Erfolgstrainer im Exklusiv-Interview

Ex-FCB-Coach: „Das Ansehen des FC Bayern in Europa ist exzellent“

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Barcelona-Trainer Svetislav Pesic spricht mit uns über den verrückten Transfersommer der Euroleague-Teams, seinen Ex-Klub FC Bayern Baskets und die anstehende WM 2019 in China.

München – Am Mittwochmorgen sitzt Svetislav Pesic in der Riva Bar in Schwabing – dort, wo er sehr oft sitzt, wenn er in München zu Besuch ist. Der Kellner fragt: „Ein Gin-Tonic, wie immer?“ Sie lachen, war ein Scherz. Also ein Espresso, natürlich aufs Haus, im Riva muss Pesic nie zahlen. Am Donnerstagmittag wird Pesic, 69, in der Geschäftsstelle des FC Barcelona sitzen. Vor anderthalb Jahren hat er sich entschieden, wieder Cheftrainer des FC Barcelona zu werden, wo man ihn verehrt, seit er mit dem Club 2003 die Euroleague gewonnen hat. Seitdem er zurück ist, hat er zweimal den spanischen Pokal geholt, Meister wurde aber jeweils Real Madrid. Deswegen hat Barcelona in diesem Sommer eingekauft – und Pesic einen für europäische Verhältnisse herausragenden Kader zur Verfügung gestellt. Als im Riva sein Espresso kommt, fängt Pesic an zu erzählen. Über den verrückten Transfersommer der Euroleague-Vereine, über den FC Bayern, seinen Ex-Klub, und über die Aussichten der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in China (31. August - 15. September).

Herr Pesic, Sie besitzen einen Twitter-Account. Loggen Sie sich noch manchmal ein?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe ihn nur ein paar Mal benutzt. Als 2015 mein ehemaliger Trainer Ranko Zeravica gestorben ist, wollte ich mein Beileid bekunden. Ansonsten gilt: Twitter, Facebook, Insta-gram: Nein!

Auf Twitter tauchten in diesem Sommer fast jeden Tag neue Transfermeldungen aus der Euroleague auf. Alle Spitzenvereine rüsten auf. Wie haben Sie das miterlebt?

Es war schon interessant zu sehen, wie so viele Topspieler von einem Club zu einem anderen wechseln. Es sind auch mehr NBA-Spieler nach Europa gekommen. Wir sind es ja gewohnt, dass sie aus Amerika kommen, aber nicht so viele. Deswegen war es auch für Twitter interessant.

Basketball-Euroleague: FC Barcelona verstärkte sich mit Hochkarätern

Ihr Club, der FC Barcelona, war besonders aktiv. Aus der NBA holten Sie die spanischen Nationalspieler Nikola Mirotic und Alex Abrines, aus Moskau Euroleague-Sieger Cory Higgins. Was haben Sie vor?

Die wichtigste Entscheidung war, dass unser Präsident Bartomeu einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag mit Trainer Pesic gemacht hat. Die zweite wichtige Entscheidung war, dass neun Spieler langfristige Verträge haben, manche haben vorzeitig verlängert. Alles andere sieht vielleicht wie große Arbeit aus, war aber keine. Higgins wollte nach so vielen Jahren in Russland woanders spielen. Die zwei NBA-Spieler wollten zurück. Sie haben den gleichen Agenten. Er hat uns angerufen, wir haben einen Tag verhandelt, das war’s.

„Das Ansehen des FC Bayern in Europa ist exzellent“: Barcelonas Trainer Svetislav Pesic über seinen Ex-Verein.

In Europa gilt der Power Forward Mirotic als Königstransfer. In der NBA hätte man ihm wohl mehr als 15 Millionen US-Dollar pro Saison bezahlt. Warum kommt er trotzdem?

Er hat wie jeder junge Basketballer von der NBA geträumt und sich diesen Traum in den letzten fünf Jahren erfüllt. Er hat zwei Kinder, die er, glaube ich, in Europa großziehen will. Für manche ist das Geld dann nicht so wichtig. Es gibt anderes: Familie, Barcelona, wo man auch Basketball spielen und Titel gewinnen kann. Ich glaube, es war eine einfache Entscheidung für ihn.

Es heißt, in Barcelona verdient er in den nächsten vier Jahren 26 Millionen Euro. Das wäre für Europa ein neuer Maßstab.

Diese Zahlen kommen von irgendwelchen Journalisten, die überhaupt keine Informationen haben. Was meinen die denn? Brutto? Netto? Dollar? Euro? Ein Verein wie Barcelona kommentiert das nicht.

Mit Mirotic wechselt ein recht prominenter NBA-Spieler im besten Alter (28) in die Euroleague. Ist das der Anfang eines Trends?

In zwei Jahren wird man nicht deswegen über Mirotic sprechen. Es gibt viele Spieler, die zurückgekommen sind, auch früher. Sergio Rodriguez zum Beispiel oder Sarunas Jasikevicius.

Aber Mirotic hatte in der NBA auch einen anderen Stellenwert, hat dort viel mehr Minuten gespielt.

Klar, er ist ein sehr guter Spieler, der uns helfen wird, aber er ist kein Spieler, der in den wichtigen Phasen eines Spiels die Entscheidungen trifft.

Für einen Trend spricht: Beim FC Bayern spielt ab sofort Greg Monroe, 29 Jahre alt und 632 NBA-Spiele schwer.

Ich kenne ihn nicht sehr gut. Er will, denke ich, mehr Spielzeit bekommen. Beim FC Bayern ist alles super organisiert, da kann er sich zeigen und ein bisschen Geld verdienen – wenn auch nicht so viel wie in der NBA.

FC Bayern? „Ansehen in Europa ist exzellent – sehr viel besser als in Deutschland“

Vor drei Jahren haben Sie die Bayern als Trainer verlassen. Wo sehen Sie sie inzwischen im europäischen Vergleich?

Ihr Ansehen in Europa ist exzellent – sehr viel besser als in Deutschland. Hier vergleicht man sie immer mit den Fußballern und denkt, die Erfolge kommen einfach von alleine: die Meisterschaft mit den Profis, mit der U19, mit der U16.

Was fehlt Ihnen noch zur Elite der Euroleague?

Vor allem noch: Zeit. Sicher auch ein bisschen Erfahrung. Das wird aber kommen. Mit der neuen Halle können sie Basketball in München weiter entwickeln.

Mehr: FC Bayern holt nächsten Ex-NBA-Spieler - Zipser kehrt zurück

Im Sommer haben sie neben Derrick Williams auch Spielmacher Stefan Jovic und Center Devin Booker verloren – zwei Spieler, die seit zwei bzw. drei Jahren Stammspieler sind. Ein großer Verlust?

Sie waren sehr gute Spieler, aber auch keine, die den Unterschied gemacht haben. Sie haben gute Spiele abgeliefert, aber die Mannschaft geprägt haben andere: Djedovic und Barthel. Wenn Jovic und Booker hätten bleiben wollen, wäre vermutlich keiner dagegen gewesen, aber ich glaube, die Bayern haben neue Spieler bekommen, die mehr Akzente setzen können.

Der Trainer Dejan Radonjic bleibt. Wie bewerten Sie seine Arbeit?

Er hat einen sehr, sehr guten Job gemacht – nicht nur wegen der zwei Meisterschaften. Ich kenne ihn gut. Er ist ein großer Arbeiter und großer Kenner des Basketballs, aber ein zurückhaltender Trainer, deswegen wird er von außen nicht immer so gut bewertet.

Am 31. August beginnt die WM in China. Sie sagten mehrmals, dass Sie diese deutsche Nationalmannschaft für so talentiert halten wie Ihr Europameisterteam von 1993. Glauben Sie das noch immer?

Ja, aber unsere Mannschaft damals hatte mehr Kontinuität. Wir hatten mehr Zeit zusammen, mehr Möglichkeiten zusammenzuwachsen. Die deutsche Mannschaft jetzt hat Talent. Es ist eine Generation, die gut zusammenpasst. Sie haben Ambitionen, Ziele. Ich glaube, dass Deutschland zu den Medaillenfavoriten zählt.

Dafür muss viel stimmen. Wer zum Beispiel kann Spielmacher Dennis
Schröder unterstützen?

Es hängt wie immer viel vom Point Guard ab. Schröder ist ein Spieler, der die Entscheidungen trifft, nicht Mirotic – das liegt einfach an der Position. Er kann immer Akzente setzen, zum Korb ziehen, scoren.

Und wer hilft ihm? Auf den großen Positionen sind die Besten dabei:
Barthel, Kleber, Theis, Voigtmann.

Klar, das sind sehr gute Spieler, höchste europäische Qualität. Sie wollen nicht nur in der Nationalmannschaft spielen, sondern auch was gewinnen.

Welche Mannschaft kann das Team USA schlagen?

Es gibt schon ein paar Nationen: Spanien, Serbien, Griechenland. Sie wissen, dass die USA nicht mit ihrer besten Mannschaft kommen. Als sie ihren ersten Kader nominiert haben, waren die USA sicher der große Favorit, jetzt, nach den vielen Absagen, sind sie es nicht mehr.

Vor dem WM-Start werden Sie 70 Jahre alt. In Barcelona haben Sie neulich einen Vertrag bis 2021 unterschrieben. Ihr letzter Vertrag als Trainer?

Bis jetzt sind es zwei Jahre – mehr weiß ich noch nicht. Als 2016 mein Knie operiert wurde, dachte ich schon, ich höre auf. Dann hat der Präsident angerufen und wenn der Präsident anruft und dich fragt, kannst du nicht Nein sagen. Der Präsident will sein Mandat mit Erfolg beenden – das will ich auch.

Interview: Christopher Meltzer

Rubriklistenbild: © imago

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