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Fußball-Tickets werden zum immer begehrteren Gut. Unterdessen wirft die Verlosung fürs Champions-League-Finale Fragen auf.

 Hat Vitamin B(ayern) geholfen? 

Verlosung der Tickets fürs CL-Finale wirft Fragen auf

München - Die Verlosung der Tickets für das Champions-League-Finale wirft im Nachhinein Fragen auf. Wie viele Karten des Vereinskontingents hat der FC Bayern an die Fans weitergegeben? 

Vor einem Jahr war Ausnahmezustand: Ein Spiel des FC Bayern stand an, mit allen Stars und mit weiteren namhaften Akteuren auf der Gegenseite – doch es waren genügend Tickets da. Eine halbe Woche nach dem Champions League Dahoam-Finale traten die Münchner in der Allianz Arena gegen die niederländische Nationalmannschaft an. Das Spiel hatte man vereinbart, um die Streitigkeiten über eine schwere Verletzung von Arjen Robben während der WM 2010 beizulegen. Doch den Fans erschloss sich der Sinn dieser Veranstaltung nicht, früh zeichnete sich ab, dass der FC Bayern nicht in einem vollen Stadion spielen würde. Die Eintrittskarten wurden sogar über das Rabattportal Groupon angeboten – eine Einmaligkeit. Es kamen 33.000 Zuschauer.

Sonst meldet der FC Bayern immer ausverkauft. Seit die Allianz Arena bespielt wird (Saison 2005/06) und mit der Heim-WM ein neuer Boom übers Land gekommen ist, kann Stadionsprecher Stephan Lehmann in jeder zweiten Halbzeit „wieder rrrrestlos ausverkauft“ melden – wobei die Kapazität bei Bundesligapartien mittlerweile auf 71.000 Plätze (zuvor: 69.000) erhöht wurde. Sogar Pokalheimspiele gegen Zweitligisten und Vorrundenpartien der Champions League gehen bestens. Im Olympiastadion, wetteranfällig, unkomfortabel, weitläufig, gab es nur zu besonderen Anlässen eine volle Bude.

Auswärts zogen die Bayern immer schon. Längst tun sie es auch bei Freundschaftsspielen. Eine Karte für ein Bayern-Spiel zu bekommen – schwerer denn je. Nächste Saison wird der Andrang in Folge der Triple-Euphorie noch stärker sein, bis auf Hoffenheim sind alle Heimspiele ausgebucht, es liegen Bestellungen von zwischen 80.000 und 140.000 vor.

Heynckes und Co.: Eintrag ins Goldene Buch der Stadt München

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Besonders dramatisch wird’s, wenn Endspiele anstehen und die Bayern nur auf ein beschränktes Kontingent Zugriff haben. Wie jüngst geschehen beim Finale der Champions League in London. Dafür wurden dem Finalisten FC Bayern 25 000 Karten zugeteilt. „Wir hatten 500 000 Anfragen“, sagt Bayern-Pressesprecher Markus Hörwick, „und wir haben einen möglichst gerechten Weg gefunden, um sie zu verteilen.“ Nur Mitglieder – wovon der FC Bayern fast 200 000 hat – und die 3000 registrierten Fan-Clubs konnten überhaupt eine Bestellung einreichen. „Ticket-Verlosung unter notarieller Begleitung“ kündigte der FC Bayern auf seiner Homepage an. Und weiter: „Alle Eintrittskarten werden, nach Abzug der vertraglich fixierten Kontingente, unter Begleitung von Prof. Dr. Dieter Mayer (Notar und Vorsitzender des Ehrenrats) verlost. . . Die Zuteilungsquote liegt bei rund 10 Prozent, d.h. von 10 Bestellungen müssen 9 leider abgesagt werden.“

Viele Mitglieder haben wie erwartet nicht das Glück gehabt, dass sie ausgelost wurden und eine der Karten (Preis 72 bis 396 Euro) kaufen konnten. Mancher hat sich dann aber gewundert, dass er Leute kannte, die zu Tickets gelangt waren, ohne an der Verlosung teilgenommen zu haben.

Unserer Zeitung sind einige Fälle bekannt: Der Fanclub, dem schon vor der Verlosung beschieden wurde, dass er acht Karten für London bekomme; der ehemalige Praktikant der FC Bayern-Geschäftsstelle; der junge Mann, dessen Cousin im Trainerstab arbeitet und der erfuhr, dass jeder Trainer pauschal zehn Tickets zur freien Verfügung bekommen habe; der nächste, der über die HypoVereinsbank, einen der Bayern-Sponsoren, an eine Karte kam. Sogar der Skicrosser Simon Stickl, der mit dem FC Bayern wenig zu tun hat, hatte die Möglichkeit, das große Event in Wembley mitzuerleben. Half Vitamin B? B wie Beziehung, wie Bayern?

Der Punkt ist – und wir haben nachgehakt: Wie viele Karten sind beim FC Bayern tatsächlich in die Verlosung gegangen?

Professor Mayer, der Notar, sagt: „Ich kann versichern, dass bei der Verlosung alles ordnungsgemäß verlaufen ist. Wenn ein Notar eingeschaltet ist, dann ist das nicht zur Gaudi.“ Da es sich um ein „Beurkundungsverfahren“ handle und „das Protokoll darüber der Schweigepflicht unterliegt“, könne er nicht alle Fragen beantworten, sagt Mayer. „Es war keine notarielle Überwachung, ich habe da also nicht übernachtet. Doch ich habe mich mehrfach informiert, ob die Kriterien erfüllt sind und der Zufallsgenerator funktioniert. Es ging ja über mehrere Tage und Computer.“ Was er aber nicht sagen könne, ist, wie viele Karten verlost wurden: „Sie zu zählen ist nicht mein Aufgabengebiet. Dass die Bayern Karten weggenommen haben, das ist ja klar.“

Was diese Kontingentierungen betrifft, verweist er auf die FC Bayern München AG. Auch die bekam von unserer Zeitung einen Fragenkatalog – auf den sie trotz zweimaliger Fristsetzung nicht reagierte. Erst auf mündliche Nachfrage äußerte sich Pressesprecher Hörwick: Es sei „eine Selbstverständlichkeit, dass ein Manuel Neuer und ein Bastian Schweinsteiger Karten für ihre Familien bekommen“, und auch, dass man Sponsoren habe bedienen müssen.

Der FC Bayern hat drei „Main Sponsoren“ (Kategorie Telekom), 10 „Premium Partner“ (Kategorie Allianz), 17 „Classic Partner“ (etwa Fitness First), er beschäftigt laut Jahrbuch 273 festangestellte Mitarbeiter, von denen die meisten auch die Möglichkeit hatten, beim Champions League-Triumph in London dabei zu sein. Man kann erahnen, wie viele Tickets nicht in die Verlosung kamen. Bei weitem kann es keine 25.000 gegeben haben – wie der FC Bayern es seinen Mitgliedern gegenüber kommunizierte.

Der FC Bayern reagierte empört auf die Anfrage („Wir lassen uns von niemandem vorführen und auf die Finger schauen“), Pressesprecher Hörwick interpretiert sie gar als Gemeinheit „gegenüber unseren 30 Mitarbeitern im Ticketing, die zwei Wochen Tag und Nacht gearbeitet haben“. Die entscheidende Frage, wie viele der 25.000 Tickets tatsächlich verlost wurden, lässt der FC Bayern unbeantwortet. Keine Antwort kann auch eine Antwort sein.

Von Julia Pawlovsky und Günter Klein

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