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Die ZDF-Internet-Expertin mit Müller-Hohenstein und Kahn

Vor dem Zweiten flieht man besser

ZDF: Klatschpublikum döst in Liegestühlen

München - Ein müdes Klatschpublikum döst in Liegestühlen auf Usedom vor sich hin: Wie der Fernsehgarten, nur mit Fußball – bei der EM-Berichterstattung des ZDF passt bisher so gut wie nichts. Eine TV-Kritik:

Wobei es nicht einmal sicher ist, dass der Schlandfußball von der Rostsee, der mit der EM nur sehr am Rande zu tun hat, tatsächlich von Müller-Hohenstein und Kahn moderiert wird. Angeblich handelt es sich in Wahrheit um Anke Engelke und Bastian Pastewka, die als Schunkelduo Wolfgang und Anneliese verkleidet sind, die als Müller-Hohenstein und Kahn verkleidet sind.

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Das gilt allerdings nicht nur für den Fußballstrand, sondern auch für die sonstige EM-Berichterstattung des ZDF, dessen Sportchef Dieter Gruschwitz partout nicht von seinem Event-Trallala lassen mag, statt endlich den Fußball in den Mittelpunkt zu stellen. Er hält stur an einem veralteten Übertragungskonzept fest, das bei der WM im eigenen Land und vielleicht auch noch bei der EM im Jahr 2008 in Österreich und der Schweiz prächtig funktionierte – damals hatte er aber Johannes B. Kerner und Jürgen Klopp und nicht Hohenstein und Kahn.

Auch zu seinen altgedienten Reportern steht Gruschwitz in nicht nachvollziehbarer Nibelungentreue. Deshalb durfte der versierte Leichtathletikkommentator Wolf-Dieter Poschmann in der Schlussphase des Spiels Ukraine – Schweden verraten, dass der ukrainische Trainer Oleg Blochin jetzt das Unentschieden über die Zeit retten will. Allerdings führte die Ukraine zu diesem Zeitpunkt 2:1. Über Schwedens Star Ibrahimovic verriet „Poschi“: „In Schweden nennen sie Zlatan Ibrahimovic übrigens Zlatan.“ Und völlig überraschend nicht Rüdiger.

Auf diesem Ärgerlichkeitsniveau bewegt sich die gesamte ZDF-Berichterstattung. Kahn analysiert: „So, wie ich Trapattoni kenne, will er gewinnen!“ Wer hätte damit gerechnet? Hohenstein dichtet „Never change a wenning team!“, erfindet die neue Gattung der „Torwandhandschuhe“ und analysiert die Stimmung bei den Engländern als „nicht ganz so europhorisch“. Ihr Elitepartner Kahn fabuliert über französische „Rudelsführer“. Im Bildhintergrund auf der Ostsee ziehen derweil offenbar russische Kriegsschiffe auf. Schwafelstillstandsverhandlungen laufen.

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Es passt so gut wie nichts beim Schlandburgenbauen auf Usedom. Als Vorschau aufs Spiel Spanien – Italien begrüßt Müller-Hohenstein den ortsansässigen FC Insel Usedom, warum auch immer. Wenn die Sonne scheint, wird Kahn so geblendet, dass sich seine Augen zu schießschartenähnlichen Schlitzen verengen. Der Sound funktioniert auch nach zwei Sendetagen noch nicht, die schwedische Grand-Prix-Siegerin Loreen musste mit ihrem eigenen Hall im Duett singen. Alles in allem Hohlfühl- statt Wohlfühlfußball. Zuschauen macht matschig in der Birne.

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Von Jörg Heinrich

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