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Nihad Djedovic (li.) geht in die sechste Saison bei den Münchnern 

Nihad Djedovic über die neue Saison und Vereinstreue

FCB-Basketball-Urgestein warnt: „Der Spielkalender schadet uns“

Von 2007 bis 2013 spielte Nihad Djedovic (28) für sechs verschiedene Vereine in drei Ländern. Beim FC Bayern geht er 2018/19 in seine sechste Saison am Stück. Djedovic ist das letzte Überbleibsel des 2013-Meisterkader.

Herr Djedovic, ist die Vorbereitung die schlimmste Phase der Saison?

Djedovic (lacht): Unser Rhythmus besteht aus Arbeiten, Schlafen, Arbeiten und zwischendurch ein bisschen essen. Nach der Sommerpause ist es immer schwierig zurückzukommen, aber wir wissen, dass eine kräftezehrende Saison auf uns wartet – dafür brauchen wir einfach eine gute Physis.

Ihr langjähriger Zimmerpartner Anton Gavel fehlt, weil offen ist, ob er einen neuen Vertrag bekommt – wie macht sich das bemerkbar?

Djedovic: Momentan schlafen wir noch alleine, im Zimmer ist es mir also noch gar nicht aufgefallen! (lacht) Es ist nicht das erste Mal, dass ich meinen Zimmerkollegen wechsle, aber mit Anton hat es immer Spaß gemacht, er ist ein geiler Typ und enger Freund. Klar ist es schade, dass er nicht da ist, aber jetzt hat eine neue Vorbereitung mit neuen Spielern begonnen.

Ihr Vertrag wurde um ein Jahr verlängert – wäre das Double nicht die optimale Möglichkeit gewesen, nach fünf Jahren noch einmal etwas Neues zu probieren?

Djedovic: Das kam nie infrage! Für mich war klar, dass ich hier bleiben wollte. Mein Herz gehört hierher, ich habe sehr viel Liebe für diesen Verein und dieses Trikot. Ich bin hier aufgewachsen und weiß, was der FC Bayern bedeutet. Wenn du die Historie des Vereins kennst und dann die Chance bekommst, für diesen einen Verein zu spielen – das ist ein Traum, der wahr wird! Hoffentlich kann ich noch viele weitere Jahre bleiben.

Können Sie sich einen anderen Verein als den FC Bayern überhaupt vorstellen?

Djedovic: In unserem Geschäft kann das schnell gehen. Wir sind professionelle Sportler, da zählt nur Leistung.

Wollen oder müssen die Spieler so häufig ihre Vereine wechseln?

Djedovic (überlegt lange): Wahrscheinlich beides. Bleibt der Erfolg aus, dann musst du wechseln – viele Verantwortliche haben da keine Geduld. Durch die kurzen Verträge stehen die Spieler extrem unter Druck, bei 80 Prozent der Klubs bist du nach einer längeren Verletzung weg vom Fenster. Andererseits nutzen Spieler ihre Lage nach einer guten Saison aus, um mehr Geld zu fordern. Dadurch kommt es zu vielen Wechseln – ich hoffe, dass junge Spieler in mir diesbezüglich ein Vorbild sehen. Der FC Bayern bildet aber auch eine Ausnahme, hier wird man sehr loyal behandelt.

Zurück zum Sportlichen: Sie stehen dank der EuroLeague-Qualifikation vor einer zehnmonatigen Saison mit bestenfalls mehr als 80 Spielen.

Djedovic: Es ergibt wenig Sinn, so zu spielen. Man ist wochenlang fast jeden dritten Tag auf dem Parkett – dieser Kalender schadet dem Basketball und den Spielern, die sich zwangsläufig häufiger verletzen. Will man die Spieler soweit zerstören, dass sie nur bis 30 spielen können und dann am Stock gehen? Das kann nicht Ziel dieses Wettbewerbs sein! Man sollte sich an der NBA ein Vorbild nehmen, dort kann ein Dirk Nowitzki mit 40 Jahren noch spielen – hier wäre das nicht möglich.

Also keine Vorfreude?

Djedovic: Doch, doch, die herrscht natürlich schon. (lacht) Das ist ein sehr starker Wettbewerb, in dem jedes Spiel gut wird. Dass wir in den nächsten drei Jahren (dank einer Wildcard ab 19/20, d. Red.) in der EuroLeague vertreten sind, ist für den deutschen Basketball sehr, sehr gut. Ein Verein wie Bayern gehört dort aber auch hin!

Mitspieler nennen Sie Zlatan – was haben Sie mit Zlatan Ibrahimovic außer dem Aussehen gemeinsam?

Djedovic: Eigentlich nur, dass wir beide Wurzeln im Balken haben. Ehrlich gesagt nervt es ein wenig, dass sie mich so nennen. So extrovertiert wie er bin ich jedenfalls nicht!

Interview: Max Kramer

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