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„Diese Medaille ist eine Medaille für die Ewigkeit“: Behringer über ihr Olympia-Gold.

Bayern-Kapitän Melanie Behringer im Interview

„Dieses Leben ist ein Geschenk Gottes“

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Melanie Behringer spricht im Interview über ihr tiefes Vertrauen in Jesus, den Quantensprung des Frauen-Teams des FC Bayern und warum sie ihre Goldmedaille von den Olympischen Spielen in Rio zuhause auf die Küchenwaage legte.

München – Melanie Behringer (31) kann mit dem Jahr 2016 mehr als zufrieden sein: Sie verteidigte mit dem FC Bayern die Meisterschaft, gewann bei Olympia in Rio die Goldmedaille, wurde mit fünf Treffern beste Torschützin des Turniers und ist nun auch als Weltfußballerin Top-Kandidatin. Im Interview blickt sie zurück und erklärt, woher sie ihre Kraft nimmt.

-Frau Behringer, wie schwer fällt es Ihnen heuer, ein Highlight des Jahres 2016 herauszupicken? Ihr Jahr ist voller Highlights.

Ja, das stimmt. 2016 war sehr, sehr erfolgreich, mit Bayern und der Nationalelf. Letztlich ist der Olympiasieg aber das Ereignis, das alles überstrahlt.

-Was blieb von dem Ereignis am meisten haften?

Da sind so viele unbeschreibliche Momente. Für mich persönlich ging es schon mit meinem Elfmeter im Halbfinale gegen Kanada los. Als wir bei Abpfiff wussten, wir sind zum ersten Mal im olympischen Finale, habe ich noch auf dem Platz entschieden, dass ich nach dem Endspiel in der Nationalelf aufhören werde. Es war klar, dass dieses Spiel nie zu toppen sein wird. Für mich war dieses ganze Turnier einfach von A bis Z einzigartig.

-Haben Sie diesen Entschluss schon mal bereut?

Nein. Nie. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass ich es nie besser hätte beenden können. Ich hatte mir das schon vorher gut überlegt. Die EM und die WM zuvor sind für mich persönlich nicht optimal gewesen, da wollte ich nochmal sehen, wie ich dieses olympische Turnier bestreite. Ich wollte nie als Ersatzspielerin abtreten oder in einer Situation, dass ich gar nicht mehr nominiert werde. Ich will den Leuten in guter Erinnerung bleiben. Nach dem schweren Jahr 2013 war es für mich wichtig, noch einmal zurückzukommen und allen zu zeigen, dass ich es noch kann.

-Lassen Sie sich nach diesem ereignisreichen Jahr ein Tattoo stechen – ist ja verbreitet im Fußball?

(lacht) Auf keinen Fall. Ich würde nie einen Titel auf meinem Körper verewigen. Da bin ich nicht der Typ dafür.

-Sie sprachen das harte Jahr 2013 an – wie knapp war es, alles hinzuwerfen?

Sehr knapp. Bei der EM habe ich nur 20 Minuten gespielt, ich hatte Knieprobleme, die Zweifel waren groß. Ich bin sehr gläubig und sagte mir dann an einem Tag, ich probiere es jetzt nochmal über meinen Glauben, ich übergebe alles Jesus, und wenn er es nicht kann, soll es so sein. Ich hatte dann plötzlich eine innerliche Ruhe, und natürlich war dann auch der Wechsel zum FC Bayern der Schlüssel. Ab da lief alles wie im Traum, aber wenn ich meinen Glauben nicht hätte, hätte ich 2013 vermutlich aufgehört.

-Inwieweit hilft Ihnen Ihr Glaube denn konkret in so einer Situation bei Gedanken ans Karriereende?

Er gibt mir Halt und Kraft. Ich denke, ohne meinen Glauben wäre ich nicht da, wo ich gerade bin. Dieses Leben ist ein Geschenk Gottes. Für mich bedeutet der Glaube einfach Vertrauen. Ich kann es nur jedem empfehlen, gerade in schweren Momenten mal in der Bibel zu lesen. Wobei ich natürlich weiß, dass jeder seinen eigenen Weg hat. Aber mir persönlich hilft mein Glaube immer wieder enorm.

-Sie haben die Bibel auf allen Reisen dabei. Gibt es eine Stelle, die Sie immer wieder mal nachschlagen?

Es gibt da mehrere Passagen, aber Psalm 91 hat für mich eine spezielle Bedeutung. Da geht es um Schutz, wenn du Gott vertraust. „Meine Zuversicht, meine Burg“, heißt es da, und deshalb habe ich eigentlich nie Angst. Ich weiß, wenn dort oben jemand auf mich achtgibt, kann mir eigentlich nichts passieren.

-Beten Sie vor Spielen, etwa für einen Sieg – und was passiert, wenn beim Gegner auch jemand für einen Sieg betet?

(lacht) Dann hat der liebe Gott ein Problem. Aber im Ernst: Ich bete jeden Tag, ich bete auch vor Spielen. Aber konkret für einen Sieg zu beten, wäre der falsche Ansatz. Natürlich spreche ich das an, ich möchte ja gewinnen, das ist logisch, aber ich bete eher dafür, dass sich keiner verletzt und ich persönlich ein gutes Spiel abliefere.

-Im Leistungssport, auf dem Platz, kann man aber keine Heilige sein.

Nein, das geht nicht. Und nur weil man gläubig ist, kann man auf dem Platz jetzt nicht immer nur lieb sein. Man ist ja ein Mensch mit all seinen Emotionen. Schauen Sie Lucio an – der ist auch gläubig und war auf dem Platz knallhart. Ich bin sicher auch nicht immer die Liebste auf dem Platz, das gebe ich gerne zu. Gerade als Kapitän muss ich auch mal vorangehen, mich wehren im Sinne der Mannschaft, da besteht kein Widerspruch zum Glauben. Das ist wie in jedem anderen Beruf auch – jeder schießt mal über seine Grenzen hinaus, das ist ja menschlich. Es wäre albern zu sagen: Weil du gläubig bist, darfst du nicht foulen!

-Zumal man ja als Leistungssportler auch mal eigennützige Ziele verfolgt. Wie wichtig wäre es Ihnen, Anfang Januar Weltfußballerin zu werden?

Es ist schon mal eine Riesenehre, unter den Top 3 zu sein. Ich würde mich natürlich ungeheuer freuen, das wäre die Krönung des Jahres 2016.

-Stimmt es eigentlich, dass Sie die Goldmedaille von Rio gewogen haben?

Ja, das stimmt. Sie ist ungewöhnlich schwer, und wenn Freunde sie in Händen hatten, ging oft das große Rätselraten los. Einer schätzte, sie wiegt zwei Kilo. Da wollte ich das mal genau wissen . . .

-. . . und dann kam das gute Stück einfach zuhause auf die Küchenwaage?

(lacht) Ja, tatsächlich war das so. Klingt komisch, oder?

-Naja, Sie wollen die Medaille ja nicht einschmelzen oder so etwas.

(lacht) Nein, kein Gedanke! Diese Medaille ist eine Medaille für die Ewigkeit, nichts geht über dieses Erlebnis. Für mich steht sie sogar über dem WM- oder EM-Sieg.

-Schauen wir nach vorne: Wird der FC Bayern im Frauenbereich ein internationales Schwergewicht?

Ja, wir sind auf einem guten Weg. 2017 ziehen wir in das neue Leistungszentrum, das wird noch einen Schub geben. Natürlich ist noch viel Luft nach oben, aber wenn ich daran denke, wie es hier war, als ich vor acht Jahren das erste Mal für Bayern gespielt habe, ist da schon ein Quantensprung. Jetzt gehen wir in eine Saison und sagen: „Wir wollen alles gewinnen!“ Mia san mia einfach.

-Im Vergleich zum FC Bayern vor acht Jahren eine Wende um 180 Grad.

Sagen wir 90 Grad (lacht). Aber es stimmt, der Anspruch ist schon gewaltig gestiegen. Ich mag das persönlich, meine Einstellung war schon immer, dass ich alles gewinnen möchte. So ticken hier alle. Und ich bin sehr optimistisch, dass wir 2017 die Chance haben, alle Titel zu holen.

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