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#zrrssn (zerrissen) statt #zsmmn (zusammen)? Vom WM-Fieber ist in Deutschland wenig zu spüren. 

Stimmung nach der Auftaktpleite

Ex-DFB-Star: „Habe mit der Nationalmannschaft abgeschlossen“ - kaum Rückhalt für Jogis Jungs?

Für die deutsche Nationalmannschaft war das erste Spiel der WM 2018 eine Katastrophe. Haben wir wirklich ein Problem mit unserer National-Elf? Da sind sich sogar die tz-Sportredakteure uneinig. 

Die Weltmeisterschaft in Russland läuft seit einer guten Woche, schon am Samstag geht es für das DFB-Team gegen Schweden um alles. Von WM-Fieber ist in Deutschland trotzdem wenig zu spüren! #zrrssn (zerrissen) statt #zsmmn (zusammen)...

Ex-Nationalspieler Uli Borowka geht jetzt noch weiter, rechnet gnadenlos mit dem deutschen Verband und der Auswahl ab. Der ehemalige Gladbacher im RP-Interview: „Wo ist denn die Euphorie? Es gibt keine. Ich bin momentan auf Usedom und habe im Laufe des Tages genau einen einzigen Menschen im Deutschland-Trikot gesehen. Da ist einiges im Argen.“

Stimmung auch wegen Erdogan-Foto von Özil und Gündogan gedrückt?

Als Hauptgrund führt Borowka, na klar, die Affäre um das Erdogan-Foto von Mesut Özil und Ilkay Gündogan an. Der Ex-Profi: „Ich war mal stolz, Nationalspieler zu sein. Ich war mal stolz, den Adler auf der Brust tragen zu dürfen. Aber nach der Affäre habe ich damit abgeschlossen.“ Jetzt will der 56-Jährige seine DFB-Trikots, Medaillen und Urkunden sogar für einen guten Zweck verkaufen.

Uli Borowka will sich von seinen DFB-Trikots trennen.

Neben dem viel diskutierten Foto muss sich der Verband immer wieder Vorwürfe gefallen lassen, die Nationalelf wäre mittlerweile mehr Werbebande als Fußballmannschaft. Mercedes hier, Coca-Cola da, Nivea dort – und dazu horrende Preise für Testspiele gegen Größen wie Saudi-Arabien. Da bleibt der eingefleischte Anhänger auf der Strecke. Nicht zufällig haben die Ultras der Bundesliga-klubs schon lange mit der DFB-Elf abgeschlossen.

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Lässt die Begeisterung für die WM nach? 

Philipp Köster, Chefredakteur von 11 Freunde, sagte im Interview mit dem Trierischen Volksfreund: „Ich beobachte eine nachlassende Begeisterung für die WM. Wenn wir unsere Leute befragen, dann sind die genervt von der pathetischen Überhöhung der Nationalelf als Die Mannschaft. Keine Sau nennt die so.“

Und diese Stimmung – eine Mischung aus Desinteresse und Ablehnung – kommt auch bei Jogis Jungs in Watutinki an. Thomas Müller meinte in der Pressekonferenz: „Man hat in Deutschland selten das Gefühl, dass man gepusht oder unterstützt wird.“ Das wirft mehr denn je die Frage auf: Haben wir ein Problem mit unserer Nationalmannschaft? Da sind sich selbst die tz-Sportredakteure uneins.

Sportredakteur Jonas Austermann meint ...

Jogi, wir haben ein Problem! Das Fieber für die deutsche Nationalmannschaft ist seit dem WM-Triumph 2014 in Brasilien deutlich zurückgegangen. Zum einen gehen dem DFB-Team seit Jahren genau die Fans ab, die in den Bundesligakurven für die (meist) fantastische Stimmung sorgen. Zum anderen entfernen sich der Verband – und damit auch das Aushängeschild „Die Mannschaft“ – immer weiter von den Anhängern, die noch da und bereit sind, für belanglose Testspiele wie gegen Saudi-Arabien richtig tief in die Tasche zu greifen.

Die Kommerzialisierung schreitet in allen Bereichen voran, klar. Aber schon lange warnen Experten davor, dass das Rad irgendwann überdreht sein wird. Sponsoren müssen sein, das ist unbestritten. Trotzdem: Der deutschen Nationalmannschaft einen so peinlichen Spitznamen wie „Die Mannschaft“ zu verpassen, geht deutlich zu weit. Andere Länder haben knackige Namen, die sind aber eben auch im Laufe der Jahrzehnte entstanden. Auch mit dem Kürzel #zsmmn hat der deutsche Verband sich eher lächerlich gemacht, als für eine gelungene PR-Aktion zu sorgen.

Die DFB-Auswahl könnte als warnendes Beispiel für die Bundesligaklubs dienen. Nach dem Motto: Treibt es nicht zu weit! Irgendwann machen auch die treuesten Fans den Zirkus nicht mehr mit. Da wird dem DFB auch ein Sieg gegen Schweden nicht groß helfen…

tz-Sportredakteur Manuel Bonke findet hingegen ...

Ja mei, über das WM-Motto #zsmmn der Nationalmannschaft kann man in der Tat lachen. Und dass beim Trainingslager in Südtirol nur einmal die Anhänger zum Training-Schauen eingeladen wurden, war auch nicht fanfreundlich. Aber wegen solcher Kleinigkeiten behaupten, Deutschland habe ein Problem mit der Nationalmannschaft? Nein!

Das DFB-Team war schon immer Deutschlands liebstes Kind, ist es auch momentan und wird es immer bleiben. Dass es sportlich gerade nicht rundläuft bei Jogi und seinen Jungs, ist für Kommerz-Kritiker ein gefundenes Fressen. Aber glauben Sie mir: Wenn Deutschland am Samstag Schweden vermöbelt, schwappt das Sommermärchen-Gefühl made in Russland auch bis in die Bundesrepublik über. Das Gute an der aktuellen Situation der Deutschen ist: Jede Partie ist ein Endspiel. Gerade Alles-oder-nichts-Duelle packen die Fans emotional.

Glauben Sie wirklich, dass die deutschen Fans vor dem Fernseher am Samstag den Schweden die Daumen drücken, nur weil auf den Aufwärm-Shirts der DFB-Truppe der Slogan „Best never rest“ zu lesen ist? Schmarrn! Die Kommerzialisierung schreitet doch nicht nur im Fußball voran, darauf muss sich die Gesellschaft einstellen. #zsmmn hin oder her: Letztendlich geht es um den Sport an sich. Und wenn das Schweden-Spiel abgepfiffen wird, haben sich wieder alle lieb – hoffentlich.

Video: DFB-Elf vor Spiel gegen Schweden

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