Sorgt hinter Kulissen für Gerüchte: Bayerns Lewandowski.
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Sorgt hinter Kulissen für Gerüchte: Bayerns Lewandowski.

Lewandowski wechselt Berater

Wechsel zu Neymars Berater

  • Andreas Werner
    vonAndreas Werner
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Robert Lewandowski soll künftig auf den berüchtigten Pinhas Zahavi vertrauen - das befeuert Gerüchte über einen Abschied vom FC Bayern. Real Madrid und Paris St. Germain sollen Millionen bieten

München – In der Führungsetage des FC Bayern ist die Sache klar: Robert Lewandowski wird nicht abgegeben. Da können noch so viele Millionen geboten werden – man hat sehr gutes Anschauungsmaterial seit letztem Sommer, als Borussia Dortmund Ousmane Dembele für einen astronomischen Betrag zum FC Barcelona entließ. Die Bayern haben da ganz genau zugeschaut, der Fall legte ja vieles offen, was in der gesamten Branche zunehmend schief läuft. Man wirft dem BVB gar nicht vor, schwach geworden zu sein. Dembele hatte sich ja unsauber bis zum Gehtnichtmehr verhalten, gestreikt und gebockt, es gab wenig Spielraum für Gegenmaßnahmen. Was die Münchner als größtes Problem an dem Deal ausgemacht haben ist, dass die Borussen danach zwar einen Haufen Geld, aber keinen Ersatz hatten. Und genau so sähe es bei Lewandowski aus.

Selbst für eine Fabelsumme – die wäre bei dem Stürmer irgendwo jenseits der 120 Millionen Euro-Marke anzusiedeln – stünde man ohne ihn dumm da. Knipser seines Formats sind eine Rarität, es gäbe im Grunde nur ein alternatives Szenario, heißt es an der Säbener Straße: Wenn Harry Kane aus Tottenham wegwolle, könne man über eine Erbfolge mit Lewandowski verhandeln. Doch da müsse man gar nicht erst anfragen, da ist man durchaus realistisch.

Für die Zuversicht, dass Lewandowski über den Sommer hinaus bleibt, gibt es einigen Faktoren, die bei normalen Umständen ziemlich optimistisch stimmen sollten: Es liegen keine Anfragen vor, dafür aber existiert ein bis 2021 gültiger Arbeitsvertrag, selbstverständlich ohne Klauseln und üppig dotiert, und, nicht zuletzt: auch bei dem unverwüstlichen Polen tickt die biologische Uhr. Im August wird er 30. Real Madrid plant im Sommer den großen Umbruch für die Ära nach Cristiano Ronaldo – ist da einer jenseits der „3“ eine ernsthafte Variante? Beim FC Bayern denken sie: eher nicht. Ob sie sich da mal nicht täuschen?

Lewandowski hat verinnerlicht, dass sein Körper sein Kapital ist. Bilder von seinen fast beispiellos durchtrainierte Muskeln sind auch in Spanien oder England oder Paris jederzeit analysierbar. Zudem haben sich die normalen Umstände plötzlich in ganz und gar nicht mehr normale verwandelt. Mehrere polnische Medien berichten, Lewandowski habe sich nach zehn Jahren von seinem Berater Cezary Kucharski getrennt und werde nun außer von Maik Barthel von Pinhas Zahavi vertreten. So ein Wechsel hinter den Kulissen ist gewöhnlich eher nur Insidern eine Notiz wert. In dem Fall aber ist es ein Wechsel, der Schlagzeilen provoziert. Zahavi ist in der Branche seit vielen Jahren als der wohl am besten vernetzte Strippenzieher berüchtigt. Er führte einst Roman Abramowitsch und Chelsea zusammen, was mit ein paar Jahren Verzögerung die heutigen Verhältnisse einleitete. Und im Sommer galt er als der Mann, der bei Neymars Transfer von Barcelona nach Paris die entscheidende Rolle spielte. 222 Millionen Euro flossen damals bekanntlich. Der 74-Jährige weiß, wie man große Deals abwickelt. Wenn sich einer wie Lewandowski trotz eines noch lange laufenden Vertrags so einem Berater anschließt, befeuert das unweigerlich Gerüchte.

Zahavi knüpfte seine ersten Kontakte als Reporter bei der WM 1974 in Deutschland. Er verdiene vermutlich mehr als jeder Profi oder Trainer im englischen Fußball, so der „Guardian“ mal über ihn. Eine Anekdote aus den Anfängen der 2000er lautet, dass er bei einer Tasse Tee mit dem damaligen Chef der Premier League sagte, er sei kein Spielerberater, der Titel sei überholt. „Ich bin kein Berater mehr. Ich besitze die Spieler. Das ist die Zukunft.“

Petr Cech, Didier Drogba, Michel Essien, Rio Ferdinand, Gonzalo Higuain, Zlatan Ibrahimovic, Xavi, Carlos Tevez vertrauten ihm unter anderem. Er freue sich, „dass sich Robert für die Zusammenarbeit mit mir entschieden hat“, wurde er gestern in polnischen Portalen zitiert. „Er ist ein großartiger Fußballer“, es sei kein Wunder, dass die größten Klubs an ihm interessiert seien. Zu den Gerüchten über einen Real-Wechsel sagte er: „Wir werden sehen. Es ist Zeit, dass ich jetzt meinen Job machen muss.“ Angeblich bietet auch Paris 160 Millionen Euro.

Noch sehen die Bayern Abwerbungsversuchen gelassen entgegen. Und sie werden alles tun, um nicht auch bald Anschauungsmaterial zu liefern, wie man klein beigibt.

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