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Uli Hoeneß.

FCB-Präsident legt Amt nieder

Uli Hoeneß geht: Watzke, Lemke und Daum sagen Servus - „Du bist ein ...“

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Uli Hoeneß tritt als Präsident des FC Bayern München zurück. Seine einstigen Kritiker nehmen Abschied.

  • Uli Hoeneß hört als Präsident des FC Bayern München auf.
  • Mit dem Ex-Nationalspieler Paul Breitner war er lange befreundet - bis kürzlich.
  • Exklusiv in der tz verabschiedet Breitner sich von Hoeneß

München - Schluss. Aus. Vorbei. Uli Hoeneß legt am Donnerstag sein Amt als Präsident des FC Bayern München nieder. Im Bayern-Magazin 51 nutzten bereits einige Kritiker die Gelegenheit, sich von ihm zu verabschieden – und fanden versöhnliche Worte. Exklusiv in der tz sagt nun Paul Breitner Servus. Beide verband jahrelang eine Männerfreundschaft, ehe Breitner nach der legendären Pressekonferenz scharfe Kritik an den Bayern-Bossen übte. Daraufhin wollte Hoeneß den Ehrenspielführer des FCB nicht mehr auf der Ehrentribüne der Arena sehen.

Louis van Gaal, Ex-Bayern-Trainer: „Ich schätze Ihre Lebensleistung“

01.07.2009, Fussball Pressekonferenz FC Bayern Trainer Van Gaal

Wir hatten unsere Auseinandersetzungen, aber ich möchte Ihnen zu Ihrem Abschied auch sagen, dass Sie eine der wichtigsten Figuren in der Geschichte des FC Bayern sind, und für Ihre Lebensleistung schätze ich Sie sehr. Sie haben Ihren FC Bayern zu diesem großen und strukturierten Verein gemacht, der er heute ist. Chapeau!!!

Nehmen Sie sich nun Zeit für andere Dinge in der sozialen, aber auch familiären Existenz, ich bin sicher, Sie werden Ihr Leben auch ohne den Alltag beim FC Bayern genießen!! Ich wünsche Susi und Ihnen von Herzen viel Gesundheit, denn das ist das Wichtigste, das man gemeinsam genießen kann!

Und wenn ich mir Sie im Ruhestand vorstellen kann, sollten Sie das auch können, oder :)?

Christoph Daum, Ex-Bundestrainer-Kandidat: „Du hast mit dem Herz gedacht“

Christoph Daum

Ich habe Dich immer geschätzt und respektiert. Nicht nur wegen Deiner unzähligen Erfolge und Verdienste, sondern wegen Deiner Hilfsbereitschaft und Deiner Identifikation mit dem FC Bayern. Du hast diesen Verein geliebt, gelebt und geprägt. Keiner durfte etwas gegen die Bayern sagen, und wenn das doch der Fall war, hast Du zum Gegenangriff geblasen.

Du bist nicht als Sieger oder als Attackierer auf die Welt gekommen, doch Dein Gerechtigkeitsgefühl, Deine Fürsorge und Dein Wille haben Dich zum Lokomotivführer des Fußballs auf und außerhalb des Spielfeldes geformt. Wo die Interessen des FC Bayern beginnen, hört Deine Zurückhaltung auf.

Du hast die Massen polarisiert und Dich dadurch oft angreifbar gemacht. In Bezug auf Uli Hoeneß gab es immer nur eine Möglichkeit: Entweder man mag Dich oder man mag Dich nicht! Meine Wertschätzung sowie die von vielen anderen Menschen ist Dir gewiss. Wir alle leben unter demselben Fußballhimmel, doch Deine Sichtweise war vielmals eine andere. Du hast oft mit dem Herz gedacht und bist dabei an den Punkt gegangen, wo aus Deiner Sicht Klartext angesagt war, ohne Rücksicht darauf, dass es brenzlig werden könnte. Mit Dir wurde es nie langweilig – abgesehen von den Serienmeisterschaften Deiner Bayern.

Video: Hoeneß-Ära geht zu Ende - seine besten Sprüche und Verbalattacken

Danken möchte ich Dir für ein sehr persönliches Gespräch, das mir gezeigt hat, dass Du ein äußerst nachdenklicher und verzeihender Mensch bist. Ein Charakterzug, der in der öffentlichen Darstellung Deiner Person zu kurz kommt. Du warst nie artig, aber stets einzigartig. Erhalte Dir diese Gabe und bewahre Dir dabei das notwendige Quäntchen Humor.

Ich wünsche Dir, dass Du etwas mehr Zeit für Deine Familie und für Dich selbst findest, um weiter ein glückliches Leben zu führen. Der FC Bayern wird für Dich so oder so immer eine Herzensangelegenheit bleiben.

Willi Lemke, Ex-Manager Werder Bremen: „Lass uns auf neue Zeiten anstoßen!“

Uli Hoeneß und Willi Lemke

Der Ruhestand gehört auch bei einem so vitalen Menschen wie Dir zum Leben. Die Umstellung ist nicht leicht, wenn man es wie Du gewohnt ist, jahrzehntelang zu lenken. Bei mir hat es zwei bis drei Jahre gedauert. Aber Du wirst es packen. Du wirst aufgefangen von Deiner Familie, allen voran von Deiner tollen Frau Susi, die ich sehr schätze.

Für die Medien waren unsere Auseinandersetzungen ein gefundenes Fressen: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich wurde oft gefragt, ob das Show war, fürs Geschäft – oder ob wir uns tatsächlich nicht gemocht haben. Ich antwortete immer: Wir haben uns nicht gemocht. Vor einigen Jahren aber hast Du den ersten Schritt gemacht. Ich habe längst einen Uli Hoeneß kennengelernt, dem ich nie permanent widersprechen würde. Du bist ein unglaublich sozialer Mensch, der karitativ ungeheuer viel macht, ohne darüber zu reden. Exemplarisch dafür kann ich mich nur für Deine Unterstützung bei einem Projekt in Simbabwe bedanken, bei dem wir Mädchen auf ihrem Weg zum Abi­tur helfen. Ich habe einen demütigen Uli kennengelernt.

Du kämpfst wie ein Löwe, wenn die Deinen angegriffen werden, das spricht für Dich, doch bitte nimm es mir nicht übel, wenn ich Dir für Deinen Ruhestand raten darf: Im Sinne Deiner Nachfolger, die in riesige Fußstapfen treten und ihren eigenen Weg finden müssen: Wenn etwas falsch läuft, sag’ es diplomatisch unter vier Augen. Nicht volles Rohr in der Öffentlichkeit. Sonst werden sie es sehr, sehr schwer haben. Du hast die Geschichte des FC Bayern und der ganzen Fußballbundesliga maßgeblich zu einer Erfolgsgeschichte gemacht – das wird niemals vergessen werden.

Ich würde mich freuen, wenn wir uns mal wieder wie vor einigen Jahren treffen, als Du mir das Du angeboten hast. Wir könnten bei einem Glas Wein auf neue Zeiten anstoßen und darauf, dass die alten hinter uns liegen. Ich wünsche Dir und Deiner Familie von Herzen Gesundheit und Glück!

Hans-Joachim Watzke, BVB-Boss: „Der Respekt war stets vorhanden“

Bilanzpressekonferenz Borussia Dortmund

Vor dem Hintergrund Ihres nahenden Abschieds als Präsident des FC Bayern München ist es mir ein persönliches Anliegen, Ihnen meinen großen Respekt auszusprechen, den ich vor Ihrer Lebensleistung habe. 

Eine Zeitstrecke von 40 Jahren als Manager bzw. Präsident des FC Bayern München so zu prägen, wie Sie es getan haben, ist absolut außergewöhnlich!

Ich will ehrlich sein: Wir beide haben es uns gegenseitig oft nicht leicht gemacht. Wahrscheinlich war das vor dem Hintergrund der Rivalität unserer Vereine und vor dem Hintergrund unserer Persönlichkeitsstruktur auch gar nicht anders möglich. Und doch bin ich überzeugt, dass aller unterschiedlicher Auffassungen zum Trotz der Respekt füreinander stets vorhanden war.

Ich wünsche Ihnen für Ihre Zukunft beste Gesundheit, mehr Zeit mit der Familie und dass es Ihnen gelingt, in Ihrer Funktion als Aufsichtsrats-Mitglied des FC Bayern ein wenig loszulassen.

Paul Breitner, früherer Freund: „Wie Santiago Bernabéu“

Fußballer Hoeneß und Breitner 1973 in Badehose

Das Einzige, das ich zum Abschied von Uli Hoeneß sagen möchte – unabhängig von allen persönlichen Unstimmigkeiten – ist: Er ist der einzige Fußballmacher, den ich auf die Stufe mit Santiago Bernabéu stelle. Das, was Uli Hoeneß für den FC Bayern geleistet hat, ist großartig – eben das, was auch (der langjährige Präsident) Santiago Bernabéu für Real Madrid ­vollbracht hat.

In der Steueraffäre um Uli Hoeneß sind nun neue Zahlen aufgetaucht. Die Bayern-Legende muss wohl deutlich mehr Geld zurückzahlen, als die 28,5 Millionen Euro, um die im Prozess seiner Steuerhinterziehung ursprünglich ging. 

Manuel Bonke

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