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Xabi Alonso sagte in Madrid am Freitag „adios“ – und flog mit Bayern nach Schalke.

Alles beherrschendes Thema

Xabi Alonso: Einer für die Logistik

München - Unter normalen Umständen hätte ein Spiel gegen Schalke 04 die Schlagzeilen bestimmt. Pep Guardiola aber hatte am Freitag die Zeitungen studiert – und sagt: „Von Schalke 04 habe ich nichts gelesen.“

Das alles beherrschende Thema beim FC Bayern ist und bleibt die Verpflichtung von Xabi Alonso.

Um die Logistik kümmert sich beim Rekordmeister nicht der Trainer. „Ich weiß es nicht“, sagte Pep Guardiola am Freitag und zuckte heftig, und, ja, auch ein bisschen genervt mit den Schultern. Er war gefragt worden, ob Xabi Alonso, der wenige Minuten vor dem Start der Pressekonferenz in München in Madrid seine Abschiedsworte gesprochen hatte, direkt aus der spanischen Hauptstadt zu seinem ersten Spiel im Bayern-Trikot am heutigen Samstag bei Schalke 04 fliegt. Guardiola aber interessierte das auch gar nicht so sehr. Viel wichtiger waren die Fakten: Die Verpflichtung von Xabi Alonso für die kommenden beiden Jahre ist seit Freitagvormittag perfekt, der spanische Superstar sofort spielberechtigt – nur das zählt.

Die letzten Tage waren turbulent, für Xabi Alonso, aber auch für den Klub. Seitdem am Mittwoch zum ersten Mal über den Transfercoup gesprochen wurde, gab es kaum eine ruhige Minute. Die Verpflichtung von Mehdi Benatia („ein schneller Verteidiger in einem super Fußball-Alter“), die Champions League-Auslosung, Manuel Neuers und Arjen Robbens verlorene Wahl zu Europas Fußballer des Jahres, Robbens drohender Ausfall gegen Schalke 04 – all das interessierte nicht mehr. „Wir haben das getan, weil wir einen Spieler mit dieser Qualität brauchen“, sagte Guardiola. Und geriet ins Schwärmen.

„Er ist ein großes Talent, er hatte große Erfolge, er ist eine große Persönlichkeit“, führte er fort. Die Entscheidung zu diesem unerwarteten Schritt kurz vor dem Ende der Transferperiode habe Guardiola gemeinsam mit Karl-Heinz Rummenigge, Matthias Sammer und Michael Reschke getroffen: „Wir alle sind überzeugt, dass er das Beste für diesen Verein ist“ – ob nun 32 Jahre alt oder nicht. „Schauen Sie sich sein Passspiel an, sein Auge“, sagte Guardiola: „Auf seiner Position brauchst du nicht Beine, sondern Köpfchen.“ Er tippte sich mit dem Zeigefinger an den Kopf.

Köpfchen, das hat der Mann, der Weltmeister und zweimaliger Europameister ist und letztes Jahr die Champions League gewann. Nach diesem Titel, sagte Xabi Alonso sichtlich gerührt in Madrid, „hatte ich den Eindruck, dass auch für mich ein neuer Zyklus beginnt“. Den Wechsel habe er gebraucht, „um mich neu zu motivieren“. Nun will er als Ideengeber die Lücke schließen, die die verletzten Javi Martinez, Thiago und Bastian Schweinsteiger hinterlassen. Am Donnerstag etwa hatte Guardiola mit Sebastian Rode, Gianluca Gaudino und Pierre-Emile Hojbjerg im Mittelfeld trainiert („mehr sind nicht da“). Und wenn alle fit sind, stellte er klar, „müssen sie kämpfen um ihren Platz. Fußball ist hier und jetzt“.

Kritik an diesem, seinem Transfer lässt Guardiola nicht gelten. Dass man Toni Kroos etwa hat ziehen lassen und nun Xabi Alonso verpflichtet, sei der Lauf der Dinge: „Wir haben um Toni gekämpft. Aber er hat sich gegen uns entschieden. Xabi hat sich für uns entschieden.“ Dass viele nach der Verpflichtung des fünften Spaniers spöttisch vom „FC Pep“ sprechen, sei unangebracht: „Wir sind hier, um den Bayern weiterzubringen – egal mit welcher Nationalität.“

Guardiola war gut vorbereitet worden auf seinen ersten Auftritt nach dem Coup. Man ist bei Bayern bemüht, wieder Ruhe einkehren zu lassen. Mit Blick auf die anstehenden Ereignisse – Debüt von Xabi Alonso, Vorstellung von Xabi Alonso, erstes Training von Xabi Alonso – wird das schwer. Der Trubel um ihn wird anhalten. Xabi Alonso ist Teil des FC Bayern, seit er am Freitagabend im Hotel in Essen zum Team gestoßen ist. Den Weg dorthin hatte er gefunden – um die Logistik kümmert er sich selbst. Auf und neben dem Platz.

Hanna Schmalenbach

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