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„Aufgenommen, so wie ich bin“: Djedovic nahm mit Ehefrau Alma die Einbürgerungsurkunde von Innenminister Joachim Hermann entgegen.

Bayerns Topscorer im Interview

Djedovic : „München ist meine zweite Heimat“

München – Nihad Djedovic ist einer der Führungsfiguren bei den FC Bayern Basketballern. Im Interview spricht der Topscorer der Münchner über die Playoffs, seine Zukunft und die Einbürgerung.

Am Sonntag war Nihad Djedovic mal wieder treffsicherster Bayer – 21 Punkte steuerte er zum 70:68-Prestigesieg über ALBA Berlin bei. Am Montagmittag stand der 25-Jährige nun erneut im Blickpunkt. Aus den Händen des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann nahm er, begleitet von seiner Frau Alma seine Einbürgerungsurkunde entgegen.

„Es ist mir eine große Ehre, Herrn Djedovic als neuen Staatsbürger zu begrüßen. Dass er hervorragend integriert ist, hat er nicht nur mit seinen deutlich über dem Durchschnitt liegenden Sprachkenntnissen nachgewiesen“, sagte Herrmann, „Er beeindruckt mich vor allem durch sein vorbildliches Engagement als ehrenamtlicher Übungsleiter der Sportarbeitsgemeinschaften des FC Bayern Basketball.“

Für den deutschen Meister ist Djedovics Einbürgerung ein gewichtiges Pfund. Im Rahmen der geltenden 6 + 6 Regel dürfen deutsche Basketball-Teams nur sechs ausländische Profis gleichzeitig aufbieten – wie der Deutsch-Slowake Anton Gavel fällt Nihad Djedovic nun nicht mehr unter dieses Kontingent.

Auch gegen Berlin hat es für Sie lange nicht gut ausgesehen, und doch stand am Ende ein Sieg. Das dürfte guttun vor den Playoffs.

Djedovic: Jeder Sieg ist jetzt wichtig. Gut auszusehen in so einem Spiel ist schwer, wenn zwei Mannschaften hart spielen und verteidigen. Alba zeigt immer eine harte Defense, da gibt es wenige Körbe. Wir haben das Spiel nicht kontrolliert, aber wir haben sie eben auch nie weiter als rund zehn Punkte weggelassen - und dann mit unserem Willen und Teamgeist doch noch gewonnen. Ich hoffe, dass wir das auch in den Playoffs zeigen können. Wir müssen nicht unbedingt schön spielen, aber wir müssen den Sieg holen.

Sie selbst haben am Montag einen großen Moment erlebt. Sie haben den deutschen Pass bekommen. Was bedeutet das für sie?

Djedovic: Das ist ein sehr wichtiger Moment in meinem Leben. Ich habe mir das natürlich gut überlegt, doch für mich ist das ein logischer Schritt. Denn ich denke schon jetzt auch daran, wo ich vielleicht in zehn Jahren mit meiner Familie sein möchte. Auch deshalb habe ich mich dafür entschieden.

Wie ist das Verfahren gelaufen? Was haben Sie tun müssen?

Djedovic: Beim Papierkram hat mich zum Glück der Verein gut unterstützt, da muss ich mich bedanken. Aber wie jeder Anwärter musste ich natürlich meine Sprachkenntnisse nachweisen, dafür ein Zertifikat erhalten und auch einen Einbürgerungstest machen. Aber das war kein Problem. Ich habe ja als Kind mehr als sechs Jahre hier in München gelebt, also meine halbe Kindheit – ich habe mich ohnehin schon halb als Deutscher gefühlt. Ich kenne die Sprache, die Mentalität und komme hier gut klar.

Sie haben in ihrer Karriere ja schon einige andere Länder erlebt, Spanien, Italien, die Türkei – wäre ein anderes Land auch denkbar gewesen?

Djedovic: Ich hatte nirgends Probleme, mich zu integrieren. Ich bin es von klein auf gewohnt, den Wohnort zu wechseln. Wo immer ich gespielt habe, habe ich mich schnell eingewöhnt und auch die Sprache gelernt. In Deutschland war es jedoch besonders leicht, weil ich hier aufgewachsen bin.

Sie sind schon mit wenigen Monaten nach München gezogen. . .

Djedovic: Ja, das war 1990. Mein Vater hat hier eine Arbeit bekommen, es gab dann die Kriege. Viele Erinnerungen habe ich natürlich nicht mehr an München, aber vor allem weiß ich noch gut, dass wir hier viel Fußball gespielt haben. Ich habe das erste Schuljahr hier absolviert, mein älterer Bruder war sogar vier Jahre hier in der Schule, und mein jüngster wurde hier geboren. Meine Eltern sind aber 1997 wieder zurückgekehrt, nach dem Ende des Kriegs.

Was bedeutet für sie Heimat?

Djedovic: Bosnien wird immer Heimat für mich sein, denn dort leben meine Verwandten, dort kommen meine Eltern her, dort bin ich geboren, dort habe ich übrigens auch mit Basketball angefangen. Und ich genieße es nach wie vor sehr, im Sommer ein paar Wochen dort zu verbringen.

Kann Deutschland einen ähnlichen Stellenwert erreichen?

Djedovic: München ist meine zweite Heimat. Ich lebe hier, ich arbeite hier. Im September wird unser erstes Kind geboren, es wird hier in München zur Welt kommen. Ich habe mich in Deutschland integriert, und die Leute haben mich, so wie ich bin, aufgenommen. Dafür kann ich nur Danke sagen, auch meinem Klub, der immer zu mir gehalten hat, auch wenn ich verletzt war.

Was wird der zweite Pass nun für sie ändern?

Djedovic: Wir prüfen, ob ich wieder für die bosnische Nationalmannschaft spielen kann. In jedem Fall muss ich dort wohl ein Jahr pausieren. Ansonsten ändert sich für mich nicht viel. Für den Klub vielleicht etwas mehr, denn ich bin nun Deutscher, das ist sicherlich ein sehr großes Plus. Es ist ein gutes Gefühl, ich finde es super, dass ich dem FC Bayern damit jetzt auch etwas zurückgeben kann.

Auch ein Zeichen, dass sie langfristig hier planen?

Djedovic: Natürlich. Im Sport kann man zwar nie für ewig planen. Doch soweit es mir hier gut geht, möchte ich bleiben. Ich fühle mich perfekt in München, meine Frau auch. Es gibt keinen Grund, hier wegzugehen.

Interview: Patrick Reichelt

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