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Ex-Liverpool-Profi: Dietmar Hamann. 

Favorit? Real Madrid!

Champions-League-Finale: Didi Hamann über Salah, Klopp und Fußballwunder

Er gehört zu den Helden von Istanbul! Dietmar Hamann half mit, als der FC Liverpool im CL-Finale 2005 einen 0:3-Rückstand gegen den AC Mailand umbog.

Update vom 12. Februar 2019: Achtelfinal-Hinspiel in Königsklasse! Wir haben zusammengefasst, wie Sie das Champions-League-Spiel Tottenham Hotspur gegen Borussia Dortmund live im TV und im Live-Stream sehen können.

Kiew - Jetzt steht Hamanns Ex-Klub wieder im Endspiel der Königsklasse, der heutige TV-Experte wird die Partie gegen Real Madrid (Samstag, 20.45 Uhr/ZDF und Sky und bei uns im Live-Ticker) für das irische Fernsehen analysieren. Im tz-Interview spricht der 44-Jährige über die Favoritenrolle, Liverpool-Star Mo Salah und Jürgen Klopps Verdienste.

Herr Hamann, der FC Liverpool steht im Champions-League-Finale 2018. Hatten Sie damit gerechnet?

Dietmar Hamann: Absolut nicht! Es gibt sieben, acht Teams in Europa, die personell besser aufgestellt sind. Insbesondere in der Defensive hatte Liverpool ein Problem. Aber das hat sich mit der Verpflichtung von Virgil van Dijk im Januar geändert. Er hat die Abwehr stabilisiert. Im Verein und in der Stadt herrscht eine richtige Aufbruchstimmung. Und dennoch ist für mich Real Madrid der Favorit. Entscheidend wird in meinen Augen sein, wie hungrig die Real-Spieler noch darauf sind, zum dritten Mal hintereinander die Champions League zu gewinnen. Sie würden damit etwas schaffen, was vielleicht keine andere Mannschaft mehr erreichen wird.

Jürgen Klopp hat den Spielstil seiner Mannschaft als „All-Inclusive“ mit Hang zum Drama bezeichnet.

Hamann: Der Mannschaft fehlt noch die Erfahrung. Man muss auch mal das Tempo herausnehmen – daran hapert es. In der Offensive ist das Team mit Firmino, Mane und Salah herausragend bestückt. Salah gelingt in dieser Saison einfach alles. Er ist im Kampf um den Titel Fußballer des Jahres ein ernsthafter Konkurrent für Messi und Ronaldo. Wann hat es das das letzte Mal gegeben, dass einer in die Phalanx der beiden eingedrungen ist?

Mohamed Salah vom FC Liverpool bei der Ankunft in Kiew zum Champions League Finale.

Sind Sie überrascht von Salahs Entwicklung?

Hamann: Schon ein bisschen, aber er fühlt sich in Liverpool unheimlich wohl. Die Leute hier lieben ihn, auch wegen seiner Bodenständigkeit. Und natürlich hat auch Jürgen Klopp einen ganz großen Anteil an dieser Leistungsexplosion, unter anderem weil er ihm Freiheiten im Spiel gibt. Salah ist aber nicht der einzige, der eine erstaunliche Entwicklung genommen hat. Klopp nimmt die Spieler mit. Man hat den Eindruck, dass sie für ihren Trainer durchs Feuer gehen würden.

Manche stellen Klopp bereits in eine Reihe mit Liverpools Trainer-Legenden Bill Shankly und Bob Paisley...

Hamann: Damit wäre ich vorsichtig. Liverpool hat unter Jürgen Klopp noch nichts gewonnen. Holt er gegen den Real den Titel, ist ihm aber ein Ehrenplatz sicher.

Auch der FC Liverpool hat sich zum Unternehmen entwickelt. Ist der Klub trotzdem noch ein ganz besonderer?

Hamann: Angesichts der ganzen Kommerzialisierung ist es natürlich schwierig, das Familiäre, das Liverpool immer ausgezeichnet hat, zu bewahren. Aber der FC Liverpool ist immer noch ein Mythos, vor allem wegen seiner Geschichte – und natürlich wegen der Fans. Es herrscht ein unheimlicher Zusammenhalt in der Stadt. Das hat sicher auch mit der Hillsborough-Katastrophe zu tun, bei der 96 Liverpool-Fans ihr Leben verloren haben. Das war zwar 1989, schweißt die Leute durch den gemeinsamen Kampf gegen Lügengeschichten in der Boulevard-Presse und um Gerechtigkeit aber bis heute zusammen.

Wiederholungstäter Real oder Neuling Salah: Wer schnappt sich Samstag den Champions-League-Sieg? 

Stichwort Wunder von Istanbul: Sie wurden in der Halbzeit beim Stand von 0:3 eingewechselt. Wie sah Ihre Gefühlslage damals aus?

Hamann: Ich war nach dem Halbzeitpfiff wie in Trance in die Kabine geschlichen und hatte mich total leer gefühlt. Dann hat Rafael Benitez gesagt, ich soll mich warm machen. Trotz des Rückstands haben die Liverpool-Fans die ganze Zeit gesungen. Es war gut, dass ich zehn Minuten allein für mich war und nachdenken konnte. Eigentlich war die Sache ja gelaufen. Wir lagen 0:3 hinten gegen Milan – damals eine Weltauswahl. Aber dann habe ich mir gedacht, dass wir ziemlich sicher noch ein Tor schießen würden. Und wenn uns auch noch das 2:3 gelingen würde, wären die Milan-Spieler bestimmt verunsichert. Und so kam es dann ja auch.

Es heißt, die Stimmung war nach dem Sieg alles andere als ausgelassen.

Hamann: Wir saßen alle ungläubig da – an der selben Stelle wie vor knapp zwei Stunden, als wir noch die Geschlagenen waren, die eine einmalige Chance vertan hatten. Und jetzt stand tatsächlich der Pokal in der Mitte. Es gab keine wilden Freudentänze, sondern Kopfschütteln. Später haben wir dann noch ordentlich gefeiert.

Was würde der neuerliche CL-Gewinn für den Verein bedeuten?

Hamann: Es wäre natürlich ein Riesenerfolg für den Klub. Der Europapokal der Landesmeister als Vorgänger der Champions League war der Wettbewerb, in dem sich der FC Liverpool weltweit einen Namen gemacht hat. Andererseits ist der Klub allein schon durch das Vorstoßen ins Finale für Top-Spieler interessanter geworden. Sie wollen Teil dieses Projekts werden. Das gibt der Aufbruchstimmung beim FC Liverpool nochmals neuen Schub.

Real gegen Liverpool - wer gewinnt das Finale der Champions League? Bleiben Sie hier mit unserem Live-Ticker auf dem Laufenden 

Champions League: So sehen Sie Real Madrid gegen FC Liverpool live im TV und im Live-Stream, wie tz.de* berichtet.

Interview: Roland Wiedemann


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