Die Bayern hoffen auf Luca Tonis Comeback.
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Die Bayern hoffen auf Luca Tonis Comeback.

Bayern mit komplettem Kader zum Achtelfinale

Tomatensaft oder Tore

München – Für alle. die heute um 11.30 Uhr auf dem Flug Nummer LH 5018 von München nach Lissabon dabei sein werden: Noch ein paar Begriffe auf Italienisch lernen vor der Abreise. Zum Beispiel: „Einen Tomatensaft, bitte“ oder „Haben Sie Kopfhörer fürs Unterhaltungsprogramm an Bord?“

 Könnte nämlich sein, dass Luca Toni die Rolle eines Flugbegleiters übernimmt. Der noch verletzte Stürmer, der auch am Montag nur ohne Ball arbeiten konnte, reist mit der Mannschaft zum Achtelfinalspiel der Champions League am Mittwoch (20.45 Uhr/Premiere und Sat.1 live) bei Sporting Lissabon, doch er ist sich noch nicht vollkommen sicher, dass er auch wird spielen können. „Wenn ich merke, es geht nicht, dann mache ich im Flugzeug den Steward“, sagt er.

Wird schon gehen bei ihm, es muss einfach gehen. Die Münchner brauchen ihren Azzurro, das Spiel in Portugal ist bereits als wegweisend deklariert beim FC Bayern. Es leitet die Phase schwerer englischer Wochen ein (vor der Brust hat man die Aufgaben: am Sonntag Bundesliga in Bremen, am Mittwoch darauf DFB-Pokal bei Bayer Leverkusen). Niemand bestreitet, dass die Krise ausgebrochen ist nach drei Niederlagen in vier Rückrundenspielen, da bietet die Champions League zumindest mal die Chance, sich freizumachen von den Gedanken, die auf einem lasten, von all den Schlagzeilen wie „Schießbuden-Bayern“ oder der heraufziehenden Trainerdämmerung (wobei die „Klinsmann raus“-Rufe am Samstag ausschließlich aus der Kölner Fan-Ecke gekommen und als parodistisches Element zu verstehen waren). „Wir können die Bundesliga mal aus dem Kopf streichen für ein paar Tage“, gibt Philipp Lahm den Anreiz wider. Anderer Wettbewerb, neue Konzentration, neue Chance – mit neuer Elf, wenn Luca Toni es schafft. „Es sind noch leichte Schmerzen da“, sagt der (zuletzt verhinderte) Torjäger.

Der komplette Kader ist in Lissabon dabei, das zeigt, wie hoch der FC Bayern das Spiel bewertet, für wie außergewöhnlich er die Situation hält. Klinsmann will sich alle Optionen offenhalten und wohl auch den Konkurrenzkampf wieder antreiben, zumindest den um die Plätze auf der Bank.

Sporting Lissabon – das hat man im Dezember noch als „Glückslos“ wahlweise „Weihnachtsgeschenk“ empfunden, doch schon dadurch, dass die Bayern in den vergangenen zweieinhalb Wochen geschrumpft sind, ist Lissabons zweite Kraft gewachsen. „Die sind gut drauf“, bemerkt Philipp Lahm, „sie haben Belenenses und jetzt Benfica geschlagen“. Und: Sporting ist offensivstark – passend zur Defensivschwäche des FC Bayern. Lahm hat vergangene Woche die zu ausgeprägte Risikofreude im Münchner Spiel, vor allem in der eigenen Hälfte, angesprochen („Intern tue ich das schon lange“), doch der Effekt gegen Köln war: null. „Wenn man gegen Köln 1:2 verliert, habe ich keinen Grund, meine Meinung zu ändern“, sagt er. Seine Bange wird durch Eindrücke aus der Vorrunde der Champions League bestärkt: 3:2-Sieg in Lyon im Dezember, schön und gut – aber: „In der zweiten Halbzeit hatte der Gegner fünf hundertprozentige Chancen.“

Lahm gehört eigentlich zur Optimismusfraktion des FC Bayern, doch er macht deutlich, dass die Lage ernst geworden ist. „Hier unterschätzt keiner mehr irgendjemanden“, sagt er in Richtung Lissabon-Spiel. Und: „Wenn wir das Viertelfinale erreichen, ist es ein großer Erfolg. Es wäre nicht gut für uns, im Moment auf Manchester United oder Barcelona zu treffen.“

Von Günter Klein

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