Thomas Kraft hat in Berlin für vier Jahre unterschrieben.

Stühlerücken in der zweiten Reihe

München - Beim FC Bayern laufen die Planungen für die neue Saison auf Hochtouren. Nach dem Abschied von Thomas Kraft steht ein weiterer Münchner auf der Liste der Hertha: Andreas Ottl. Hoffenheim kämpft derweil um Bayern-Leihgabe Alaba.

Am 10. Februar waren Italiens Gazetten nach einem Spiel in Dortmund voller Elogen. Der „Corriere dello Sport“ feierte die „schönste Partie seit 2008“, und das Blatt „Tuttosport“ berichtete seinen Lesern, am

Andreas Ottl erteilte Kaiserslautern und Köln Absagen.

Abend zuvor eine Mannschaft gesehen zu haben, „die auf hohem Niveau zusammenwächst“. All die Hymnen galten aber nicht etwa der heimischen Borussia, die sich schon damals auf Meisterkurs befand. Sondern der italienischen Nationalelf. Und damit auch ein bisschen einem jungen Mann namens Domenico Criscito. Der 24-Jährige war an dem Abend, an dem die „Squadra Azzurra“ mit einem 1:1 gegen Deutschland laut „Tuttosport“ wieder „ihre Würde gefunden hat“, in der Schlussviertelstunde in die Partie gekommen. Drei Minuten später leitete er den Ausgleich durch Giuseppe Rossi ein. Kein schlechter Kurzauftritt.

Criscito ist damals beim FC Bayern im Gespräch gewesen. Ein Wechsel zerschlug sich, doch da der Außenverteidiger des FC Genua 1893 als eines der größten Defensivtalente jenseits der Alpen gilt, könnte er auch in diesem Sommer wieder in den Fokus der Münchner zurückrotieren. Die Bayern haben bisher keine Verstärkung für die Außenbahn gefunden. Zuletzt nahmen sie von den Kandidaten Gregory van der Wiel (Ajax Amsterdam) und Fabio Coentrao (Benfica Lissabon) Abstand. Der Niederländer überzeugte die Bosse nicht, der Portugiese ist sündhaft teuer und zudem zu offensiv ausgerichtet. Linksverteidiger Criscito hat bei einem Vertrag bis 2014 einen Marktwert von rund zehn Millionen Euro. Das wäre erschwinglich.

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Die Bayern bauen in diesen Tagen am Kader für die neue Saison. Kandidaten wie Criscito sind das eine, Abgänge das andere. Torwart Thomas Kraft hat bei Hertha BSC für vier Jahre unterschrieben. In der kommenden Woche wird ihm Andreas Ottl folgen. In München hat das erste Stühlerücken in der zweiten

Thomas Kraft hat in Berlin für vier Jahre unterschrieben.

Reihe begonnen. Der Edelhelfer im Mittelfeld ist dabei, seine Koffer zu packen. Schweren Herzens, weil er immer gerne für den Rekordmeister aufgelaufen ist. Aber auch mit Zuversicht, weil er beim Berliner Coach Markus Babbel für eine Führungsrolle auserkoren wurde. Der 26-Jährige, dessen Vertrag in München ausläuft, hat zuletzt bereits dem 1. FC Köln und Kaiserslautern abgesagt, weil ihn das Gesampaket in Berlin mehr überzeugt. Die finalen paar Tage Bedenkzeit will er nutzen, um das eine oder andere Angebot aus dem Ausland noch ein letztes Mal zu überprüfen.

Bei 1899 Hoffenheim wird man indessen alles daran setzen, David Alaba noch eine weitere Saison ausleihen zu dürfen. „Er hat sich bei uns enorm entwickelt und noch einmal einen großen Sprung gemacht“, sammelt Manager Ernst Tanner Argumente für eine Fortsetzung des Deals, der in seinen Augen „eine Win-Win-Win-Situation ist - sprich: alle drei Beteiligten,

Ekici will Vertrag nicht verlängern

Bayern, Alaba und wir würden davon profitieren.“ Fakt sei, dass die Münchner nach der Saison auf eine Rückgabe pochen dürfen. „Eine Entscheidung liegt natürlich ganz bei den Bayern“, sagt Tanner, „aber wir sind der Meinung, dass David ein weiteres Jahr bei uns gut tun würde.“ Der Österreicher, den der Hoffenheimer Sportdirektor als „eines der größten Talente von Europa“ preist, ist laut Tanner dem Plan nicht abgeneigt, noch eine Saison im Kraichgau anzuhängen: „Ihm gefällt es hier bei uns sehr gut, David ist super integriert und hat hier alle Möglichkeiten. Bei uns kommt er regelmäßig an die

Domenico Criscito könnte die Sorgen auf den Außenbahnen lindern.

Reihe, und er zahlt das Vertrauen mit Leistung zurück - daran sieht man doch, wie gut es ihm hier gefällt.“ Wie bei Alaba stellt sich bei Mehmet Ekici die Frage, ob er nach dieser Saison an die Isar zurückkehrt. Der U-21-Nationalspieler wurde im Sommer an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen. In seinem Fall sieht es nicht nach Wiedersehen aus. Werder Bremen und der Hamburger SV haben Interesse angemeldet, ließ sein Berater Roland Jeromin über die „Deutsche Presse-Agentur“ verbreiten. Sein Mandant wolle „dorthin gehen, wo er sich am besten entwickeln kann“. Bei Bayern sei das in der kommenden Saison eher schwierig. Eine erneute Ausleihe, für die der bis 2012 laufende Vertrag verlängert werden müsste, käme nicht infrage. Eigentlich wollte der 21-Jährige immer zurück zum FC Bayern - doch manchmal erfasst einen das große Stühlerücken schon in Nürnberg.

von Andreas Werner

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