Roman Weidenfeller und Jens Lehmann
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Roman Weidenfeller (vorne) und Jens Lehmann standen Anfang der 2000er im Kasten von Borussia Dortmund. George Forsyth bekam keine Chance. Nun könnte er Präsident werden.

Beim BVB konnte er sich nie durchsetzen

Ex-BVB-Keeper wird wohl bald ein Land regieren - einst spielte er mit Lehmann und Weidenfeller

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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Wird ein ehemaliger Torwart von Borussia Dortmund tatsächlich Präsident von Peru? Die Chancen stehen gut.

  • George Forsyth wechselte 2020 zu Borussia Dortmund*.
  • Beim BVB kam der Peruaner nur in der zweiten Mannschaft im Einsatz.
  • Jetzt kandidiert er als Präsident. Und hat gute Chancen.

Lima - Haben Sie schon einmal den Namen George Forsyth gehört? Er ist drauf und dran, künftiger Präsident Perus zu werden. Der 38-Jährige blickt auf eine Vergangenheit zurück, in der ein Kapitel auch in Deutschland geschrieben wurde - als Keeper bei Borussia Dortmund*.

Borussia Dortmund: Ex-Torwart will Präsident von Peru werden - Lage im Land angespannt

Vorweg, die politische Lage in Peru ist momentan höchst prekär. Bis vor kurzem stand das südamerikanische Land ohne Staatsoberhaupt da. Der Kongress hatte Präsident Martín Vizcarra wegen Korruptionsvorwürfen des Amtes enthoben. Daraufhin übernahm Parlamentspräsident Manuel Merino kommissarisch die Amtsgeschäfte. Nach heftigen Protesten und Zusammenstößen mit der Polizei mit mindestens zwei Toten in der Hauptstadt Lima und zahlreichen Verletzten trat Merino am Sonntag aber zurück und stürzte Peru damit in eine schwere Regierungskrise.

Erschwerend kommt hinzu, dass Peru in der Corona-Krise* eine der höchsten Sterblichkeitsraten weltweit hat. Zudem leidet der Andenstaat extrem unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. Der Internationale Währungsfonds rechnet für das laufende Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um 13,9 Prozent. Die Menschen vor Ort sehnen sich daher nach besseren Zeiten. Viele sind der Meinung, dass diese mit dem Ex-Fußballer Forsyth kommen könnten.

Unter dem Motto „Merino ist nicht mein Präsident“ protestierten Menschen in Peru gegen den Übergangspräsidenten. Nach dem Tod zweier Demonstranten kam es - wie hier in Lima - zu Ausschreitungen.

Borussia Dortmund: Ex-Keeper Forsyth liegt in Umfragen vorn

Seit Montag leitet der Mitte-Rechts-Politikers Francisco Sagasti die Amtsgeschäfte. Wird der 76-Jährige als neuer Übergangspräsident vereidigt, kann er dies auch bis zu den Wahlen im kommenden Jahr tun. Dann votieren die Menschen in Peru, wie alle fünf Jahre, wieder für einen neuen Präsidenten. In den aktuellen Umfragen liegt Forsyth dabei klar vorne. Und das bereits seit Monaten. Im Oktober verlor Forsyth, der für die rechte Partei Restauración Nacional kandidiert, zwar vier Prozentpunkte, führt das Rennen aber weiterhin mit 19 Prozent an. Aber warum will ein Fußballer überhaupt Präsident werden?

Der ehemalige Nationalspieler interessiert sich schon länger für Politik. Als Sohn eines peruanischen Diplomaten war im die Berufung quasi in die Wiege gelegt worden. Nach seiner Fußballkarriere fasste Forsyth als Bürgermeister eines Stadtbezirks Limas Fuß, trat jüngst aber zurück, um Präsident zu werden. Er will er der Polit-Elite Paroli bieten: „Du hast dich mit der falschen Generation angelegt“, feuerte er zuletzt in den sozialen Netzwerken in Richtung des Übergangs-Präsidenten Merino. Vieles deutet aktuell daraufhin, dass Forsyth tatsächlich Präsident Perus werden könnte. Seine politische Karriere wird damit wohl erfolgreicher sein als die sportliche. Denn den Durchbruch schaffte der Torwart nie.

Borussia Dortmund: Forsyths Zeit im Pott endet abrupt - mehr Erfolg als Politiker?

Vom peruanischen Serienmeister Alianza Lima, Ex-Klub von Claudio Pizarro, wechselte Forsyth 2002 zu Borussia Dortmund II*. Als Sohn einer deutschen Mutter schien der Schritt zu passen. Durchsetzen konnte sich das damalige Talent jedoch nicht. Bei den Profis war die Konkurrenz um Jens Lehmann und Roman Weidenfeller schlicht zu groß. Forsyth kam lediglich in der zweiten Mannschaft des BVB in der damals noch drittklassigen Regionalliga zum Zug und brachte es letztlich auf sechs Einsätze. Ein Einsatz im Westfalenstadion* blieb ihm verwehrt.

Ein Jahr später wechselte Forsyth schließlich wieder in seine Heimat und heuerte bei Atletico Universidad an. Seine Karriere verlief weitestgehend unspektakulär. Neben einem erneut wenig erfolgreichem Europa-Intermezzo bei Atalanta Bergamo spielte der mit 1,85 Meter vergleichsweise kleine Keeper ausschließlich in Südamerika. Immerhin reichte es für fünf Einsätze in der peruanischen Nationalmannschaft. Nachdem er sein Land als Keeper auf dem Platz geführt hat, will er die nun auch als Präsident tun. (as) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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