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US-Tour des FC Bayern: ER wird zur Schlüsselfigur

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Zwischen zwei Welten: US-Boy Green, hier in Miesbach. © Andreas Leder

New Jersey - Beim Versuch des FC Bayern, in Amerika Fuß zu fassen, spielt der US-Jungprofi Julian Green eine große Rolle.

Nur eine Woche ist es her, doch die Szene wirkt wie aus einem anderen Leben: Julian Green, 19, hockt vorigen Freitag an einem Holztisch im Miesbacher Rathaus, an der Wand ein Kruzifix, und der Landrat trägt Janker. Foto-Termin, der neue junge Star der US-Nationalmannschaft, darf sich in seiner Heimat ins Goldene Buch eintragen.

Gut 4000 Meilen vom Oberland entfernt, Red Bull Arena in Harrisson, New Jersey, USA. Jetzt sitzt Julian Green auf einem ausgeleuchteten Podest. Er schaut über ein Mikrofon in ein Dutzend Fernsehkameras, neben ihm der Trainer, Pep Guardiola. Jetzt ist Julian nicht mehr der Bub aus Miesbach – jetzt ist Green Bayern-Profi.

„Wie ist das für dich“, wird er bei der ersten Pressekonferenz der USA-Reise gefragt, „die große Bühne?“ Green lächelt schüchtern und sagt: „Schön.“ Dann noch ein Satz, den jeder Profi des Rekordmeisters, selbst wenn er noch so jung ist, stets abrufen kann: „Ich bin stolz, hier mit dem FC Bayern spielen zu dürfen.“

Die Bayern sind in die USA gereist, um dort einen neuen Markt zu erschließen – und Julian Greens Gesicht spielt eine große Rolle dabei. Einen besseren Typen hätten sich die Marketing-Strategen dafür nicht ausdenken können. Das Land ist nicht besonders fußballbegeistert. Wenn sich Amerikaner schon für diesen Nischensport interessieren, dann, please, für US-Nationalspieler. Green finden sie toll. Beim öffentlichen Training nach der Pressekonferenz sitzen 400 Fans auf der Tribüne. Green joggt nur locker vorbei, weil er seit der WM Probleme mit der Patellasehne hat, nicht voll trainieren kann. Die Anhänger rufen: „Julian, Julian!“

Einer davon ist Tim, 17. Er ist Bayern-Fan, und davon gibt es in New Jersey nicht besonders viele. „Aber das werden mehr“, sagt er. Auch wegen Green. „Er kann der beste US-Fußballspieler aller Zeiten werden“, findet Tim. Einer der bekanntesten ist er schon jetzt: Erst die Debatte vor der WM, ob Green dem bisherigen Publikumsliebling Landon Donovan den Platz im US-Team weggeschnappt hat. Dann sein Tor gegen Belgien. Und jetzt der Besuch mit dem großen FC Bayern.

Obwohl Green in Oberbayern aufgewachsen ist und dort lebt, rechnen ihn die Amerikaner ihrer Nation zu. Immerhin lebte er die ersten zwei Jahre nach seiner Geburt in Tampa, Florida. Dort wohnt sein Vater immer noch – Tampa, das ist angeblich bislang der einzige Flecken der Staaten, den Julian Green jemals betreten hat. Das ändert sich jetzt: Vor dem Auftritt in New Jersey durfte der 19-Jährige bislang an keiner einzigen Pressekonferenz des FC Bayern teilnehmen – während des USA-Trips ist er gleich bei vier großen Terminen in New York und Portland eingeplant. Green, der bei Spielen für den FC Bayern II manchmal vor ein paar Hundert Zuschauern spielt, ist hier plötzlich der Top-Werbeträger.

Steigt ihm der Blitzerfolg zu Kopf? Bei Green kann man sich das kaum vorstellen. Dass er nicht abhebt, dafür sorgt auch sein Spielerberater: Roman Grill. Der hatte schon Philipp Lahm unter seinen Fittichen, schulte ihn im Umgang mit Medien, brachte ihm bei, sich zu fokussieren. Welche Ziele er für diese Saison habe, wird Green noch gefragt. „Ich will den Leuten zeigen, dass ich nicht nur bei der WM Tore schießen kann“, sagt er. „Sondern auch für den FC Bayern.“ Guardiola neben ihm sieht aus, als ob er sich das durchaus vorstellen kann.

Carina Lechner

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