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Neu beim FC Bayern: Sebastian Rode.

Neuzugang über die ersten Wochen beim FCB

Rode im Merkur-Interview: "Das haut einen um"

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München - Im großen Interview mit dem Münchner Merkur spricht Sebastian Rode über seine ersten Wochen beim FC Bayern und erklärt seinen Spitznamen.

Herr Rode, nach gut zwei Monaten nun beim FC Bayern: Was ist anders als gedacht, was entspricht exakt Ihren Vorstellungen?

Rode:  Die Erwartung war natürlich, dass hier schon alles nochmal größer ist – aber es haut einen dennoch um, wenn man die Realität erlebt: Da stehen auf einmal über 3000 Fans beim öffentlichen Training, und sogar in den USA kreischen sie überall – da fühlst du dich ab und zu wie ein Popstar, sowas kennt man eigentlich nur aus dem Fernsehen, wenn Justin Bieber wo auftaucht. Insgesamt ist hier alles sehr, sehr professionell, und das ist das Wichtigste: Wir wollen hier alle einen super Job machen.

Anfangs sagten Sie, Sie seien „ein bisschen aufgeregt“ – hat sich das gelegt?

Rode: Es kommt manchmal immer noch etwas, was einen überrascht. Aber inzwischen kann ich schon sagen: Die Aufregung ist vorbei.

Dennoch: Was ist das für ein Gefühl, wenn man plötzlich wie Sie nun auf Schalke neben einem Xabi Alonso im Mittelfeld spielt – zwickt man sich da?

Rode: (lächelt) Zum Sich-Selber-Zwicken ist hier fast gar keine Zeit. Xabi stand ja gleich am nächsten Tag mit uns auf dem Spielfeld, und ich kann nur sagen, dass es sehr beeindruckend ist, sofort zu sehen, welche Klasse ein Spieler hat, welche Ausstrahlung. Und wenn ich mich jeden Tag zwicken würde wegen meiner Kollegen, käme ich nicht weit...

Es gibt etliche Stars, aber wie stellt man sich das vor, wenn einer wie Xabi Alonso kommt, den man ja nur vom TV kannte? Gibt man sich einfach die Hand, „ich bin der Sebastian, lass’ uns mal trainieren“ – oder, ganz ehrlich: Juckt es einen zunächst mal, nach einem Autogramm zu fragen?

Rode: Klar ist man ein bisschen aufgeregt, was das für ein Typ ist. Aber selbst Cristiano Ronaldo sagt, er hätte ihn bei Real nicht abgegeben. Das zeigt ja, dass er ein guter Typ sein muss. Generell darf man sich nicht in die Hose machen. Er ist ein weiterer Kollege, von dem ich viel lernen kann.

Was haben Sie zu ihm gesagt: Ich bin der Seppl?

Rode: (lacht) Nein, ich hab’ schon Sebastian gesagt. Aber diesen Spitznamen habe ich seit der E-Jugend, das stimmt. Damals hatten wir drei Sebastians im Team, plötzlich war ich der Seppl. Das ist mir geblieben. Ich bin in Südhessen aufgewachsen, am Odenwald, nah an Bayern, so unüblich ist der Name da also gar nicht.

Letzte Woche wurden Sie in Lederhosen eingekleidet – freut sich „Seppl“ Rode denn auf die Wiesn?

Rode: Klar freue ich mich, ich war noch nie auf den Wiesn . . .

. . . Vorsicht! Es muss heißen: Auf der Wiesn. Beliebter Anfängerfehler.

Rode: Oh, danke, das ist gut zu wissen – nicht dass mich dann der Basti Schweinsteiger oder der Thomas Müller gleich auf die Schippe nehmen . . . also ich bin gespannt auf das Oktoberfest und hoffe, dass mal ein Besuch drin ist. Aber wir haben da englische Wochen.

Weg von der Bayerischen Folklore, hin zum Sport: Matthias Sammer nennt Sie nicht „Seppl“, sondern „Giftzwerg“ – passt das noch besser?

Rode: Giftzwerg ist ein Lob, ein Kompliment – gerade aus seinem Mund, er hatte ja einen ähnlichen Ruf. Ich denke, es zeigt die Eigenschaft, immer dran zu bleiben, nicht aufzugeben, bissig zu sein, die Bälle zu erobern. Das sind alles Attribute, für die ich stehe.

Der erste Kontakt mit Bayern lief so: Ihr Berater warnte Sie vor, Sammer rufe gleich an. Dann klingelte das Handy. Sind Sie dann ganz cool geblieben?

Rode: (lächelt) Nicht wirklich. Man weiß ja nie, was einen so erwartet. Aber es war dann ein lockeres Gespräch. Er hat mir erklärt, wie er die Dinge sieht und mich gefragt, wie ich alles sehe, tja, und dann haben wir festgestellt, dass wir alles sehr ähnlich sehen.

Wie oft haben Sie die Frage nach Zweifeln gehört, seitdem Ihr Entschluss feststand? Und nervt Sie das, immer von Schlaudraff, Baumjohann, Kirchhoff zu hören – Spielern, die als Talente kamen und schnell wieder gingen?

Rode: Natürlich wurden mir diese Fragen oft gestellt: Ob ich mir das wirklich zutraue, was ich da will, ob ich es in München schaffe? Es wurde dann einfach über meinen Kopf hinweg berichtet, dass ich da eh keine Chance hätte, und natürlich nervt das. Es war auch ein wichtiger Teil des Telefonats mit Matthias Sammer, dass die Konkurrenz groß ist, aber ich wollte diesen Schritt gehen und diese Erfahrung machen. Wenn ich Baumjohann und all die Namen höre, sage ich: Jeder ist anders. Und jedem sollte man zunächst einfach mal eine faire Chance geben.

Es gibt ein Gegenbeispiel, der es geschafft hat: Zum Nulltarif gekommen, auch mit einem kleinen Namen, und dann wurde er über Jahre unverzichtbar – wissen Sie, wer das ist?

Rode: (überlegt) Sammer sagte, Jens Jeremies sei so ein Kandidat – und Hasan Salihamidzic.

Sie tragen die „20“, Salihamidzic’ Nummer.

Rode: Echt? Na, das ist doch ein gutes Omen. Dann kann eigentlich nichts schiefgehen.

Wie sehen Sie sich: Sind Sie ein Azubi? Oder ist die Lehrzeit vorbei?

Rode: Irgendwo dazwischen. Natürlich habe ich schon ein paar Erstligaspiele gemacht, habe in Frankfurt Verantwortung getragen und bin jetzt nicht mehr nur so ein Talent. Aber hier in München schadet es nicht, mit offenen Augen und Ohren herumzulaufen, wenn da ein Xabi Alonso und ein Bastian Schweinsteiger auf deiner Position spielen.

Sie sagten bei Ihrem Wechsel, mit ein Argument pro Bayern sind Ihre Ambitionen bei der Nationalelf. In Frankfurt wären sie Utopie geblieben – der letzte Auswahlspieler der Eintracht war Horst Heldt.

Rode: Ja, und das war 2000 glaube ich. Also schon eine ganze Weile her. Ich will auf jeden Fall den Sprung zu Joachim Löw schaffen. Das geht natürlich bloß, wenn ich hier bei Bayern meine Einsätze habe. Bis jetzt läuft es gut: Im ersten Spiel wurde ich eingewechselt, im zweiten war ich in der Startelf. Der Fokus ist klar bei Bayern, aber wenn es gut läuft, wer weiß: Die nächsten Länderspiele sind im Oktober beziehungsweise im November, und wenn mich der Bundestrainer anruft, fahr ich mit dem Fahrrad zur Nationalelf.

Die EM in zwei Jahren ist also Ihr großes Ziel?

Rode: Das wäre eine herausragende Sache, ein großer Traum – an der Seite von Schweinsteiger, er als Kapitän, ich mit dabei. Aber das ist alles Zukunftsmusik, ich muss hier beim FC Bayern erst einmal über längere Zeit meine Leistung bringen.

Löw sagt, die Nationalelf wird als Weltmeister noch mehr gejagt, man will aber weiter auch die anderen Teams jagen – mit Ihrer Schnelligkeit wären Sie ja auch ein guter Jäger.

Rode: Ich bin schon ein Jägertyp. Druck auf Gegner auszuüben, damit der Ball wieder in die eigenen Reihen kommt, das ist meine große Stärke.

Wie entspannt sich Sebastian Rode von diesem Trubel beim FC Bayern?

Rode: Unterschiedlich. Mal auf der Couch bei „How I met your mother“, es war zudem schon viel Besuch da, und ich habe die Stadt erkundet: Olympiapark, mit dem Rad durch den Englischen Garten – der ist ja irre groß! Ich hab’ mir da zwischenzeitlich gedacht: Wenn ich jetzt hier in meiner Heimat rumradeln würde, wäre ich schon in der dritten Ortschaft, und hier ist das immer noch der Englische Garten. Also, langweilig wird mir hier ganz sicher nicht werden.

Ihre Familie ist Ihnen wichtig. Ihre Mutter Annette gründete einst die Bambini-Mannschaft, bei der Ihre Karriere begann, Ihr Vater Dieter fuhr Sie später zum Training und zum Spiel. Wenn Sie am Saisonende alle Ziele erreicht haben, was wäre eine schöne Belohnung? Kuchen von Oma Heidi?

Rode: (lacht) Ja, das wäre eine gute Belohnung. So ein Stück von ihrer Schwarzwälder Kirschtorte, da würde ich mir zur Feier des Tages sicher eine Sonderportion gönnen.

Interview: Andreas Werner

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