Drei potenzielle Sechser – doch lediglich Andreas Ottl (l.) kommt derzeit auf seiner Position zum Zug. Schweinsteiger und Gustavo sind anderweitig gefragt.

Wer wird der neue Mark van Bommel?

München - Mark van Bommel ist weg - und beim FC Bayern wird die Hierarchie neu geordnet. Und es wird jemand gesucht, der das defensive Mittelfeld besetzt. Louis van Gaal hat noch keine Lösung gefunden.

Das Spiel am Samstag in Bremen dauerte für Bastian Schweinsteiger nur 69 Minuten - ungewöhnlich kurz für einen wie ihn. „Der Schiedsrichter hatte zu ihm gesagt, dass er beim nächsten Foul die Gelbe Karte bekommen würde“, erläuterte Bayern-Trainer Louis van Gaal. Die zweite Gelbe Karte, sie wäre gleich Gelb-Rot gewesen. „Hinterher hat Schweinsteiger zu mir gesagt: ,Trainer, das war ein guter Wechsel.’“

Glücklich wirkte Bastian Schweinsteiger dennoch nicht. Vielleicht lag es daran, dass er erneut nicht auf seiner bevorzugten Position hatte spielen dürfen. „Ich sehe mich weiterhin auf der ,6’ oder der ,8’, mir ist es am liebsten, wenn ich das Spiel vor mir habe. Und es ist so vereinbart, dass ich dorthin zurückkehre“, hatte er im Wintertrainingslager in Doha gesagt. Doch im bisherigen Verlauf der Rückrunde musste Schweinsteiger seine Aushilfstätigkeit auf der „10“ fortsetzen (wo er schon in der Saison 2006/07 von Felix Magath getestet worden war und nicht bestanden hatte). Dass er voriges Jahr unter van Gaal endlich an der defensiven Schaltstelle hatte agieren können, war als die entscheidende Maßnahme in seiner Karriere dargestellt worden.

Mark van Bommel: Seine größten Ausraster

Mark van Bommel: Seine größten Ausraster

Mark van Bommel: Seine größten Ausraster

Bastian Schweinsteiger und Mark van Bommel als die Doppel-Sechs - das war 2009/10 die Identität des FC Bayern. Kapitän van Bommel ist seit letzter Woche Vergangenheit, Schweinsteiger seit Monaten in einer anderen Rolle gefragt - darum hat das Team derzeit keine Sechser-Identität. Beim 4:0-Pokalsieg in Aachen und dem 3:1-Erfolg in Bremen war die Besetzung unprominent: mit Andreas Ottl und Danijel Pranjic. Keiner von beiden ließ sich etwas zuschulden kommen, Ottl kämpfte redlich und schoss gefährlich, Pranjic bereitete das Tor zum 1:1 vor. Doch kann man mit diesem Duo auch ins Champions League-Achtelfinale gegen Inter Mailand gehen?

Das Angebot an Sechsern ist umfassend, wegen der dichten Konkurrenz, die van Gaal ihm aufgezeigt hat, ist Mark van Bommel auch gegangen. Der Trainer benennt sechs Spieler, die Sechser sein können. Neben Schweinsteiger, Ottl und Pranjic sind es Anatoli Timoschtschuk, Toni Kroos und Luiz Gustavo.

Doch einige der Anwärter müssen derzeit an anderer Stelle ran. Schweinsteiger muss auf der „10“ wirken, weil der für diese Stelle am besten taugliche Thomas Müller den verletzten Franck Ribery als Außenspieler zu ersetzen hat (und in der Hinrunde war es Robben, der fehlte). Anatoli Timoschtschuk ist in der Innenverteidigung sesshaft geworden. Van Gaal wollte auf Breno setzen, „weil er uns die Schnelligkeit gibt, die wir brauchen, wenn die Verteidiger weit weg vom eigenen Tor sind“, doch nach dem 1:1 in Wolfsburg war der Brasilianer wieder aus der ersten Elf. Luiz Gustavo, der 15 bis 17 Millionen schwere Neuzugang, hat in Hoffenheim einen vorzüglichen Sechser gegeben, aber van Gaal verweist darauf, „dass Gustavo multifunktional ist. Für mich ist er ein linker defensiver Mittelfeldspieler, ein linker Innen- und ein linker Außenverteidiger.“ Gegen Kaiserslautern (5:1) kam Luiz Gustavo im Mittelfeld nicht zurecht, der Trainer versetzte ihn auf die linke Abwehrseite - im Tausch mit dem Kroaten Pranjic. Mittlerweile hat sich Gustavo gut in die Verteidigungs-Viererkette eingefügt, setzt auch nach vorne Akzente - wie mit seiner Vorbereitung des 1:0 in Aachen (Gomez). „So eine Flanke“, lobte ARD-Experte Mehmet Scholl, „habe ich lange nicht mehr gesehen“.

Sechster Sechser-Aspirant ist der derzeit verletzte (Stressreaktion im Mittelfuß) Toni Kroos. Der ehemaligen Leverkusen-Leihgabe hatte van Gaal zugesagt, er würde ihn hinter der Spitze agieren lassen, doch das Supertalent wirkte dort bisweilen uninspiriert. Vor der Winterpause testete der Trainer Kroos nach weiter hinten - und das stellte ihn zufrieden.

Nachdem man allmählich weiß, wie van Gaal tickt, erscheint die Lösung mit Schweinsteiger/Kroos als die, die er anstrebt. So bald wie möglich.

Nur: Wann die Umstände das zu lassen, das ist eben die Frage.

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