Aus jüngster WM gelernt

DFB bezieht EM-Quartier: Neuer gab einen Freizeitspaß höchstpersönlich in Auftrag

  • Manuel Bonke
    vonManuel Bonke
    schließen

Das DFB-Team macht es sich für die nächsten Wochen in Herzogenaurach gemütlich. Der dortige Campus von Sponsor Adidas soll ein Flair wie das Campo Bahia verströmen.

München - Der Adidas-Campus in Herzogenaurach ist seit Dienstag um ein paar prominente Bewohner reicher. Am späten Nachmittag bezog der DFB-Tross hier sein EM-Quartier für die nächsten Wochen. Das Base-Camp der deutschen Nationalmannschaft trägt offiziell den Namen „Home Ground“.

Ins Deutsche übersetzt bedeutet es so viel wie heimischer Boden. Und auf diesem heimischen Boden möchten Bundestrainer Joachim Löw* und seine Spieler für einen erfolgreichen Verlauf der Europameisterschaft* sorgen.

EM-Quartier der DFB-Auswahl: Bierhoff setzt auf den Wohlfühl-Faktor

Dass die Quartier-Wahl durchaus zum (Miss-)Erfolgsfaktor bei einem Turnier werden kann, haben die beiden vergangenen Weltmeisterschaften gezeigt. 2014 in Brasilien lebte die DFB-Elf in der Wohlfühl-Oase Campo Bahia und wurde am Ende Weltmeister.

Vier Jahre später in Russland mussten die Nationalspieler in eine Art Plattenbau im Moskauer Vorort Watutinki ziehen - und schieden bekanntlich in der Vorrunde aus. Daraufhin hagelte es auch für „Quartier-Meister“ Oliver Bierhoff* massive Kritik. Das soll nun vermieden werden. „Wir haben alle Möglichkeiten - was wichtig ist, damit Atmosphäre entsteht. Es ist wichtig, dass man sich wohlfühlen kann“, sagt Bierhoff vor der EM 2021.

EM-Quartier der DFB-Auswahl: Neuer gab Paddletennisplatz in Auftrag

Damit der Wohlfühl-Faktor nicht zu kurz kommt, haben sich die Architekten des Home Ground einiges einfallen lassen. Die klein gehaltenen und trotzdem mit Licht durchfluteten Wohnhäuser bieten Platz für vier Spieler, sind im Grünen gelegen und von Bäumen umgeben. Bierhoff verrät: „Das Quartier konnten wir in unserem Sinne designen.“ Darum gibt es den zentral gelegenen Marktplatz inklusive Pool-Bereich, einen Beachvolleyball- und einen Paddletennisplatz, den Kapitän Manuel Neuer* höchstpersönlich in Auftrag gab.

Im Trainingslager in Seefeld stellte Sponsor VW den Spielern bereits einen Renn-Simulator zur Verfügung. Der Andrang am Gerät war so groß, dass die Stars über Teammanager Thomas Behesthi vorsichtig nachfragen ließen, ob es denn möglich wäre, in Herzogenaurach noch ein zweites Gerät zu installieren. So könnten die Spieler gleichzeitig gegeneinanderfahren. Der zweite VW-Simulator befindet sich derzeit auf dem Weg…

Hier soll der Titelgeist entstehen: Die DFB-Auswahl wohnt und lebt während Joachim Löws letztem Turnier als Bundestrainer auf dem Adidas-Campus in Herzogenaurach.

EM-Quartier der DFB-Auswahl: Backgammon und Co. gehen vor Playstation

Ein Lagerkoller sollte angesichts dieser Möglichkeiten zur Freizeitbeschäftigung also nicht entstehen. „Die erste Energie muss aber aus der Mannschaft kommen. Wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen.“ Dass der Teamgeist von Tag zu Tag wächst, war in Seefeld gut zu beobachten: Gemeinsames Golfen, Mountainbiken oder Tennis-Duelle sorgten für die nötige Abwechslung. Aus Spielerkreisen heißt es übrigens auch, dass selbst die gerne genutzte PlayStation-Spielekonsole nur selten zum Einsatz kommt, weil man sich lieber mit Brettspielen die Zeit vertreibt: So preist vor allem Kevin Volland sein Backgammon-Brett im Mannschaftskreis regelmäßig an - und findet großen Anklang.

Nur ein Nationalspieler lehnt noch vehement ab: Marcel Halstenberg. Hintergrund: Weil sein Backgammon-Gegenspieler Jonas Hofmann im März beim DFB-Lehrgang positiv auf Corona getestet wurde*, musste er als Kontaktperson ersten Grades von der Nationalmannschaft abreisen und 14 Tage in Quarantäne. Wer weiß, vielleicht kann sich Halstenberg in den nächsten Wochen in Herzogenaurach überwinden. (bok) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © DPA/Federico Gambarini

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare