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BVB-Anschlag offenbar aufgeklärt: Kranker Höhepunkt

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Aus der vermeintlichen Terrorattacke gegen den BVB-Bus ist durch die Verhaftung des Täters „nur“ ein perfides, kriminelles Delikt geworden. Doch dahinter steckt mehr. Ein Kommentar von Maximilian Heim.

Das Puzzle um den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist endlich zusammengesetzt – und das Ergebnis mag auf den ersten Blick beruhigen. Kein perfide organisierter islamistischer Terror in großem Stil. Verantwortlich ist offenbar „nur“ ein Einzeltäter, der aus Geldgier gehandelt haben soll. Durch vermeintlich geschickt platzierte Einsätze auf den Absturz der BVB-Aktie wollte der Mann reich werden.

Der Fall führt überraschend zurück in eine Phase, in der statt der Bedrohung durch Terroristen die Unersättlichkeit der Finanzbranche das vorherrschende Thema war. Die Nagelbomben gegen die BVB-Spieler treiben ein Phänomen auf seinen kranken Höhepunkt, das im Börsenhandel als „Frontrunning“ bezeichnet wird. Wer dort einen illegalen Wissensvorsprung hat – etwa über die Zukunftspläne eines Unternehmens – kann oft unbehelligt viel Geld verdienen. Man muss es nur weniger dämlich anstellen als der Bombenleger von Dortmund, der seine Optionsscheine unverschlüsselt über die Internetverbindung des Mannschaftshotels geordert haben soll.

Schon klar: Das enthemmte Milliardenspiel Fußball wird durch die Bomben von Dortmund nicht finanziell abrüsten. Auch die Frage, ob Sportler Marken und damit Kapital sein müssen, dürfte höchstens ein paar Tage diskutiert werden. Eines immerhin lehrt das unerwartete Ergebnis: Die Aufklärung von Verbrechen ist Aufgabe der Polizei – und nicht der Kommentarspalten im Netz.

Über alle aktuellen Entwicklungen rund um den Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus halten wir Sie im News-Ticker auf dem Laufenden.

Rubriklistenbild: © dpa

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