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Meisterliches Duo: Matthias Sammer (li.) und Jan Henkel wollen den Fans Fußball einfach anschaulich machen.

Eurosport startet mit Sammer in zweite Hälfte

Fußballverrückte an der langen Leine

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Matthias Sammer, ehemaliger Sportchef des FC Bayern, schafft als Experte von Eurosport einen bemerkenswerten Spagat

Jeder hat mal ein Schlüsselerlebnis. Jan Henkel hatte seines vor einiger Zeit, als er mal in einem Gespräch mit Julian Nagelsmann plötzlich nicht mehr weiter wusste. Er hatte jahrelang Fußballspiele kommentiert, aber als der Hoffenheimer Trainer tief in die Materie abtauchte, war für Henkel gedanklich Abpfiff. Fußball, eigentlich das einfachste Spiel auf der Welt, ist plötzlich komplex geworden.

Als Henkel später das Konzept von „Eurosport“ vorgestellt bekam, wusste er gleich: Volltreffer! Fußball ist komplex geworden, umso wichtiger ist es daher, es dem Fan wieder zugänglicher zu machen. Seit dem Sommer sind die Freitagsspiele der Bundesliga exklusiv bei „Eurosport Player“ zu sehen, und begleitet werden die Partien von einem Duo, über das Henkel sagt, da seien zwei Fußballverrückte am Werk, denen man lange Leine gelassen hat. Er meint damit sich selbst und Matthias Sammer, der sich als ehemaliger Weltfußballer, Meistercoach, Verbandssportchef und Vorstand des FC Bayern für die Rolle als Experte qualifiziert hat.

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Bevor für den Münchner TV-Sender heute Abend um 20.30 Uhr mit der Partie des FC Bayern bei Bayer Leverkusen die zweite Halbzeit seines Bundesliga-Projekts startet, lud er zu einer Analyse in die Räumlichkeiten der PR-Agentur „Discovery“. Henkel und Sammer saßen an einem rasengrünen Tisch mit den weißen Linien eines Fußballfelds, die Wände zierten eine überdimensionale Szene aus der Allianz Arena, Trikots und Fußballweisheiten wie von Otto Rehhagel: „Manchmal verliert man – und manchmal gewinnen die anderen.“ Fußball kann ja so einfach sein. Sportchef Gernot Bauer klopfte auf die Taktiktafel, die hinter ihm eine Ecke des Raums besetzt: „Wir wollen Fußball mit einfachen Mitteln erklärbar machen.“

Dahinter steckt viel Arbeit. Sammer und Henkel studieren vor der Sendung beide Mannschaften drei Mal. Aus 90 Minuten werden da locker dreieinhalb Stunden. Sammer ist als Pedant bekannt, und eine Analyse muss ja vielseitig sein. Vergangene Woche schaute er in seiner Freizeit zum Beispiel das 2:2 von Celta Vigo gegen Real Madrid, so der 50-Jährige. Er achte da nicht auf Real, sondern auf den Außenseiter: „Das ist doch das Entscheidende: Wie schaffen die es, ein Remis zu erspielen? Es geht darum, dass wir Lösungen für Außenseiter aufzeigen. Die Leute sollen mehr wissen als ein Ergebnis. Sie sollen wissen, warum es zustande kam.“

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Sammer versucht sich dabei an einem unangenehmen Spagat, der ein ziemlicher Tabubruch in der Szene ist: Kritik fasst die Branche traditionell schlecht auf, gerne sind „die bösen Medien“ Schuld an Fehlleistungen. Der frühere Bayern-Sportchef riskiert, als Nestbeschmutzer wahrgenommen zu werden. Wohltuend ist, dass er diesen Konflikt in seiner Rolle als Experte nicht scheut. In der Hinrunde gab es auch nur einmal Ärger, der Hamburger SV verstand seine Worte als zu kritisch. „Da geht es einfach zu oft um Selbsterhaltung, man ist schnell beleidigt“, meint Sammer, und dann wird er richtig laut, emotional: Nicht einer beim HSV habe einmal gedacht, ob die Kritik nicht angebracht sei. Daran könne man sehen, wer was auf dem Kasten hat und wer nicht. Der HSV steckt übrigens wie immer tief im Abstiegskampf.

Sammer ist nach den ersten 21 Spielen bei Eurosport von sich selbst überrascht. „Ich wollte eigentlich raus aus der Hektik – und jetzt ertappe ich mich dabei, dass ich noch immer wie ein Trainer denke. Aber ich will kein Trainer mehr sein.“ Er hat seine Rolle gefunden, indem er den Fans den Fußball erklärt – und Schlüsselerlebnisse in die Wohnzimmer exportiert.

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