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„Das war schlechter Stil der Liga“

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Von: Patrick Reichelt

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FC Bayern München - Löwen Braunschweig
Harte Bandagen: Für Lucic (l.) gehört das zum Geschäft. © dpa

Er war so etwas wie der Schatten-MVP der Bayern-Basketballer, doch Vladimir Lucic war nicht nur der vielleicht beste sondern auch der umstrittenste Spieler der Finals gegen Berlin. Was er selbst kaum nachvollziehen kann. .

Herr Lucic, in der Endphase der Saison haben Sie nicht unbedingt viele Freunde gewonnen.

In Berlin vielleicht, das mag sein. Ich glaube aber, dass es ein Fehler und schlechter Stil der Liga war, nach den strittigen Szenen im ersten Finale den sozialen Medien so viel Beachtung zu schenken. Dadurch ist unnötiger Druck entstanden. Und zwar vor allem auf die Schiedsrichter, die wirklich gut sind. Auf uns Spieler sicher auch, aber für mich war das nichts Besonderes: Ich bin mit den Derbys in Belgrad mit Partizan gegen Roter Stern aufgewachsen, wo die Fans immer gegen mich waren. Glauben sie mir, da war das hier harmlos.

Wobei es Leute gab, die Ihr Spiel „schmutzig“ nannten. Berührt sie das?

Also ich spiele jetzt mehr als ein Jahrzehnt und ich kenne keinen Basketballer, der schmutzig spielt. Ganz ehrlich, wer so etwas in die Welt setzt, kann nicht selbst gespielt haben und vergisst, dass ich auf 2,04 vielleicht 93 Kilo bringe. Und wenn du dann vom Gegner im Tempo hart getroffen wirst, die gemessen an der Größe mehr Gewicht und Muskeln haben - dann fliegst du halt. Ich würde schon von mir sagen, dass ich in meiner Karriere nie geschauspielert habe. Ich gehe hart ran, das ist alles. Das ist Profisport. Aber ich verstehe diese Aufregung auch nicht. Wir haben hart gearbeitet - kaum einer weiß, wie hart - und haben in der ganzen Saison nur drei Spiele verloren. Muss man über diese Meisterschaft diskutieren?

Als sie vor drei Jahren aus Valencia nach München kamen, haben Sie gesagt, Sie wollen mit dem Club wachsen. Sie scheinen vor allem mental stark wie nie.

Naja, gerade im Finale hat es ganz gut geklappt. Ich habe in den entscheidenden Phasen ein paar wichtige Würfe getroffen. Aber wahrscheinlich muss man im Kopf stark sein, wenn man mit drei Geschwistern aufgewachsen ist (lacht). Da muss man sich schon durchsetzen.

Wer war der härteste Gegner?

Mein älterer Bruder. Er ist auch Profi, im Moment in Bukarest. Von ihm habe ich definitiv am meisten profitiert. Er ist einer, der uns in nichts gewinnen lassen wollte, nicht nur im Basketball. Da entwickelst du eine Art Charakter. Aber ich habe in meiner Karriere auch Glück gehabt und habe immer bei Clube gespielt, für die es um Titel ging. Da entwickelst du dich auch.

Wie sehen Sie das Wachstum des Clubs in Ihren drei Jahren?

Der Klub hat nach 50 Jahren wieder den Pokal gewonnen, wurde Meister und wir haben diesen Titel nun zum ersten Mal in der Bundesliga verteidigt. In der Euroleague haben wir so viele Spiele gewonnen wie noch keine deutsche Mannschaft. Bayern bekommt eine A-Lizenz. Ich denke, das spricht für sich.

Sie kamen aus Valencia, aus der wohl besten Liga des Kontinents. Kann man Bayern heute mit dem vergleichen, was Sie in Valencia erlebt haben?

Schwer. In der spanischen Liga hast du es mit Real Madrid, Barcelona oder Baskonia zu tun. Mannschaften mit großem Budget, die seit langem einen festen Platz in der Euroleague haben. Und auch Valencia selbst, dort gibt es seit Langem eine große Begeisterung für den Basketball. Das kann man kaum vergleichen. Ich hatte mit Partizan, Valencia oder Bayern ja nur drei Vereine in meiner Karriere. Jeder ist speziell, und ich habe mich überall zuhause gefühlt.

Vergangene Woche haben Sie vor Fans den Threepeat mit der dritten Meisterschaft in Folge angekündigt. Das klingt nach Ihrem Verbleib ...

(lacht) Ich habe gesagt, dass es das Ziel des Clubs sein muss, jetzt den Threepeat zu holen, weil der Club das verdient. Und weil er in meinen Augen auch das Potenzial hat. Ich bin überzeugt, dass Bayern in ein paar Jahren zu den Topklubs gehört. Was meine Zukunft angeht - da wird die Entscheidung in den nächsten Tagen fallen. Wir setzen uns zusammen - und ich hoffe, wir finden einen Weg.

Sie haben aber auch lukrative Angebote von Euroleague-Clubs. Es geht um den vielleicht letzten großen Vertrag...

Aber mir geht es nie nur um eine Sache alleine wie das Geld. Geld spielt eine Rolle, aber auch die Stadt, der Club, der Trainerstab oder die Rolle, die man mir gibt. Aus diesen Dingen fälle ich dann eine Entscheidung.

Gibt es denn Ziele, die für Ihre Karriereplanung noch eine Rolle spielen?

Eigentlich nicht. Ich habe überall viel gewonnen, auch in der Nationalmannschaft. Wenn ich jetzt aufhören würde, wäre ich glücklich.

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