Sebastian Rudy im Training des FC Bayern München.
+
Sebastian Rudy im Training des FC Bayern München.

Mittelfeldspieler spricht über seine Lage beim FCB

Sebastian Rudy unzufrieden: „Die Situation braucht natürlich kein Spieler“

  • Fabian Müller
    vonFabian Müller
    schließen

Sebastian Rudy ist unzufrieden mit seiner derzeitigen Situation beim FC Bayern. Er geht aber trotzdem davon aus, dass er „auf jeden Fall“ bei der WM in Russland dabei ist.

München - Sebastian Rudy, jener defensive Mittelfeldspieler, der im vergangenen Sommer ablösefrei von der TSG 1899 Hoffenheim zum FC Bayern München wechselte, hat es gerade schwer. „Die Situation braucht natürlich kein Spieler“, umschreibt er sein Dilemma. Denn: Beim FC Bayern sind bis auf Manuel Neuer und Kingsley Coman derzeit alle Spieler fit, weshalb Trainer Jupp Heynckes vor jeder Partie eine große Auswahl an Profis hat, die er in seinen 18 Mann starken Kader berufen kann - für manche ist das nicht gerade förderlich.

Sebastian Rudy beispielsweise stand in der Hinrunde unter Carlo Ancelotti häufig in der Startformation, durfte auch in wichtigen Begegnungen ran. Doch nachdem Heynckes den Posten des Trainers der Münchner wieder übernommen hat (und die vielen Verletzten wieder genesen waren), wechselte Rudy vom defensiven Mittelfeld auf die Ersatzbank - oder wie gegen Besiktas Istanbul oder den FC Schalke 04 gar auf die Tribüne.

“Bank oder Tribüne sind nicht mein Anspruch“

Die Enttäuschung bei Rudy ist groß, vor allem auch, weil gerade die ersten Wochen in München derart positiv für den Mittelfeldspieler verliefen. „Bank oder Tribüne sind nicht mein Anspruch“, betont er im kicker: „Diese Situation braucht natürlich kein Spieler“, findet Rudy, „weil man halt meint, dass man eigentlich dabei sein müsste.“ 25 Pflichtspieleinsätze für den deutschen Rekordmeister hat Rudy bisher absolviert - das immerhin stimme ihn „durchaus zufrieden“. 

Rudy ist eher ein ruhiger Typ, reflektiert, frei von jeder Selbstinszenierung. Dennoch hat er klare Vorstellungen von seiner Rolle in der Mannschaft des aktuellen und wohl auch zukünftigen deutschen Meisters. Im defensiven Mittelfeld sieht er sich optimal positioniert, „da kann ich meine Stärken am besten einsetzen.“ Die Alternative, die rechte Abwehrposition, reizt ihn hingegen weniger. Mit 28 Jahren möchte er „nicht mehr herumgeschoben werden“. Er sieht sich selbst als „Typ, der den Ball will und verteilt, der die anderen gerne bedient und ihnen den Rücken freihält“.

Rudy der bessere Zweikämpfer

In ein Spiel gehe er nicht „und sage, ich mache zehn Grätschen, nur um aggressiv zu erscheinen“, eine „üble Showgrätsche“ liegt ihm nicht, eher die spielerischen Lösungen. Und dabei hat er durchaus beeindruckende Statistiken aufzuweisen: Arturo Vidal, der zentrale Mittelfeldspieler, der bei den Bayern wohl als größter Zweikämpfer gilt, gewann in der Bundesliga 51,8 Prozent seiner direkten Duelle, Rudy deren 60. „Das sagt doch sehr viel aus“, findet Rudy. 

Doch ganz so einfach ist es nicht, das findet auch Heynckes. „Das robuste Element fehlt etwas“, sagt er über den 28-Jährigen. Rudy findet zwar nicht, „dass ich mich entscheidend verändern sollte“, für kleinere Korrekturen in seinem Spiel ist er aber durchaus bereit Er müsse die offensiven Kollegen absichern, „aber ich muss auch gucken, dass die anderen auf mich schauen, man muss schon auch egoistisch in die Situation reingehen, das bin ich noch zu wenig“. Und auch in der der Torgefährlichkeit muss er sich noch verbessern. Null Tore in 25 Partien - das ist gerade im Vergleich mit Arturo Vidal, der in der Liga sechs Mal getroffen hat, zu wenig. „Da muss ich entschlossener werden“, sagt Rudy. 

Gerade auch im Hinblick auf die anstehende Weltmeisterschaft in Russland findet Rudy aber trotz seiner derzeit angespannten Situation bei den Bayern, dass der Wechsel nach München der richtige war. Dass er im Kader von Bundestrainer Joachim Löw dabei ist und nicht auf der Tribüne Platz nehmen muss, davon geht er „auf jeden Fall“ aus. Löw habe ihm positives Feedback gegeben, das stimme ihn sehr zuversichtlich. Und auch um seine Rolle im Kader der Münchner möchte Rudy kämpfen. „Ich bin nicht hierher gekommen, um schon nach einem Jahr wieder zu gehen.“

fmü

Auch interessant

Kommentare