Stehen sich nahe: Stoiber und Hoeneß
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Stehen sich nahe: Stoiber und Hoeneß

Bayern-Verwaltungsbeirat prüft Kandidatur

Roter Teppich für Uli Hoeneß

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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München – Markwort: Der Bayern-Macher wird „im Triumph gewählt“. Dass der alte Chef der neue wird, ist eine Formsache. Vom Verwaltungsbeirat gibt es grünes Licht.

Oft beginnen Erfolgsgeschichten kurios. Oder banal, Ansichtssache. Im Fall von Walter Mennekes hängt einiges an dem Kauf von einer Cola und zwei Bier. Als er bei der WM 1986 während des Viertelfinales zwischen Gastgeber Mexiko und Deutschland Getränke holen ging, sah er auf der Tribüne eine Frau mit drei quengelnden Kindern. Nachmittag, Mitte Juni, Monterrey, 40 Grad. Lade ich die halt ein, dachte er sich da spontan. Ohne zu wissen, dass es sich um die Familie des damaligen DFB-Kapitäns Karl-Heinz Rummenigge handelte. So kam es, dass sich der Unternehmer aus Kirchhundem im Sauerland mit dem Stürmer anfreundete.

Mennekes lernte später auch noch Uli Hoeneß kennen, der ihn dann mal fragte, ob er in den Verwaltungsbeirat des FC Bayern wolle. Natürlich wollte er. Am heutigen Samstag gehört der Mann, der mit Steckern für Elektroautos inzwischen weltweit führend ist, zu dem Gremium, dass darüber berät, ob Hoeneß wieder als Präsident des FC Bayern kandidieren darf.

Wenn alles nach Plan läuft, ist die Bestätigung des 64-Jährigen reine Formsache. Spötter werden sagen, das könne auch daran liegen, dass der Verwaltungsbeirat durch die Bank mit Menschen besetzt ist, die auf die eine oder andere Art Uli Hoeneß verbunden sind. Doch das ist ja allenfalls die halbe Wahrheit. Denn das Gremium wird sich kaum gegen die Fans stellen, und die Fans, das hat zum Beispiel Helmut Markwort, langjähriger Aufsichtsrat und aktuelles Mitglied des Verwaltungsbeirats, schon klargestellt, wollen ihren Uli zurück. Bereits im Frühjahr sagte der ehemalige Focus-Chef: „Wenn ich die Stimmung spüre, nicht nur auf der Ehrentribüne, sondern bei den Leuten, die warten darauf, dass er sagt: ,Ich bin bereit!’ Für jemanden, der so einen Fehler gemacht hat, ist das ein fantastisches Comeback.“ 

Hinter den Kulissen sind die Rollen wieder fixiert

Nach seinem Sommerurlaub und den nötigen klärenden Gesprächen vor allem mit dem amtierenden Präsidenten Karl Hopfner war es so weit: Hoeneß sagte, er sei bereit, und Markwort skizzierte im Vorfeld, wie die Mechanismen ab dem Zeitpunkt greifen würden: „Dann wird ihn der Verwaltungsbeirat vorschlagen, und dann wird er im November im Triumph gewählt.“

Der rote Teppich ist längst ausgerollt, da machte auch Stoiber zuletzt keinen Hehl daraus. Man würde Hoeneß’ Vorschlägen folgen, sagte der ehemalige Ministerpräsident. Nach Lage der Dinge dürfte, so der designierte Rückkehrer nach diesem Signal, seiner Aufstellung zur Wahl „nichts mehr im Wege stehen“.

Hoeneß hat sich die Sache gut überlegt. Er horchte genau in den Verein hinein und lauschte nach, ob es wirklich noch sein Verein ist. Es gab durchaus ein paar, die seine Abwesenheit zu nutzen versucht hatten, sich in der Hierarchie nach oben zu verschieben. Doch inzwischen ist intern wieder alles geregelt, und der designierte Präsident lotete zuletzt bei einigen öffentlichen Auftritten ganz sachte aus, wie er in der Außenwelt gesehen wird.

Auch wenn hinter den Kulissen die Rollen wieder fixiert sind, begleitet Hoeneß in die nächste Amtszeit mehr denn je die Frage, wie der Klub für die Zeit nach ihm aufgestellt sein soll. Philipp Lahm gilt als Figur mit Visionen, auch Manuel Neuer. Der Blick in den Verwaltungsbeirat ist übrigens auch unter diesem Aspekt recht aussagekräftig: Alexandra Schörghuber senkt mit 58 Jahren den Schnitt, ansonsten haben all die Juristen, Wirtschaftsgrößen und Ex-Politiker die 70 längst überschritten. Es wird so langsam Zeit für neue Erfolgsgeschichten. Ganz egal, ob sie nun kurios beginnen oder banal.

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