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Völler: „Kroos wird bei uns noch besser“

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„Wir würden nicht kämpfen, wenn er nicht bleiben wollen würde“: Völler über Kroos © getty

München - Sportchef Rudi Völler spricht im Exklusiv-Interview über die Bayern-Leihgabe Toni Kroos, die Kritik an Nationaltorwart Rene Adler und Leverkusens neue Stabilität.

Der FC Bayern hält Schalke 04 für den härteren Konkurrenten im Titelrennen – dabei hat sich Leverkusen mit einem 4:2 über den Hamburger SV zurückgemeldet. Die Bayer-Elf sollte man im Auge behalten. Nicht zuletzt, um die Entwicklung von Toni Kroos zu verfolgen. Im Gespräch mit dem Münchner Merkur spricht Leverkusenes Sportchef Rudi Völler über die Münchner Leihgabe und den Meisterschaftsendspurt.

Herr Völler, nach dem Ende der Leverkusener Siegesserie in Nürnberg dachte Fußball-Deutschland: Typisch – jetzt bricht Bayer ein. Mit dem 4:2 über Hamburg zeigte die Mannschaft aber eine beeindruckende Reaktion. Wie groß war Ihre Erleichterung?

Ach, wissen Sie, wir waren da nicht so angespannt wegen der Niederlage in Nürnberg. Wir wussten ja immer, dass unsere Serie nicht ewig halten kann – irgendwann verlierst du mal. Und dass man mal ein schwächeres Spiel dabei hat, ist legitim. Hatten wir in der Hinrunde auch ein paar, nur dass die nicht verloren gegangen sind. Und immer hat die Mannschaft gut reagiert. Genauso auch jetzt gegen den HSV. Das Wichtigste war, dass wir einen Konkurrenten auf zehn Punkte distanziert haben. Wir sind wesentlich stabiler als früher. Siege kann man nicht garantieren. Aber immer eine Top-Einstellung. Deshalb lassen wir uns diese Saison nicht groß irritieren.

„Deutschland hat eine starke Nr. 1“

Bayern sieht in Schalke den härteren Widersacher im Titelkampf – ärgert Sie diese Herabstufung?

Nein, gar nicht. Das ist doch okay. Jeder hat seine Meinung. Wir sind unaufgeregt mit der Tabellenführung umgegangen, und wir gehen unaufgeregt mit der jetzigen Situation um. Unser Ziel ist die Champions League. Und wir werden alles dransetzen, es Bayern und Schalke so schwer wie möglich zu machen, sich vorne abzusetzen.

Franz Beckenbauer sagt, Felix Magath sei der deutsche Trainer schlechthin – sind Sie vom Schalker auch so beeindruckt?

Also, ich hätte Schalke noch vor ein paar Wochen jedenfalls nicht diese Rolle zugetraut. Die spielen aus einer kompakten Defensive, das ist gefährlich. Felix macht das wirklich sehr gut. Aber wenn man darüber redet, was Trainer aus Teams herausholen, wird mir persönlich das immer zu sehr an der Tabellenspitze festgezurrt. Wenn man sieht, was Thomas Tuchel in Mainz leistet – das ist sensationell. Da dachte man, wenn Jürgen Klopp weg ist, schaut es schlecht aus – und jetzt spielen die die beste Saison ihrer Vereinsgeschichte. Toll.

Fußball auf der Konsole: Erkennen Sie die Stars?

Parallel zu Tuchel rückte Jupp Heynckes aus dem Nichts in den Fokus. Nach langer Pause und dem Vier-Wochen-Job letzte Saison in München wirkt er wie ein alter Hase mit dem Elan eines Jungspunds.

Genau so ist es. Jupp Heynckes ist ein Glücksfall für uns. Er ist ein großer Trainer und hat ein phänomenales Gespür im Umgang mit jungen Spielern. Er lebt diese Gelassenheit vor, die uns momentan auszeichnet. Bei uns kommt keine Chaos-Stimmung auf. Vor der Saison wollten wir Fünfter werden, jetzt haben wir das Ziel auf die Champions League hochgeschraubt. Wenn am Ende mehr herausspringt, wären wir bescheuert, Nein zu sagen. Heynckes’ Anteil ist einfach enorm.

Wer ist nun Ihr Favorit im Titel-Dreikampf?

Ganz klar der FC Bayern. Wie die jetzt das Spiel gegen Freiburg noch gedreht haben – sehen Sie: wir verlieren so ein Spiel unter Umständen noch, so wie neulich in Nürnberg. Die Bayern haben mit Abstand die größten finanziellen Möglichkeiten, das haben sie sich erarbeitet und verdient, das ist in Ordnung. Jetzt können sie sich Spieler leisten, die sonst fast nur englische Top-Klubs bezahlen können. Die Bayern haben sich da schon ein großes Stück vom Rest der Bundesliga entfernt. Eigentlich ist es überraschend, dass sie nur zwei Punkte Vorsprung haben. Aber sie hätten schon letzte Saison mit zehn Punkten Abstand Meister werden müssen – und das zeigt uns auch: Der Rest der Bundesliga ist trotz allem nicht chancenlos.

Am Freitag ist die Auslosung des Viertelfinals der Champions League. Was trauen Sie den Bayern zu?

In meinen Augen sind sie schon diese Saison in der Lage, die Champions League zu gewinnen. Ich fand die Art, wie sie in dieser Saison mit Ausnahme von den Spielen gegen Bordeaux international aufgetreten sind, sehr beeindruckend. Natürlich ist Barcelona noch namhafter besetzt, aber an einem guten Tag ist für diese Bayern alles drin. Die Kluft zu Europas Top-Klubs ist kleiner geworden.

„Kießling ist der beste deutsche Stürmer“

Beim Blick auf die internationale Bühne wird Ihr Torwart künftig verstärkt im Fokus stehen. Beckenbauer findet, seitdem Rene Adler die deutsche Nr. 1 ist, reiht er Fehler an Fehler. Muss man sich Sorgen machen für die WM?

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Rudi Völler (49) will Bayern und Schalke so lange wie möglich ärgern. © dpa

Nein. Kritik gehört zum Geschäft. Als deutsche Nr. 1 wirst du aufmerksamer beäugt. Damit muss er sich anfreunden. Rene packt das, davon bin ich felsenfest überzeugt. Er und Manuel Neuer sind die absoluten Top-Männer in Deutschland, und ich finde es wichtig, dass er in seinem Spiel auch mal etwas riskiert. Er lässt sich davon auch nicht abbringen, und das soll er auch nicht. Ich mache mir keine Sorgen – Deutschland wird bei der WM in Adler eine starke Nr. 1 im Tor haben. Dass er mit Druck-Situationen ideal umgehen kann, hat er schon oft bewiesen.

Adler ist sicher dabei in Südafrika – und Stefan Kießling auch? Leverkusens Stürmer ist der Top-Angreifer der Liga, doch bei Joachim Löw stehen Klose, Gomez, Podolski und Cacau hoch im Kurs.

Kießling ist für mich sicherer WM-Fahrer. Natürlich stehen noch einige auf der Kippe – er aber nicht. Stefan steht nicht zur Diskussion. Wenn man allein gesehen hat, wie er jetzt gegen Hamburg 90 Minuten geackert hat – sensationell. Er erarbeitet sich selber Tore, ebenso seinen Kollegen. Seine Art des Stürmer-Spiels ist derzeit einzigartig in der Liga.

Ist Kießling aktuell der beste deutsche Stürmer?

Ja. Nur darf man sich darauf nicht ausruhen. Das macht er aber auch nicht. Das Stürmergeschäft ist gern mal Tagesgeschäft. Cacau hat kürzlich in einer Woche sieben Tore geschossen, aber Stürmer sollte man über eine ganze Saison bewerten. Und da hat Stefan eine einzigartige Bilanz.

Eine tolle Entwicklung hat auch Toni Kroos genommen. Leverkusen will kämpfen, dass die Leihgabe im Sommer nicht zu den Bayern zurück muss. Wie groß sind die Chancen?

Im Grunde ist in dieser Sache die Faktenlage klar: Der FC Bayern hat mit Toni Kroos einen Vertrag, der ab Sommer wieder greift. Der FC Bayern hat da das letzte Wort. Aber die paar Prozente, die wir bei der Angelegenheit mitreden können, wollen wir nutzen. Wir werden alles dafür tun, dass Toni bei uns bleibt.

Was sagt der Spieler?

Toni würde gerne noch bei uns bleiben. Ob jetzt weiter als Leihgabe oder ob wir ihn kaufen, ist zunächst Nebensache. Aber es ist doch klar, dass wir gar nicht groß diskutieren würden, wenn Toni nicht bei uns bleiben wollen würde. Dann würde es ja keinen Sinn machen. Ich denke auch, Toni Kroos wird noch besser, wenn er mindestens noch ein Jahr hier bliebe. Aber wir werden da keine massive Einflussnahme auf ihn ausüben. Am Ende muss das Toni Kroos ja doch mit dem FC Bayern klären.

„Wir sind dem FC Bayern dankbar“

Aber einen Spieler gegen seinen Willen zu transferieren, ist nicht ratsam.

Ja, aber wir hatten einen ähnlichen Fall mit Stefan Reinartz. Den hatten wir Nürnberg geliehen, und Sportchef Martin Bader hat uns bekniet, dass wir ihn noch eine Saison länger da lassen sollen. Aber Jupp Heynckes und ich haben dem Jungen gesagt, dass er bei uns eine echte Chance hat. Er war selbst nicht so happy – aber jetzt spielt er eine riesige Saison. Es ist halt immer eine Frage der Perspektive.

Kann Kroos denn im hochkarätigen Bayern-Mittelfeld wirklich mitspielen?

Die Bayern wissen ja auch, was sie an Kroos haben. Da muss man keinen Hehl drausmachen. Wir hoffen einfach, dass wir uns noch einmal vernünftig zusammensetzen. Wir sind ja auch nicht beleidigt, wenn die Bayern den Toni am Ende wieder nehmen. Wir sind ja gar nicht in der Situation, dass wir uns dann ärgern müssten. Dafür war der ganze Deal einfach zu positiv für alle Beteiligten. Wenn Toni am Ende geht, hatten wir eineinhalb tolle Jahre mit ihm. Wir sind den Bayern dankbar. Die bekämen einen tollen Spieler zurück. Er hat sich hier einfach sehr stark entwickelt.

Die Bayern haben in David Alaba und Mehmet Ekici neue Top-Talente – wären Sie interessiert an weiteren Leihgeschäften?

Das müsste man dann mal sehen. Aber das ist ja immer positionsbezogen. Und wir sind jetzt nicht Bayer 04 Leverkusen, der Ausbildungsverein. Wir haben bereits eine starke Mannschaft, die man in unserem finanziellen Rahmen allenfalls noch auf ein, zwei Positionen verbessern kann.

Interview: Andreas Werner

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