1. Startseite
  2. Sport
  3. FC Bayern

Hoeneß-Fans: „Wer zum FCB steht, steht zu Hoeneß“

Erstellt:

Von: Andreas Werner

Kommentare

Uli Hoeneß Prozess
Fans im Fokus: Der Anhang steht zum Präsidenten. © dpa

München - Bei den Fanklubs überwiegt weiter die Treue zu Hoeneß: „Uli gehört zur Familie, und in der Familie drückt man ein Auge zu“. Daran ändern auch 27,2 Millionen hinterzogene Euro nichts.

Natürlich war Uli Hoeneß am Dienstagabend in der Allianz Arena beim 1:1 des FC Bayern gegen Arsenal London unter den Fans Gesprächsthema Nummer 1. Immer wieder zückte einer auf den Rängen das Smartphone, um die Zahlen, die mit dem Steuerprozess bekannt wurden, zu prüfen.

„Es sind überraschend hohe Summen, Beträge, die für Normalverdiener unfassbar sind“, sagt Hansi Gehrlein, Chef des Fan-Klubs „Die 13 Höslwanger“. Haben diese Zahlen jenseits aller Vorstellungskraft etwas verändert? Nein, sagt Gehrlein, gar nichts: „Ich habe im Stadion keine Stimme gehört: ,Der Hoeneß muss weg!‘“

Im Gegenteil. Die Treue überwiegt weiter bei den Fanklubs, bei den Treuesten der Treuen. Daran ändern auch 27,2 Millionen hinterzogene Euro nichts. Für Anti-Bayern sei das „natürlich ein gefundenes Fressen“, sagt Hans Fischer, Vize der „Pomperlbuam“. Doch in kritischen Zeiten ziehen wahre Fans eine klare Trennlinie, vergleichbar mit der Wagenburg-Mentalität einst im Wilden Westen: Sollen sie draußen kriegerisch Kreise drehen – drinnen sind wir wehrhaft, standhaft. 1800 Mitglieder hat sein Fanklub, so Fischer, 95 Prozent halten zum Präsidenten. „Bei uns Fans“, sagt er, „bleibt der Uli so angesehen wie vorher auch.“

Plakate mit „S-uli-darität“

Der Uli. Das ist eine Marke geworden, vor vielen, vielen Jahren schon. Unser Uli. Vor dem Justizpalast halten Anhänger Plakate mit „S-uli-darität“ hoch, für den Uli macht man sowas, selbstverständlich. Selbst in der Ferne denken Sympathisanten des Triple-Siegers so, selbst im Westen der Republik, wo Borussia Dortmund und Schalke 04 das Geschehen dominieren. Jean-Pierre Pijcke sitzt dem Bayern-Fanklub „Lipperose Lippstadt“ vor, zudem ist er der Anführer der Fangemeinschaft NRW.

 Er versammelt also viele hinter sich, und er sagt über den Uli: „Hoeneß gehört zur Familie, und bei einem Familienmitglied drückt man mal ein Auge zu. Blut ist dicker als Wasser.“ Die guten Seiten würden die schlechten aufwiegen, skizziert Pijcke, „und die ganzen Politiker haben auch Dreck am Stecken“.

Dass Hoeneß Dreck am Stecken hat, ist aber allen bewusst. Selbst in der Wagenburg kommt die Realität an, wenn auch gern mal verzerrt. Die Ultras verweigern jegliche Kommentare zur Steueraffäre, man wolle sich nicht instrumentalisieren lassen. Es finden sich dort durchaus kritische Töne, sogar mögliche Nachfolger wurden in dieser Szene am Dienstag diskutiert, verrät einer, der im Block 113 stand, wo die Stimmung gemacht und die Meinung gebildet wird.

„Es hat sich aufsummiert, das sind jetzt keine Bagatellen mehr“, findet Mario Weiße, der sich fragt, wie es denn in Zukunft werden soll, wenn Hoeneß bei Auswärtsspielen im Stadion erscheint: „Das wird doch ein Spießrutenlauf – will er das überhaupt?“ Ebenso sei die Frage, ob es sich der Chef eines börsennotierten Konzerns leisten kann, Hoeneß nun als tragbaren Aufsichtsrat zu bewerten.

Gehrlein sieht das so: „Bei Wirtschaftsbossen ist das vielleicht anders, aber wir Fans rücken nicht so schnell ab. Da leidet man mit. Obwohl man ab und zu ein bisschen fassungslos ist.“ Was „ein bisschen“ bedeutet, da sind die Grenzen gerade fließend.

Andreas Werner und Hanna Schmalenbach

Auch interessant

Kommentare