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Wolfram Wuttke vergangenen November in seiner Wohnung in Selm

Wuttke: Die Wahrheit über Heynckes' Spitzname "Osram"

Köln/Selm - Reizfigur Wolfram Wuttke hat einiges richtigzustellen. Der 51-Jährige verrät die Wahrheit über Jupp Heynckes' Spitznamen und über eine Ins-Bett-pinkel-Legende.

Es gibt kaum eine Auflistung von Reizfiguren der vergangenen Fußball-Jahrzehnte, in denen Wolfram Wuttke fehlt. Der 51-Jährige war im Umgang nie einfach, deswegen ist ihm nach seiner aktiven Laufbahn eine große Karriere als Trainer verwehrt geblieben. Zuletzt arbeitete er 2008 beim Oberligisten TSV Crailsheim.

Doch bei Interviews ist er ab und an immer noch gefragt. Schließlich gibt es so manche Legende aufzuarbeiten und richtigzustellen. Via 11 Freunde klärt er nun jene Geschichte auf, er habe seinem ehemaligen Jugendnationaltrainer Dietrich Weise einst ins Bett gepinkelt. "Der Weise war ein ganz spezieller Typ, der holte beim Training seine uralten DDR-Methoden raus und achtete tunlichst darauf, dass wir keine Cola trinken", erinnert sich Wuttke. "Einmal sahen Matthias Hönerbach (einer seiner Mitspieler, Anm. d. Red.) und ich, dass seine Tür offen steht, wir füllten einen Putzeimer mit Wasser und schlichen in sein Zimmer. Dann kippten wir es in sein Bett. Ein dummer Jungenstreich, mehr nicht."

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Weise ist nicht der einzige Coach, mit dem der viermalige Nationalspieler Wuttke noch heute schlechte Erinnerungen verbindet. Auch an Jupp Heynckes, Anfang der Achtziger-Jahre sein Coach in Mönchengladbach, lässt er kein gutes Haar. "Heynckes war damals ein introvertierter Pedant, der achtete auf jede Kleinigkeit und hatte seine Augen überall. Er fand heraus, wenn wir rauchten, er wusste, wie viele Biere wir am Wochenende getrunken hatten. Ein Feldmarschall."

Wuttke öffnet das Nähkästchen und kommt über Heynckes ins Plaudern. "Einmal brachte ich 74,2 Kilo auf die Waage, und er forderte, dass ich bis zum nächsten Spiel zwei Kilo abnehmen müsste. Am Freitag wog er mich erneut, ich hatte immer noch 600 Gramm zu viel. Heynckes' Kopf lief rot an, er verdonnerte mich zu einer Geldstrafe von 100 Mark pro 100 Gramm."

Heynckes' roter Kopf brachte ihm in den Achtzigern den Spitznamen "Osram" ein. Wuttke ging als Erfinder in die Fußballgeschichte ein. Doch jetzt stellt der 51-Jährige klar: Er hat sich diesen Namen gar nicht ausgedacht - sondern war nur der Dumme, der ihn ausplauderte. "Den hatte er längst weg", erklärt Wuttke. "Allerdings war das eine interne Sache. Ich war nur wieder der Dumme, dem das neben einem Journalisten rausgerutscht ist. Ich sah seinen hochroten Kopf aus der Ferne und sagte mehr zu mir selbst: 'Der glüht ja wieder wie 'ne Osram-Birne'. Am nächsten Tag stand es in der Zeitung." Wuttke erinnert sich, dass Heynckes gar nicht auf die Affäre reagiert habe. "Das hat mich wahnsinnig gemacht."

Wo wir gerade bei Seitenhieben waren: in dem Interview mit 11 Freunde hat Wuttke nicht nur für den heutigen Bayern-Trainer Heynckes bissige Bemerkungen übrig, sondern auch für Stefan Effenberg. Denn Effes Schriftsteller-Ausflug ("Ich hab's allen gezeigt", seine Autobiographie, Anm. d. Red.) sorgte dafür, dass Wuttke die Pläne für eine eigene Biographie begraben hat. "Vor einigen Jahren sah ich im Supermarkt auf einem Grabbeltisch den Schinken von Stefan Effenberg für 4,95 Euro liegen. Ich dachte nur: Ein Glück hast du dein Buch nie geschrieben. Auf so einem Tisch hätte ich nicht landen wollen."

al.

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