Zum Wegschauen: Jupp Heynckes erlebte in seiner Heimat einen unerfreulichen Abend.
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Zum Wegschauen: Jupp Heynckes erlebte in seiner Heimat einen unerfreulichen Abend.

Antwort an Hoeneß

Heynckes gibt Widerworte - in aller Freundschaft

  • Marc Beyer
    vonMarc Beyer
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Ja, hat Uli Hoeneß am Freitag gesagt, er halte es für möglich, dass Jupp Heynckes über den Sommer hinaus Bayern-Trainer bleibt. Der widersprach prompt. Und unmissverständlich.

MönchengladbachDie Freundschaft zwischen Uli Hoeneß und Jupp Heynckes könnte ganze Bücher füllen. Die Zeitungen sind ohnehin voll mit Geschichten über die spezielle Beziehung der beiden, die sich erst vor zwei Monaten auf ganz und gar erstaunliche Weise ausdrückte. Als Heynckes damals zum FC Bayern zurückkam, war schnell klar, dass er damit vor allem dem alten Spezi Uli aus der Patsche helfen wollte. Offen blieb nur, ob er nicht insgeheim auch sich selber einen Gefallen tat.

Ausnahmslos jeder im Bayern-Kosmos hat sich seitdem schwärmerisch über Heynckes, seine einnehmende, menschliche Art und positive Energie geäußert. Und so oft der Trainer auch die viele Arbeit betonte, die er zu verrichten habe, so sehr scheint er doch in seiner Tätigkeit aufzugehen. Der Erfolg – bis Samstag neun Siege in neun Spielen – spricht für ihn.

Als Hoeneß am Freitagabend im Audi Dome erklärte, er halte Heynckes’ Verbleib in München über den Sommer hinaus für möglich, schlug das in der Öffentlichkeit sofort Wellen, die der medienversierte Präsident kaum unterschätzt haben kann. Unterschätzt hat er höchstens die Reaktion seines Freundes.

Der war gar nicht davon erbaut, nach der Niederlage in Gladbach in jedem Interview seine Perspektive ab Mitte 2018 kommentieren zu müssen. Heynckes hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass sein viertes Engagement an der Isar im Sommer enden wird. „Es besteht eine ganz klare Vereinbarung bis 30. Juni“, und deswegen verspüre er „keine Lust, immer wieder die gleichen Fragen zu beantworten“. Man weiß bei ihm: Vereinbarungen sind dazu da, eingehalten zu werden.

Aber das sagt sich so leicht. Nach einer Äußerung wie der von Hoeneß besteht nun mal Klärungsbedarf, ob der Trainer will oder nicht. Vielleicht ist es so, dass der Präsident die Gunst der Stunde nutzen wollte, um öffentlich Druck aufzubauen und dem lieben Freund den Rückzug ins Private so schwer wie möglich zu machen. Vielleicht wollte er dem Trainer einfach bloß ein Kompliment machen, indem er ihm die Eignung für eine komplette weitere Saison zusprach. Womöglich liegt aber auch Heynckes richtig, wenn er die Worte schlichtweg auf die besonderen Umstände der Jahreshauptversammlung zurückführt, bei der Hoeneß den ganzen Abend aus dem Schwärmen über den Zustand des Klubs nicht herauskam: „Da hat er ein bisschen emotional reagiert.“

Bei aller Genervtheit über die ständigen Fragen wirkt Heynckes nicht so, als würde er Hoeneß die neueste Volte ernsthaft übel nehmen. Es schmeichelt ihm ja, dass seine Arbeit so gut ankommt und man ihm eine Verlängerung zutraut: „Das haben schon einige Spieler gesagt.“ Bloß erfüllen will er ihnen den Wunsch nicht. Heynckes beteuert, er gehe fest davon aus, dass sein Arrangement bis 30. Juni läuft und keinen Tag länger. „Dabei wird es bleiben.“

In den nächsten Wochen will er mit den Bossen über die Trainerfrage sprechen, und Heynckes ist davon überzeugt, dass seine Meinung sehr gefragt sein wird. Er legt aber Wert auf die Feststellung, dass dieses Treffen nicht ihn selbst zum Thema haben wird. Das will er auch Uli Hoeneß noch mal klarmachen. In aller Freundschaft halt.

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