müssen derweil weitersuchen.

Dazu passt, dass zuletzt der Niederländer Nigel de Jong als Kandidat gehandelt wurde, doch mehr als ein Gerücht muss das nicht sein. Der Mann von Manchester City verhält sich zu Lars Bender zwar nicht ganz so wie Beijing Guoan zu Bayer Leverkusen. Aber ins Raster des Rekordmeisters – jung, bissig, spielerisch stark – passt de Jong (27) nur insofern, als er in einer Weise giftig auftreten kann, die nicht nur beim Gegner gefürchtet ist. Dass er etwas ins Bayern-Spiel einbringen könnte, was etwa ein Luiz Gustavo nicht einbringt, davon kann keine Rede sein.

Im Workers Stadium begannen die Bayern gestern mit Anatoli Timoschtschuk und Toni Kroos im defensiven Mittelfeld, zur zweiten Halbzeit kamen Emre Can und Luiz Gustavo. Ein Verteidiger namens Zhang Junzhe war per Eigentor für das 1:0 verantwortlich, anschließend trafen fünf Münchner namens Robben, Pizarro, Müller, Mandzukic und Gomez. Allzu ernst war dieser PR-Kick nicht zu nehmen, was sich auch daran zeigte, dass Jupp Heynckes nach der Pause auf insgesamt acht Positionen wechselte. Lediglich die beiden Neu-Münchner Dante und Xherdan Shaqiri spielten durch, außerdem Diego Contento.

Der Linksverteidiger macht in diesen Tagen abermals die Erfahrung, dass man sehr schnell aus der Versenkung wieder zurückkehren kann. Contento, der im Champions League-Finale den gesperrten David Alaba vertrat und dies sehr ordentlich tat, profitiert nun von der Fußverletzung des Österreichers. Spätestens im September dürfte er wieder auf die Bank zurückkehren. Bis dahin aber sind die Bayern sehr froh, einen jungen, gut ausgebildeten Spieler zur Verfügung zu haben.

Marc Beyer

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