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Licht, Rauch, Spektakel: Bilder wie dieses aus dem Fanblock des 1. FC Kaiserslautern sind in deutschen Stadien keine Seltenheit mehr.

Mit 2000 Grad wird die Fackel zur Waffe

München - Warum Pyrotechnik in deutschen Stadien verboten ist und bleibt. Das Material der Fans kommt meist aus Ost-Europa. Und: Das Bayern-Match gegen Basel wird das nächste Risikospiel.

Der Fuß des toten Schweines hat noch eine letzte Aufgabe: der Nachwelt eine Gefahr zu demonstrieren.

„Ein Schweinefuß“, sagt Peter Bachmeier, „ist der menschlichen Hand sehr ähnlich“, die Haut ist vergleichbar. Peter Bachmeier hat den Schweinefuß auf einen Stecken montiert, und ein paar Mal hält er ihn ganz kurz gegen die Fackel, die Andreas Weigmann entzündet hat.

Wir sind auf dem Hof der Münchner Hauptfeuerwache. Peter Bachmeier ist Diplom-Ingenieur und Brandoberrat, Leiter der Abteilung Prävention. Sein Kollege Andreas Weigmann hat sich gerüstet: mit Schutzmantel und dicken Handschuhen. Sie vollführen ein Experiment, um das unsere Zeitung sie gebeten hat: zu zeigen, welche Gefahren von Pyrotechnik in einem (Fußball-)Stadion ausgehen können. Peter Bachmeier zeigt auf die nunmehr lädierte Schweinepfote. „Hier, die schwarze Stelle – das würde nicht mehr heilen.“ Ein Mensch hätte schwere Verbrennungen. Es würden Narben bleiben.

Ein bengalisches Feuer entwickelt eine Hitze von 2000 Grad Celsius. Zum Vergleich: Bei 98 Grad kommt Wasser zum Kochen. 600 bis 700 Grad erreicht ein normales Holzfeuer. „Mit 2000 Grad“, erklärt Brandschützer Bachmeier, „wird Feuer zu einer Waffe, es liegt über der Schmelztemperatur von Glas, Aluminium, Eisen. Das Schutzschild der Polizei bringen Sie damit zum Schmelzen.“ Löschen könne man eine bengalische Fackel so gut wie nicht. „Weil sie Magnesium enthält.“ Wasser drauf, und Sauer- und Wasserstoff würden sich spalten, so der Experte. Folge: eine Knallgasexplosion.

Um das auch klarzustellen: Die Fackel aus unserem Experiment ist eine legale, zugelassen von der Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM). In den Stadien jedoch sei anderes Material im Einsatz: billiger, aggressiver, teils mit eigenen Abmischungen der Fans. Zu besorgen ist illegale Pyrotechnik problemlos: über Internet aus Tschechien oder Polen. „Ultrasshop“ heißt eine Anlaufstelle im Netz. Im Angebot: „Bengalo – Rauchbomben – Breslauer – Stroboskope – Böller – Vulkane.“

In sechs Klassen wird Pyrotechnik eingestuft. Klasse 1: die Wunderkerze, einst beliebt beim Eishockey, in geschlossenen Hallen aber verboten, weil krebserregende Substanzen freigesetzt werden. Klasse 2 „sind Effekte, die von Über-18-Jährigen an Silvester und Neujahr eingesetzt werden dürfen“. Darüber die Klassen T 1 bis T 4 (die BAM-zugelassene Bengalo-Fackel wäre T 2). In Stadien sind diese Elemente verboten, Grundlage dafür ist die Versammlungsstättenverordnung.

Basel wird das nächste Risikospiel

Es hat in dieser Saison Diskussionen gegeben, ob Pyrotechnik in Stadien nicht doch erlaubt sein könnte. Fangruppen, die sich in der Initiative „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren!“ zusammengeschlossen hatten, machten sich Hoffnung, weil die Deutsche Fußball-Liga ankündigte, ein Rechtsgutachten erstellen zu lassen. Die Fans hielten sich zurück, verzichteten wochenlang auf den Feuerzauber. Doch das Gutachten ergab, dass Pyrotechnik im Stadion unzulässig sei – seitdem sind die Fan-Blöcke wieder zunehmend illuminiert. Der Hamburger SV hat diese Saison für das Verhalten seiner Fans mit 26 000 Euro gebüßt, Hannover 96 musste gar 80 000 Euro an Strafen entrichten.

Peter Bachmeier, der bei der Erstellung des Gutachtens auch angesprochen wurde von der DFL, findet, „dass man den Fans wohl falsche Hoffnungen gemacht hat“. In der Tat sei es so, dass es auch im Verbotsbereich Ausnahmen gebe. Bachmeiers Beispiel: Wenn die Rockgruppe „Rammstein“ ein Konzert gibt. „Rammstein“ ist bekannt dafür, auf der Bühne gerne zu zündeln. „Sicher hart an der Grenze“, meint Peter Bachmeier – trotzdem hat die Münchner Feuerwehr die „Rammstein“-Show in der Olympiahalle abgesegnet. Der Abstand zum Publikum wurde überprüft, die (Nicht-)Brennbarkeit der Dekoration – und vor allem: „Ein nach Sprengstoffgesetz geprüfter Pyrotechniker muss da sein.“ Ein professioneller Feuerwerker.

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Das war auch der Fall, als der FC Bayern am 16. Dezember nach seinem letzten Bundesliga-Vorrundenspiel gegen den 1. FC Köln in der Allianz Arena ein großes Feuerwerk zündete. Diese Pyro-Show wurde genehmigt – denn abgeschossen werden die Raketen vom Rasen aus. Das ist unbedenklich. Das große Aber, das eine generelle Lockerung des Pyro-Verbots in den Fankurven verhindert: „Dass es mitten unter den Leuten geschieht, das dürfen wir nicht zulassen“, so Brandoberrat Peter Bachmeier, „wir würden es auch nicht erlauben, wenn ein geschulter Pyrotechniker das macht – mit zugelassenem Material.“ Das wird von Fan-Seite – auch in München war es so – immer wieder vorgeschlagen: Pyrotechnik in einem abgetrennten Bereich, beaufsichtigt und geleitet vom Fachmann. „Aber ein Fan ist nicht dieser Experte“, hält Bachmeier dagegen. Die Einwände würden einfach überwiegen: Es entstehen giftige Stoffe, die man einatmet (Stickoxide, Schwefelbestandteile), die Sitze sind brennbar, wer mit einer Fackel hantiert, kann sich verletzen oder andere.

In der seit 2005 bespielten Allianz Arena etwa hat es bis jetzt keine nennenswerten Feuerwehreinsätze gegeben, gerade in den heimischen Fan-Blöcken ist Zurückhaltung bei Pyrotechnik angesagt, denn „wer was anstellt, wird aufgrund der Kamera-Überwachung zu 99 Prozent ermittelt“, so Peter Bachmeier. Die Gefahr geht eher von den Auswärts-Fans aus. Die spezielle Problematik in München: Der Anhang des Gastteams wird ganz oben untergebracht, im dritten Rang. Wenn Fans dorthin Pyrotechnik einschmuggeln, kann es für die Zuschauer im Block darunter gefährlich werden – gerade aufgrund der Steilheit der Arena (34 Prozent). Ein durch Pyro-Effekte hervorgerufener Brand würde sich nach unten ausbreiten. „Der GAU“, sagt Bachmeier.

Demnächst kommt in der Champions League der FC Basel. Die Schweizer Fans lieben Pyrotechnik. Das wird der FC Bayern schon am kommenden Mittwoch im Achtelfinal-Hinspiel im St. Jakobs-Park erleben. „Im Basler Stadion ist kein einziger Polizist“, so Bachmeier, „es ist alles Sache des Stadionbetreibers“. Verboten sei in der Schweiz Pyrotechnik wie in Deutschland auch, „doch wir haben unterschiedliche Rechtsphilosophien: Wir setzen auf Prävention, die Zielsetzung ist, dass nichts passiert; in anderen Ländern geht es darum, einen Schuldigen zu haben, wenn was passiert ist.“ Man mag diese vorauseilende Fürsorglichkeit als arg deutsch empfinden – doch Bachmeier sagt: „Unsere Kunden sind nicht die Stadionbetreiber, sondern die Bürger, die wir schützen wollen.“ Allerdings müssen in Deutschland die Vereine den Feuerwehreinsatz – anders als den der Polizei – bezahlen. In München sind immer acht Feuerwehrleute mit zwei Löschzügen da, manchmal wird auf 14 Mann aufgestockt.

Verlässliche Zahlen über Verletzungsfälle durch Pyrotechnik fehlen der Diskussion. „Wir haben in Deutschland eine Polizei-, aber keine Verletzungsstatistik“, sagt Peter Bachmeier und meint: „Der Stadionbesucher, der drei Tage Kopfweh hat, weil er giftige Stoffe eingeatmet hat, taucht nirgendwo in einer Statistik auf.“ Doch es gebe ihn, ganz sicher.

Brandoberrat Bachmeier will „keine Verbotsstaatdiskussion, die fruchtet nicht. Ein 15-Jähriger wird Paragraphen nicht akzeptieren.“ Er hält Aufklärung für den besseren Weg. „Jeder Fußballfan wird die Gefahren durch Pyrotechnik verstehen, wenn man sie ihm erklärt.“ Mit Praxisnachweis – wie mit Schweinefuß.

Von Günter Klein

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