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Streit um Allianz Arena in Regenbogenfarben: München will UEFA-Verbot wohl mit Trick umgehen

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Von: Marius Epp

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Die Stadt München wollte die Allianz Arena beim Deutschland-Spiel gegen Ungarn in Regenbogenfarben erstrahlen lassen. Doch die UEFA verbietet das. Münchens OB Reiter reagiert deutlich.

Update vom 22. Juni, 15.23 Uhr: Die UEFA hat die Beleuchtung der Allianz Arena in Regenbogenfarben verboten. Das will Münchens OB Dieter Reiter aber offenbar nicht auf sich sitzen lassen und will das Verbot mit einem Trick umgehen - genauer gesagt mit einem Windrad-Trick. Reiter will nun offenbar ein Windrad auf der anderen Seite der Autobahn während des Fußballspiels in Regenbogenfarben beleuchten. Das berichtet die Bild unter Berufung auf Rathaus-Kreise. Das Windrad wäre so für alle Fans gut sichtbar.

Update vom 22. Juni, 14.33 Uhr: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hat die UEFA für das Verbot die Allianz Arena beim Spiel gegen Ungarn in Regenbogenfarben zu beleuchten hart kritisiert. „Ich finde es beschämend, dass die UEFA uns verbietet, ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz, Respekt und Solidarität zu setzen“, sagte Reiter und ergänzte: „Ich bin auch enttäuscht vom DFB, der trotz der überragenden Zustimmung aus der ganzen Republik sich nicht der in Lage sehen wollte, das Ergebnis zu beeinflussen.“

Die Münchner Arena an einem anderen Tag in Regenbogenfarben zu beleuchten, bezeichnete Reiter als „lächerlichen Gegenvorschlag“. Das Stadion trotz der UEFA-Entscheidung bunt zu beleuchten, ist laut Reiter keine Option: „Das würde mir als altem Revoluzzer zwar gefallen, aber die Arena hat einen Mietvertrag mit der UEFA. Und man will sich nicht rechtswidrig verhalten.“

Erstmeldung vom 22. Juni: München - Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte mit seinem Brief an die UEFA keinen Erfolg. Nach Wunsch des Münchner Stadtrats sollte die Allianz Arena beim letzten EM-Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft als Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit regenbogenbunt leuchten. Der Verband durchkreuzt diese Pläne nun aber.

Die UEFA hat einen Farbenwechsel der Arena offiziell verboten. „Die UEFA ist gemäß ihrer Satzung eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieses speziellen Antrags - eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen nationalen Parlaments abzielt - muss die UEFA diesen Antrag ablehnen“, hieß es in einem Statement des Verbands. Diese Entscheidung entfacht Diskussionen.

Allianz Arena: UEFA verbietet Regenbogen-Beleuchtung - Ungarn hatte protestiert

Während sich beispielsweise Nationalspieler Leon Goretzka positiv zur Farbgebung äußerte, kam vom DFB keine Unterstützung für das Vorhaben. Presseprecher Jens Grittner hielt sich in seiner Stellungnahme zurück: „Die UEFA gibt ein einheitliches Stadiondesign vor. Vielleicht muss man die Beleuchtung nicht unbedingt am Spiel vom Mittwoch festmachen.“

Allianz Arena in Regenbogenfarben.
Die Allianz Arena erstrahlte schon mal in Regenbogenfarben - hier 2016 zum Christopher Street Day. © Tobias Hase/dpa

Die Regenbogen-Beleuchtung wäre ein klares politisches Zeichen in Richtung des Gegners Ungarn, wo Staatschef Viktor Orban erst kürzlich schwulenfeindliche Gesetze erlassen hat. Allgemein erfahren homosexuelle Menschen in dem Land keine Gleichberechtigung - dementsprechend erzürnt reagierten ungarische Politiker. „Es ist äußerst schädlich und gefährlich, Sport und Politik zu vermischen“, sagte Außenminister Peter Szijjarto, um kurz darauf einen Vergleich zu bemühen. „Die historische Erfahrung zeigt, dass das eine schlechte Sache ist, und allen voran die Deutschen wissen das genau.“

Allianz Arena darf nicht bunt leuchten - UEFA muss heftige Kritik einstecken

Die regierungsnahe Tageszeitung Magyar Nemzet schreibt: „Für die linke Münchner Stadtführung haben wir die Botschaft: Die Politik hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen. Weder in brauner noch in roter noch in regenbogenfarbener Verpackung.“

Unter anderem auf Twitter stand das Thema stark im Trend. Viele User können kein Verständnis für die Entscheidung der UEFA aufbringen. „Die UEFA zeigt mal wieder, dass sie absolut nichts kapiert hat. Die Rechte von Lesben und Schwulen dürfen nirgendwo in Europa zur Debatte stehen“, lautet ein Kommentar. Der Hass richtet sich vor allem gegen den europäischen Fußballverband. „Die UEFA ist ein ganz peinlicher und armseliger Haufen“, ist neben vielen weiteren Kommentaren zu lesen.

Eine Möglichkeit für die Regenbogenfarben gibt es aber doch: Die UEFA bietet der Stadt München an, die Arena stattdessen am 28. Juni, dem Christopher Street Day (CSD), oder zwischen dem 3. und 9. Juli in Regenbogenfarben erstrahlen zu lassen. Zu dieser Zeit findet die CSD-Woche in München statt. Aber: An keinem dieser Termine kommt es zu einem EM-Spiel in München.

Das Stadion darf also am Mittwoch nicht bunt leuchten - doch immerhin darf Manuel Neuer seine Regenbogen-Binde behalten. (epp) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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